Überraschende Wende
Microsoft zieht Gebot für Yahoo! zurück
Die Microsoft Corp, Redmond, hat überraschend ihr Gebot für Yahoo!, Sunnyvale, zurückgezogen. Das Softwareunternehmen veröffentlichte am Samstag einen Brief von CEO Steve Ballmer an Yahoo!-CEO Jerry Yang, indem er das Gebot für den Suchmaschinenbetreiber zurückzog. "Trotz unserer Bemühungen, was auch eine Erhöhung des Gebots um rund 5 Mrd. USD beinhaltete, hat Yahoo! unser Gebot nicht angenommen", heißt es in dem Schreiben.
Nach sorgfältiger Abwägung, seien die Forderungen von Yahoo! nicht im Interesse von Microsoft. Daher ziehe man das Gebot im Interesse der Aktionäre, Mitarbeiter und Anteilseigner zurück, so Ballmer in dem Brief weiter.
Auch wenn Microsoft möglicherweise Pläne in Bezug auf Yahoo! weiterverfolgen könnte, sehen mit der Transaktion vertraute Personen beider Seiten in dem Rückzug des Gebots keinen taktischen Schritt, um Yahoo! zu einer Annahme des abgebenen Gebots zu drängen.
Möglicherweise könnte Yahoo! nun allerdings in Erklärungsnot gegenüber den Aktionären kommen, warum es zu einem Preis von 33 USD je Aktie nicht zu einem Abschluss der Transaktion gekommen sei, heißt es. Die Hauptaktionäre von Yahoo! hatten zuvor ihre Zustimmung zu einer Übernahme für einen Preis von 34 bis 35 USD je Aktie signalisiert und sich optimistisch in Bezug auf einen erfolgreichen Abschluss der Transaktion gezeigt.
Nach Aussage der informierten Kreise hatten sich Ballmer, Yang und weitere Personen der Führungsebene beider Unternehmen am Samstag in Seattle zu einem letzten Gespräch getroffen. Dabei habe Yahho! seine Forderung auf 37 USD je Aktie reduziert. Yahoo! habe nach dem Ende der Gespräche mit einem neuen Angebot seitens Microsoft gerechnet, hieß es von den Kreisen weiter.
Noch am vergangenen Mittwoch hatte Microsoft eine Erhöhung des Gebots "um einige Dollar" in Aussicht gestellt. Mit der Situation vertraute Kreise gehen davon aus, dass Microsoft eine Übernahme für 33 USD je Aktie hätte realisieren können. Von einer feindlichen Übernahme habe der Software-Konzern allerdings Abstand genommen, "da es klarer und klarer geworden sei, dass es kein gutes Umfeld für eine Zusammenarbeit geworden wäre, wenn man sich schon beim Preis nicht einigen kann".
Microsoft könnte nun versuchen ein anderes Internet-Unternehmen zu übernehmen, so eine mit der Situation vertraute Person. In einem Interview hatte Ballmer am Donnerstag eine Reihe von Unternehmen genannt, die für Microsoft interessant sein könnten. Er nannte hier unter anderem Facebook Inc., die Time-Warner-Tochter AOL und MySpace. Im Gegenzug könnte Yahoo! nun versuchen in den kommenden Tagen einen Abschluss mit Google zu erzielen.
Im Falle eines Scheiterns der Übernahme von Yahoo! durch Microsft haben Analysten einen Fall der Yahoo-Aktie auf 20 und 25 USD prognostiziert. Den regulären Handel am Freitag hatte die Yahoo!-Aktie mit einem Aufschlag von 6,9% bei 28,67 USD beendet.
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