Microsofts CRM-Bilanz nach einem Jahr
Von Dr. Ronald Wiltscheck
Eigentlich war Mitte 2005 als Startdatum für Microsoft CRM vorgesehen. Doch der Konzern hat die neue Version seiner Kundenbeziehungssoftware erst für Ende dieses Jahres angekündigt.
Eduard Dell, Product Manager CRM bei der Microsoft Deutschland GmbH, gab ComputerPartner gegenüber an, dass vor allem die Anforderungen seitens der Partner und Kunden zu dieser Verzögerung geführt hätten. So wünschten sich Anwender eine noch leichtere Integration des CRM-Paketes mittels des Small Business Servers (Windows, Exchange, SQL und ISA Server). "Nach den nun anstehenden Veränderungen werden dafür nur noch vier Klicks notwendig sein", so Dell.
Außerdem soll in der Version 2 der Redmonder Kundenbeziehungssoftware auch die von Microsoft propagierte "Service-orientierte Architektur" (SOA) stärker berücksichtigt werden. Ferner sollen Helpdesk-Funktionen hinzu kommen, damit Microsoft CRM auch von IT-Dienstleistern stärker in Anspruch genommen wird.
Überhaupt möchte Microsoft insgesamt 20 unterschiedliche vertikale Märkte mit seiner Kundenmanagementlösung beglücken. Diese Branchenausprägung sollen vor allem Partner bewerkstelligen, wie beispielsweise die Orbis AG. Dieses Unternehmen hat sich auf die Marktsegmente Industrie, Automotive, Konsumgüter und Handel spezialisiert. Als einer von nur fünf Top-Partners in Deutschland testet Orbis bereits die Alpha-Version Microsoft CRM 2.0 seit Anfang 2005.
Selbstredend ist man dort über die verschobenen Auslieferung der endgültigen Fassung dieser Software alles andere als glücklich. "Wir haben zwar keine Kunden verloren, mussten aber ganz viel Überzeugungsarbeit leisten, um sie bei der Stange zu halten", so Silvia Peschkes, Vertriebsleiterin bei Orbis.
Dennoch äußert sie auch Verständnis für das Vorgehen des Konzerns. "MS CRM 2.0 muss auf jeden mehrsprachenfähig sein und mit mehreren Währungen umgehen können. Schließlich stehen wir hier im Wettbewerb mit SAP", so die Orbis-Managerin. Besonders angetan zeigt sie sich von Microsofts Engagement für die Servicekomponente (Helpdesk): "Genau so etwas brauchen unsere Kunden."
Voraussichtlich im September 2005 sollen übrigens Orbis und die weiteren vier Top-Parter die Beta-Version von Microsoft CRM erhalten. Dann wird sich auch herausstellen, ob die Migration von 1.2 wirklich so einfach vonstatten geht, wie von den Redmondern versprochen.
Derzeit haben etwa 200 Kunden in Deutschland die Kundenmanagementsoftware von Microsoft im Einsatz; dabei wird der Hersteller von rund 100 Vertriebspartnern unterstützt. Diese wiederum können bei Ingram Micro auf Hilfe hoffen - beim dortigen gerade aufgebauten Microsoft-CRM-Kompetenzzentrum.
Dass Vertriebspartner über die Verschiebung von MS CRM 2.0 nicht besonders erfreut waren, damit hat Microsoft sicher gerechnet. Der nächste Termin, Ende 2005, muss aber auf jeden Fall eingehalten werden, sonst schwindet das Vertrauen von Partnern und Kunden endgültig.
















