Netzbetreiber setzen auf DVB-H
Während sich die Provider mit DMB arrangieren, setzen die Netzbetreiber auf den Konkurrenzstandard DVB-H. Derzeit gibt es einen kommerziellen Regelbetrieb mit DVB-H allerdings nur in Italien. 200.000 DVB-H-taugliche Endgeräte sollen bereits verkauft sein. In Deutschland wurde zur Fußball-WM in Berlin, Hamburg, München und Hannover ein dreimonatiges Pilotprojekt gestartet. Insgesamt standen rund 1.000 Testgeräte - Vorserien-Modelle und Prototypen - zur Verfügung. Mit ihnen konnten die Tester 16 TV- und 10 Radio-Programme empfangen. Zurzeit läuft der Testbetrieb in Berlin und Hamburg weiter. Der Regelbetrieb soll im kommenden Jahr bundesweit starten - vorausgesetzt, die notwendigen Senderlizenzen stehen zur Verfügung.
Während die Betreiber des Pilotprojekts von einer "äußerst positiven Resonanz" berichten, fällt das Fazit des Online-Magazins Xonio, das sowohl DMB- als auch DVB-H-Geräte testete, wesentlich verhaltener aus. Der Empfang käme - vor allem in Gebäuden - "einem Glücksspiel gleich" war das ernüchternde Fazit.
Am besten schnitt im Xonio-Test ein Vorserienmodell des DVB-H-Geräts "N92" von Nokia ab. Es hatte nicht nur den empfangsstärksten Tuner, sondern hielt mit fünf Stunden und 25 Minuten Empfang pro Akkuladung auch am längsten durch. Die Finnen setzen voll auf DVB-H und werben für das System auf einer eigenen Webseite (www.mobiletv.nokia.com). Nokia arbeitet mit Motorola und Sony Ericsson zusammen, um eine Interoperabilität der Geräte zu gewährleisten und den Standard voranzutreiben.
Die beste Bildqualität bescheinigten die Tester dem DVB-H-fähigen SHG-P920, das in Italien bereit kommerziell erhältlich ist. Das Online-TK-Magazin Teltarif, welches das Gerät ebenfalls testete, bemängelte aber einen äußerst schwachen Empfang des TV-Signals und die instabile Firmware. Einen wesentlich besseren Tuner, aber dafür eine schlechtere Bildqualität bietet das "My Mobile TV" von Sagem.
Während die DVB-H-Geräte in Deutschland noch nicht kommerziell erhältlich sind, kann man DMB-Modelle bereits kaufen. Die Auswahl ist allerdings übersichtlich: Neben dem Samsung SGH-P900 steht noch das "V9000" von LG zur Verfügung.
Welcher Standard sich in Deutschland langfristig durchsetzen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Vielleicht könnte sich der Streit der Systeme aber auch in Wohlgefallen auflösen. Mit DXB (Digital Extended Broadcasting) ließen sich beide Technologien auf einem Chip vereinigen. (haf)
DMB: Digital Multimedia Broadcasting; Weiterentwicklung des Digitalradios DAB. Für die Videoübertragung kommt dabei der Codec H.264, für Audio BSAC oder AAC+ zum Einsatz. Es stehen je nach Fehlerschutz Netto-Datenraten von bis zu 1,5 Mbit/s pro Frequenzblock zur Verfügung, was zu Übertragung von drei bis vier TV-Programmen ausreicht.
DVB-H: Digital Video Broadcasting - Handheld; der Standard entspricht auf der Transportebene DVB-T, ergänzt um Technologien, die den Strombedarf senken und die Störfestigkeit erhöhen sollen. DVB-H erreicht in der Regel Netto-Datenraten von 9 Mbit/s bei einer Frequenzbreite von 8 MHz. Damit lassen sich über einen Kanal zirka 30 Fernsehprogramme übertragen, bei statistischem Multiplexing sogar bis zu 50.
DXB: Digital Extended Broadcasting; soll eine spezifierte Schnittstelle für DMB, DVB-H und UMTS/MBMS zur Verfügung stellen und so einen standardunabhängigen Fernsehempfang am Handheld ermöglichen.
MediaFLO: Media Forward Link Only; Von Qualcomm speziell für die in den USA verbreiteten CDMA-Netze entwickeltes Konkurrenzsystem zu DMB und DVB-H.
MBMS: Multimedia Broadcast Services; Broadcast-Dienst, der über GSM- oder UMTS-Netze arbeitet. Das Signal wird dazu in einen Träger- und einen User-Service aufgeteilt. Der Träger-Service nutzt IP-Multicast-Adressen für die Datenübertragung. Die Frequenzkapazitäten in Core- und Funknetz werden so ökonomischer verwendet als bei einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung. Der User-Service bietet eine Streaming-Variante, zum Beispiel für Fernsehübertragung und eine Download-Variante für das asynchrone Betrachten von Inhalten.
















