Analysten rechnen jedoch nicht damit, dass die United Internet AG den Wettbewerber schluckt. Dann müsste sie angesichts der jüngsten kräftigen Kurssteigerung unverhältnismäßig viel Geld auf den Tisch legen, meinte Heike Pauls von der Commerzbank. United Internet ist mit 2,5 Millionen Kunden die Nummer zwei auf dem DSL-Markt hinter der Deutschen Telekom. Allerdings hat das Unternehmen kein eigenes Netz, sondern verkauft in der Hauptsache Anschlüsse des Ex-Monopolisten weiter. In der jüngsten Zeit hat sich United Internet aber durch Kooperationen mit den Netzbetreibern Telefonica und QSC von der Telekom emanzipiert.
Bislang war erwartet worden, dass United Internet vordringlich an dem DSL-Geschäft von freenet interessiert ist, einem weiteren Reseller mit 1,3 Millionen Breitbandkunden. Gespräche zwischen beiden und der Drillisch AG über eine strategische Partnerschaft verliefen zwar kürzlich im Sande. Trotzdem vermuten Analysten, dass United Internet weiter Interesse am DSL-Geschäft der freenet AG hat. Das wäre für United sehr sinnvoll, und eine Aufspaltung von freenet sei nach wie vor sehr wahrscheinlich, erklärte Stefan Borscheid von der WestLB.
Allerdings gaben United Internet und Drillisch, die wegen ihrer freenet-Ambitionen ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet haben, den Plan auf, ein Paket von 18,5% an dem Hamburger Konkurrenten zu übernehmen, das bei der Beteiligungsgesellschaft Vatas liegt. Das Joint Venture habe beschlossen, die im August vereinbarte Option nicht zu ziehen. Statt dessen brachte Drillisch, die auf das Mobilfunkgeschäft von freenet aus ist, ihre restlichen 4% an dem Wettbewerber in das Gemeinschaftsunternehmen ein, das nun 10% an freenet hält.
Drillisch erklärte, man verfolge weiter eine "strategische Positionierung" auf dem in einer Konsolidierung befindlichen Markt der Mobilfunk-Service-Provider - das sind analog zu den DSL-Resellern Anbieter ohne Netz, die Mobilfunkprodukte der vier großen Netzbetreiber auf eigene Rechnung vermarkten. Hier hat kürzlich Marktführer debitel die bisherige Nummer drei Talkline übernommen.
Analysten vermuten, dass der Kaufpreis für die Vatas-Anteile für United Internet zu hoch war. Damals war kolportiert worden, dass der Ausübungspreis für die Option bei gut 21 EUR lag - das ist deutlich mehr, als die freenet-Papiere heute wert sind. Sie notierten zuletzt bei rund 15,50 EUR. Der Erlös aus der Kapitalerhöhung, die Drillisch zu Wochenbeginn vorgenommen hat, lag mit 106 Mio EUR jedenfalls deutlich unter der benötigten Kaufsumme.
United Internet beteiligte sich im Rahmen dieser Transaktion für 31 Mio EUR mit knapp 10% an dem Partner aus dem hessischen Maintal. Gleichzeitig planen beide eine Vermarktungskooperation. Experten sehen mit Blick darauf allerdings keine strategische Logik hinter der Beteiligung. Eher sei zu vermuten, dass United Internet mit überschaubarem Risiko weiter einen Fuß in der Tür halten wolle.
Allerdings bestehe die Gefahr, dass mit dem Wegfall der potenziellen Sperrminorität von 25% nun andere Interessenten bei freenet zu Zuge kommen könnten. Gerüchten zufolge haben auch Telefonica und Telecom Italia Interesse am DSL-Bereich des Hamburger Unternehmens. Dieses will sich die Option eine kompletten oder teilweisen Verkaufs aber nur noch bis Jahresende offen halten. Copyright (c) 2007 Dow Jones & Company, Inc.
















