Connected Cars

Automobilhersteller müssen Services anstatt Produkte verkaufen



Alexander Zschaler ist  Vertriebsleiter Deutschland bei Cloudera.

Die Autofahrer besser kennenlernen

Es gibt eine starke Verbindung zwischen dem Datenaustausch und einer Kundenbeziehung, die sich erfolgreich monetarisieren lässt. Der Schlüssel zum Erfolg ist die frühe Implementierung einer datenbezogenen Strategie. Deshalb entwickeln Fahrzeughersteller jetzt Lösungen für ein effektives und übergreifendes Management der neuen Vertragsbeziehung mit ihren Kunden, in dem physische Produkte genauso wie Services und Dienstleistungen in einer langjährigen gegenseitigen Verpflichtung gebündelt werden: "Mobilität" in der "oberen Mittelklasse" einschließlich "Mobilitätsgarantie" und "Internet-Dienstleistungspaketen" mit "Zwei Cabrio-Wochenenden" pro Jahr sind vielleicht die zukünftigen Angebote. In San Francisco sind sie übrigens bereits Realität.

Die Hersteller erkennen, dass nutzungsbezogene Informationen, welche die Fahrer erzeugen, viel wertvoller sein werden als die Kenntnis über die Autos, die sie fahren. GM und Toyota sind schon dabei, Einsatzzentralen zur Analytik derartiger Daten aufzubauen. Wenn jemand heutzutage ein neues Auto kauft und vom Hof fährt, dann nimmt er den Autohersteller auf dem virtuellen Beifahrersitz gleich mit - und zwar ab der ersten Fahrt.

Datenschutz gewährleisten - aus Eigeninteresse

Das Sammeln und die Analyse von Nutzungsdaten - mit Erlaubnis des Fahrers - führt jedoch auch dazu, dass die Grenze zwischen Leistung und Datenschutz an Schärfe verliert. Ian Robertson, Vorstandsmitglied bei BMW, hat kürzlich vor einer neuen Entwicklung gewarnt: Technologieunternehmen und Werbeagenturen übten zunehmend Druck auf die Fahrzeughersteller aus, um eine Weitergabe gesammelter Daten der Connected Cars zu Marketingzwecken zu erreichen - eine Anfrage, die er mit "Nein, Danke." beantwortete.

Automobilhersteller müssen geschlossen dafür sorgen, dass diese Informationen unter Verschluss bleiben. Nur so können sie verhindern, dass Datenschutzrechte ihrer Kunden verletzt und sie selbst ein mögliches Ziel für Hacker werden. Vielmehr sollten sie die Daten dazu benutzen, um ihre Kunden besser zu verstehen und relevante abonnementbasierte Leistungen anzubieten, die das Fahrerlebnis oder die Fahrsicherheit optimieren. Wie wäre es zum Beispiel mit einem "Fahrspurhalte-Assistenten" für eine spezielle Nachtfahrt? Oder ein Service, der den Radius des Fahrzeugs auf 25 km vom Wohnort eingrenzt, wenn das Fahrzeug über das Wochenende an einen Freund verliehen wird? Oder ein Opt-in-Navigationssystem, das mit dem persönlichen Kalender synchronisiert wird und anzeigt, wo sich Freunde und Kollegen auf ihrem Weg zum Restaurant, Event oder Meeting gerade befinden?

Es gibt nahezu unbegrenzte Möglichkeiten und eine Sache ist sicher: Das Fahren war noch nie so spannend wie heute. (bw)