Public-Cloud-Plattformen im Vergleich

Amazon Web Services gegen Microsoft Azure und Google Cloud Platform

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Amazon Web Services - für viele die "sichere Wahl"

Bereits 2006 brachte AWS seinen Cloud-Speicherdienst Simple Storage Service (S3) auf den Markt und gilt seither als Wegbereiter des Public-Cloud-Markts. Der frühe Start verschaffte dem Cloud-Ableger des E-Commerce-Riesen einen großen Vorsprung vor den Konkurrenten. Nach Einschätzung von Gartner besitzt AWS immer noch das ausgereifteste Cloud-Angebot. Die Breite und Tiefe des Service-Portfolios sorgten dafür, dass AWS in vielen Fällen als die natürliche Wahl für die meisten Einsatzszenarien gesehen wird.

Mit Lambda offeriert AWS eine Plattform für Serverless Computing.
Mit Lambda offeriert AWS eine Plattform für Serverless Computing.
Foto: Amazon Web Services

Zum Zeitpunkt des Cloud-Vergleichs unterhielt AWS weltweit 42 Availability Zones (AZs) in 16 Regionen. Jede AZ besteht aus mindestens einem oder mehreren dedizierten Rechenzentren. Im vergangenen Jahr hielt der Provider nach Gartner-Schätzungen mehr Rechenkapazität in seiner Cloud vor als alle anderen Konkurrenten zusammen. Die Compute-Dienste reichen von Amazon EC2 für virtuelle Maschinen und dem EC2 Container Service über LightSail für virtuelle private Server bis hin zur Serverless Computing-Plattform Lambda. Damit lassen sich Programme ausführen, ohne dabei die Provisionierung von Infrastruktur-Ressourcen zu berücksichtigen. Softwareentwickler müssen sich nicht mehr mit den zur Ausführung benötigten Servern beschäftigen sondern können einfach ihren Code in die Cloud laden.

Im Bereich Storage offeriert AWS neben S3 unter anderem Elastic Block Storage (EBS) und die Low-Cost-Archivierungslösung Glacier. Breit ist die Auswahl mittlerweile auch in puncto Datenbank-Services. Neben der relationalen Datenbank Aurora können Kunden beispielsweise Amazon RDS wählen, wenn Sie MySQL nutzen wollen. Darüber hinaus unterstützt AWS die objektrelationale Datenbank PostgreSQL, Oracles Datenbank, Microsofts SQL Server sowie die NoSQL-Datenbank DynamoDB.

Hinzu kommt eine Reihe an Diensten aus den Bereichen Networking, Mobile Application Services, Messaging und Business Productivity-Tools. Amazon offeriert auch eine IoT-Plattform, daneben Dienste für Spieleentwickler sowie Desktop- und Application-Streaming-Services. Darüber hinaus betreibt AWS den größten Marktplatz für Drittanbieter-Services im Cloud-Sektor. Unbestätigten Gerüchten zufolge planen die Amazon-Strategen sogar eine Cloud-basierte Office-Suite, die Microsofts Office 365 und Googles G Suite Konkurrenz machen würde.

Das breite Portfolio kann AWS-Kunden überfordern

Die gravierendste Schwäche von AWS ist womöglich die schiere Größe der Plattform. Unternehmenskunden brauchen viel Zeit und häufig externe Beratung, um die Dienste effizient zu nutzen. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten. Anwendungen einfach unverändert in die Cloud zu schieben, ist für die wenigsten ein gangbarer Weg. Vielmehr müssen etliche Programme erst für den Cloud-Betrieb angepasst und zum Teil sogar neu entwickelt werden.

Die feingranulare Abrechnung nach dem Pay-as-you-go-Modell bringt Vorteile, wenn es um kurzfristige IT-Anforderungen geht. Sie kann nach Einschätzung der Gartner-Experten aber auch schnell teuer werden, wenn Kunden sich nicht intensiv damit auseinandersetzen. Die breite Palette an Preisoptionen und Rabatten auf bestimmte Cloud-Services macht die Auswahl der richtigen Produkte und Mengen zu einem komplexen Unterfangen.

Das rasante Tempo, in dem AWS neue Services und Technologien entwickelt, wird vielfach gelobt. Nicht wenige Kunden aber haben durchaus ihre Probleme, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Kompliziert wird es bisweilen auch, wenn Unternehmen Service-Level-Agreements (SLA) in Anspruch nehmen wollen. Beispielsweise müssten Workloads jeweils über mindestens zwei Availability Zones hinweg abgesichert werden, um sich für ein SLA zu qualifizieren, monieren die Analysten. Trotz solcher Herausforderungen sei AWS aber in vielen Fällen schlicht eine "sichere Wahl", wenn es um die Entscheidung für einen Cloud-Provider gehe.