Meinung: Software-Hersteller sind gefordert

Am Arbeitsplatz zurück in die Steinzeit



Ulrich Jänicke, Spezialist auf dem Gebiet Human Resources, ist Gründer und CEO der Aconso AG in München.
Anwender erledigen heute ihre privaten Bankgeschäfte mobil und managen ihre Dateien in verschiedenen Cloud-Anwendungen. Aber wie sieht es am Arbeitsplatz aus?

Kaufen Sie auch über Amazon, Zalando und Co ein? Buchen Sie Ihre Reise Online und zahlen diese dann mit Paypal? Kein Wunder, denn das ist keineswegs ein spezifisches Verhalten der Generation Y. Sie gehören damit auch nicht zu einem elitären Kreis besonders Internet-affiner Bürger, sondern zählen zu der großen Mehrheit der Deutschen, die ihr Privatleben heute ganz selbstverständlich digital organisiert.
Wir recherchieren und kaufen im Netz ein, wir bezahlen elektronisch, kommunizieren über digitale Kanäle wie E-Mail, What's App, Twitter oder Facebook und nutzen Cloud-Dienste wie Dropbox, Spotify und Skype - wer braucht da noch Papier? Eigentlich niemand.

Nicht nur die Hardware sollte in regelmäßigen Abständen erneuert werden.
Nicht nur die Hardware sollte in regelmäßigen Abständen erneuert werden.
Foto: carl ballou-shutterstock.com

Doch in den Unternehmen wimmelt es trotz der schnell voranschreitenden Digitalisierung noch immer von Formularen. Jeden Tag erhalten wir Ausdrucke, die freigegeben und unterzeichnet werden müssen, nur damit diese dann in einem langwierigen Prozess bei irgendeinem Kollegen oder Vorgesetzten festhängen. Und niemand weiß, bei wem beziehungsweise wo genau der Vorgang gerade hängt.

Privat hoch modern ausgestattet und am Arbeitsplatz zurück in die Steinzeit. Warum tun wir uns das in der heutigen Zeit eigentlich noch an? Ein Grund mag sein, dass sich insbesondere große Konzerne mit ihren über Jahrzehnte gewachsenen Unternehmensstrukturen oft schwer tun, die eingefahrenen Arbeitsweisen durch effiziente digitale Workflows zu ersetzen. Aber die Trägheit schwerfälliger Unternehmen als einzigen Grund vorzuschieben, wäre wohl zu kurz gegriffen.

Auch Sicherheits- oder Datenschutzbedenken können kaum die Ursache sein, denn mittlerweile gibt es Systeme in der Controlled Cloud, die genauso sicher sind wie in der selbst betriebenen IT. Vielmehr krankt es bei der Implementierung neuer Technologien häufig an der Akzeptanz der Nutzer. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier, das auf Veränderung oft mit Anlehnung reagiert. Dass viele Business-Applikationen auf eine einfache Nutzeroberfläche verzichten, umständlich zu bedienen und schwer zu verstehen sind, trägt nicht gerade dazu bei, das Vertrauen der Anwender zu gewinnen.

Die Anforderungen an die Softwarehäuser sind also denkbar einfach: Die Nutzer sehnen sich nach einer modernen, einfachen und intuitiven Software, die ihre Arbeitsabläufe durchgängig unterstützt und sie schnell ans Ziel bringt. Schließlich können private Apps ja auch von Dreijährigen bedient werden. Wenn wir dieses "einfache" Prinzip der Benutzerfreundlichkeit und Durchgängigkeit als Softwarehersteller auch für Geschäftsanwendungen anstreben, steht der Digitalisierung nichts mehr im Wege. (bw)