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BMW 7er als Firmenwagen

BMW 730d G11 im Test

Einen seiner ersten Artikel schrieb René Schmöl, Jahrgang 1982, mit 16 Jahren für die Tageszeitung Freies Wort. Es war ein Interview mit Hape Kerkeling. Dieser Erfolg motivierte ihn, weiterzumachen. Nach sieben Jahren im Lokaljournalismus und einer Ausbildung zum Verlagskaufmann folgte ein Volontariat bei der Verlagsgruppe Handelsblatt. Die zwei aufregendsten Jahre seines Lebens. Seit 2007 ist Schmöl in unterschiedlichen Positionen für IDG tätig. Momentan als Chef vom Dienst Online. Er kümmert sich um das Portal cio.de.
Seit 1977 produziert BMW die 7er-Baureihe. Die aktuelle 6. Generation vereint modernen Luxus, elegantes Design und hohen Komfort. An diesem Konzept hat sich in 40 Jahren nicht viel getan, am Auto umso mehr. Auf Entdeckungsreise im BMW 730d.
Der Testwagen: BMW 730d mit dem M Sportpaket in Mineralweiß metallic.
Der Testwagen: BMW 730d mit dem M Sportpaket in Mineralweiß metallic.
Foto: Rene Schmöl

"Einmal 7er, immer 7er." Diesen Satz haben wir im Gespräch mit 7er-Fahrern im Vorfeld immer wieder gehört. Die große BMW Limousine muss also Qualitäten haben, die man erst auf den zweiten Blick erkennt. Wir haben uns dafür zwei Wochen Zeit genommen und sind dabei über 1500 km gefahren.

Exterieur

Mondän steht er da. Während der Innenraum luxuriös und digital daherkommt, ist das Blechkleid en vogue. Das M Sportpaket in Kombination mit dem M Aerodynamikpaket und der Außenfarbe Mineralweiß metallic steht diesem 7er. Von weitem geht dieses Weiß fast schon als matter Lack durch. Die schiere Länge von 5,23m sorgt bei diesem Fahrzeug einerseits für gediegene Eleganz, andererseits lässt sich auch ein gewisser Prestigefaktor nicht verkennen.

Unterwegs achten wir auf die Reaktionen der Passanten. Und da fällt auf, dass dieser 7er vor allem Frauen regelrecht anzieht. Entgegenkommende Autofahrer begegnen uns dagegen mit vorauseilender Rücksicht. Zuvorkommend machen sie in engen stellen Platz, obwohl sie es nicht müssten. Man kann es auch vorausschauendes Fahren nennen. Aber so etwas erlebt man nicht in jedem Auto.

So schön der Lack auch ist, ein weißes Auto hat leider ganz banale Nachteile: Wenige Fahrten im Alltag reichen aus und der Schmutz ist überaus deutlich zu sehen. Wir haben den 7er wöchentlich von Hand gewaschen und dabei das ein oder andere Detail entdeckt wie z.B. im Air Breather vorne links am Kotflügel. Eigentlich soll dieser dünne Schlitz nur den Luftwiderstand verringern. Doch das Vorderrad hat so einige Steine hochgeschleudert, die darin gut sichtbar feststeckten. Fast unsichtbar ist ein Detail, das vermutlich noch nicht mal jeder 7er-Fahrer kennt: Der Chromrahmen am hinteren Seitenfenster. Das Teil beschreibt den BMW typischen Hofmeister-Knick und besteht nun erstmals aus einem Stück.

Interieur

Der erste Eindruck: Angekommen. Der feine Geruch von Nappaleder zieht in die Nase. Das Ambiente-Licht sorgt für eine gemütliche Stimmung. Man versinkt in den Komfortsitzen. Es sitzt sich gut im 7er. Das Losfahren könnte man glatt vergessen.

Die Anmutung der Materialien ist auf hohem Niveau. Hartplastik wie man das zum Beispiel aus dem BMW 3er kennt, ist im gesamten Sichtbereich nicht zu finden. Galvanisierte Schalter, Keramikapplikation für einige Bedienelemente und eine lederbezogene Instrumententafel vermitteln ein Luxus-Ambiente, das sehr modern wirkt und sich deutlich vom kleineren BMW 5er absetzt. Die Klimaautomatik mit Touch-Funktion für die Sitzheizung, das Multifunktionale Instrumentendisplay und das mittig zentrierte LCD-Farbdisplay neuerdings auch mit Touch-Funktion wirken vor allem digital und lassen erkennen, dass dieser 7er auf dem aktuellen Stand der Technik ist.

Die verbauten Interieurleisten "Pianolack schwarz mit Hochglanzeffekt" sind etwas empfindlich für Mikrokratzer. Die Verarbeitungsqualität ist jedoch sehr gut. Nichts anderes haben wir erwartet. Und das gilt auch für Störgeräusche. Es knarzt oder scheppert nichts. Fahr- und Windgeräusche dringen so gut wie überhaupt nicht in den Innenraum ein. Verblüffend: das bleibt auch bei der Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h so. Telefonate sind somit jederzeit möglich.

Reihen-6-Zylinder Dieselmotor

Nun zum Dieselmotor. Der 730d ist die in Deutschland meistverkaufte Motorisierung. Völlig zu Recht. Der 6-Zylinder Reihenmotor passt gut zu dem Wagen. 265 PS sind zwar nicht übermotorisiert, reichen aber völlig aus. Das Drehmoment von 620 Nm, das bei 2000 bis 2500 Umdrehungen anliegt, macht den Reiz dieses Motors aus. Und so schiebt der 7er so vehement an, dass das eine oder andere Mal die Hinterreifen Probleme haben, die Leistung auf die Straße zu bekommen. Gut so! Etwas Fahrspaß muss einfach erlaubt sein. Laut wird das Triebwerk dabei nie. Der Motor ist gut gekapselt und klingt beim Beschleunigen leicht kernig, was ganz gut zur Kraft dieses Motors passt. Im Leerlauf hört man nur ein leises Grummeln. Die Laufruhe, die diese sechs Zylinder in Reihe erzeugen, ist auf dem Niveau des BMW Reihen-6-Zylinder Benzinmotors.

Die serienmäßige Adblue-Einspritzung garantiert Zukunftssicherheit für diesen Diesel-Motor. Ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie unterstützt den Motor vor allem beim Verbrauch, der sich für ein Fahrzeug mit einem Leergewicht von 1870 kg und jeder Menge Sonderausstattung sehen lassen kann.

Verbrauch

Den geringsten Verbrauch schafft dieser Motor auf der Langstrecke bei moderater Fahrweise. Dafür ist der Wagen gebaut. Ob Frankfurt - München oder Hamburg - Berlin: Auf der Autobahn ist der 730d zu Hause. Wir haben das BMW Flaggschiff aber auch in der Stadt und auf der Landstraße bewegt. In unserer Bildergalerie finden sind alle Ergebnisse.

Die Reichweite mit einer Tankfüllung und ca. 50 km Reserve beträgt in unserem Test 963 km. Damit sind wir sogar 15 km weiter gefahren als der Bordcomputer für einen vollen Tank berechnet. Wir haben 73,90 Liter Diesel getankt. 78 Liter passen maximal in den Tank. Das ergibt einen Durchschnittsverbrauch von akzeptablen 7,7 Litern auf 100 km. Der Bordcomputer zeigte 7,5 Liter an und weicht damit nur minimal ab.

Sport-Automatic Getriebe Steptronic

Die Achtgang-Automatik von ZF gehört zu den besten Automatik-Getrieben auf dem Markt. In Verbindung mit dem Reihen-6-Zylinder Dieselmotor gibt es nichts zu meckern. Ein Schaltgetriebe gibt es sowieso nicht mehr im 7er. Wir vermissen es auch nicht. Die Automatik legt die acht Gänge so sanft ein, dass man davon nur sehr wenig spürt. Viel besser geht es nur noch in einem Elektroauto ohne Getriebe. Die Schaltwippen hätten wir beinahe übersehen, so gut verstecken sie sich hinter dem Lenkrad. Dabei wirken sie in diesem 7er etwas überflüssig. Warum sollte man in dieser Fahrzeugklasse selbst schalten?

Integral-Aktivlenkung

Diese Lenkung werden wir nicht vergessen. Es ist verblüffend wie leichtgängig das Lenkrad bei geringen Geschwindigkeiten anspricht. Das nimmt einerseits die Scheu vor dem lästigen Rangieren in Tiefgaragen und andererseits macht es großen Spaß. Dass man einen 7er so flott durch den Kreisverkehr scheuchen kann, war uns völlig neu. Dagegen schaut so mancher vermeintlich sportliche Kleinwagen völlig alt aus. Der Trick: die Hinterachse lenkt mit. Bei höheren Geschwindigkeiten stellt sich dagegen eine souveräne und vor allem komfortable Fahrzeugreaktion auf die Lenkbewegungen ein, das Fahrzeug wirkt dabei gleichzeitig stabil und nicht nervös. Bei BMW steht diese Lenkung mit 1450 Euro in der Aufpreisliste. Fazit: sehr empfehlenswert

Fahrmodi und Fahrwerk Executive Drive Pro

Die adaptive 2-Achs-Luftfederung mit automatischer Niveauregulierung gehört zur Grundausstattung. Dadurch spüren die Insassen deutlich weniger von schlechten Straßen. Das Gefühl zur Straße ist jedoch für den Fahrer etwas entkoppelt. Und egal ob Comfort Modus oder Sport Modus: Die Abstimmung bleibt immer komfortabel. Schläge in den Rücken bleiben selbstverständlich aus. Dafür sorgt die Luftfederung. Und auch ein Sport Modus macht aus dem 7er noch lange keinen M3.

Dennoch überzeugt das Fahrwerk Executive Drive Pro - vor allem auf der Landstraße. Da merkt man, dass das noch ein echter BMW ist. Schnelle Kurven lassen sich ohne lästiges Untersteuern durchfahren. Das Fahrzeug liegt stets straff auf der Straße. Der Geradeauslauf ist nicht nervös oder unruhig. Das gibt ein Gefühl, sicher unterwegs zu sein. Und das bleibt auch bei höheren Geschwindigkeiten so. Die Traktion ist bei starker Nässe gut. Das Heck bleibt stets ruhig, ohne auch nur ansatzweise auszubrechen. Und so agil und sicher das alles geht, so ernst wird es beim Bremsvorgang vor einer Kurve. Da merkt man einfach die gut 2 Tonnen Fahrzeuggewicht. In der Kurve fällt dann die aktive Wankstabilisierung des Executive Drive Pro Fahrwerkssystem positiv auf. Die Neigung der Limousine ist dabei deutlich reduziert.

Driving Assistant Plus

Dieses umfassende System hat uns so manches Mal Kopfschmerzen bereitet. Denn einige Systeme arbeiten zwar sehr gut, andere wiederum wirken noch nicht ausgereift.

Der Driving Assistant Plus ist ein kamera- und radarbasiertes Fahrassistenzsystem und umfasst diese Funktionen:

1. Aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop&Go-Funktion. Dieses Assistenzsystem arbeitet wie man es erwartet. Adaptiv passt der 7er die vorausgewählte Geschwindigkeit an den vorausfahrenden Verkehr an. Es braucht etwas Zeit, sich auf das Auto zu verlassen, aber Aussetzer gab es in unserem Test keine.

2. Radargestützte Geschwindigkeits- und Abstandsregelung bis ca. 210 km/h. inkusive Auffahrwarnung mit Anbremsfunktion. Dieses System hat einen entscheidenden Nachteil: Erst wenn ein einscherendes Fahrzeug ungefähr die Mitte der Fahrspur und somit das Radar erreicht hat, bremst der 730d ab, um einen drohenden Auffahrunfall zu verhindern. Das führte in unserem Test aber dazu, dass wir mehrfach Auffahrunfälle riskiert hätten. Denn im Alltag scheren Fahrzeuge kurz vor dem Fahrzeug ein und fahren dabei noch nicht ganz auf die Mitte der Spur.

3. Aktive Vollverzögerung und Zielbremsung bei Kollisionsgefahr. Dieses System haben sicherheitshalber auf einem abgesperrten Gelände mit einem größeren Strandball getestet. Fazit: keine Beanstandungen - auch bei Dämmerung.

4. Stop&Go-Funktion mit automatischer Kolonnenfolge im stockenden Verkehr und im Stau bis zum Stillstand des Fahrzeugs. Sehr angenehm im Stau, folgt der 7er dem vorausfahrenden Verkehr. Bei starker Beschleunigung des Vordermanns kann es jedoch passieren, dass dieses Assistenzsystem den Anschluss verliert. Das passierte auch mal bei einem vorausfahrenden Motorrad.

5. Der Lenk- und Spurführungsassistent unterstützt den Fahrer bis ca. 210 km/h, die Spurmitte durch korrigierende Lenkeingriffe zu halten. Das System überzeugt. Der beherzte Lenkeingriff ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber nie unnötig, übertrieben oder gar gefährlich.

6. Der Spurhalteassistent mit aktivem Seitenkollisionsschutz assistiert den Fahrer im Geschwindigkeitsbereich von ca. 70 km/h bis 210 km/h, potentielle Seitenkollisionen durch gezielte Lenkeingriffe aktiv zu vermeiden. In vielen Situationen funktioniert das System sehr gut. Doch es gab einige Abschnitte auf der Autobahn wie zum Beispiel Kurven bei ca. 120 km/h, da konnte der 7er einfach nicht die Spur auf der rechten Fahrbahn von selbst halten und fuhr von der rechten auf die linke Spur, um sich dort neu zu orientieren.

7. Die Querverkehrswarnung vorn unterstützt BMW zufolge beim Einfahren in den Querverkehr und warnt vor möglichen Kollisionen bei schlecht einsehbaren Verkehrssituationen. Dieses System arbeitet im Kreuzungsverkehr gut. So erkennt es aber auch beim Unterfahren einer Autobahnbrücke Fahrzeuge auf der Brücke, die die Fahrspur des 730d queren und warnt vor einer Kollision. Das ist zwar Quatsch und auch nicht wirklich schlimm, da eine Vollbremsung ausbleibt. Der Fahrer kann aber unnötigerweise erschrecken.

Rückfahrkamera

Beim rückwärts Rangieren ist sie eine große Hilfe. Der Rückspiegel ist zwar recht groß, aber das Auto ist lang und die Sicht dadurch eingeschränkt. Die serienmäßigen Parksensoren reichen prinzipiell auch. Aber auf dem Display sieht man in einer guten Auflösung, was sich hinter dem Fahrzeug befindet. Den einen oder anderen Stein übersieht man so nicht mehr. Eingeblendete Parkhilfslinien in unterschiedlichen Farben und Hindernismarkierungen zeigen, wo die Reise im Rückwärtsgang hingeht und ob das Manöver klappen könnte.

BMW Laserlicht

Eines vorweg: Am Tag und in der Dämmerung merkt man von den Vorteilen dieser Lichttechnologie nichts. Erst in der Nacht sieht man einen Unterschied zum serienmäßigen adaptiven LED-Scheinwerfer. Der Fahrtweg ist deutlich heller. BMW verspricht eine doppelte Reichweite von bis zu 600 m im Vergleich zu LED-Scheinwerfern.

Der Laserlicht-Scheinwerfer umfasst LED-Abblendlicht, LED-Fernlicht mit Laser Modul (ab 60 km/h) sowie Positionslicht, Tagfahrlicht, Blinker und Abbiegelicht in LED-Technik. Weiterhin gehören ein adaptives Kurvenlicht sowie der Fernlichtassistent dazu.

Blendfreier Fernlichtassistent (BMW Selective Beam)

Der serienmäßige Fernlichtassistent passt den Einsatz des Fernlichts ständig auf die Fahrsituationen an. Durch ein automatisches Auf- und Abblenden gibt es keine Blendung des vorausfahrenden- und entgegenkommenden Verkehrs. Auf unserer Testfahrt erkannte das System andere noch sehr weit entfernte Verkehrsteilnehmer wie Autos und LKWs sehr gut und blendete diese gezielt aus der Fernlichtverteilung aus. Der Vorteil: Manuelles Umschalten entfällt und man kann länger mit Fernlicht fahren.

Ferngesteuertes Parken per Display-Schlüssel

Es ist ein echtes Schlüsselerlebnis. Der 730d kann durch Aktivieren der Funktion "Ferngesteuertes Parken" am serienmäßigen Display-Schlüssel selbständig in Parklücken vorwärts ein- und rückwärts ausgeparkt werden. Der Fahrer befindet sich während des Parkvorgangs außerhalb des Fahrzeugs aber dicht in der Nähe. BMW zufolge geht das ganze bis maximal fünf Prozent Gefälle oder Steigung. Das haben wir nicht getestet, aber den Parkvorgang in der Ebene mehrmals. Der 7er fährt sehr vorsichtig. Die Sensoren halten dabei Ausschau nach Hindernissen und stoppen das Fahrzeug von selbst. Auch dicht am Auto laufende Personen erkennt der 7er und stoppt von selbst. Enge Garagen, in die der 7er gerade so noch hereinpasst, ein Aussteigen aber unmöglich ist, verlieren so ihren Schrecken und gewinnen wieder an Nutzen.

Komfortzugang

Mit diesem System funktioniert das Öffnen, Starten und Schließen des Fahrzeugs ohne Schlüssel inklusive dem berührungslosem Öffnen der Heckklappe. Es muss lediglich die Fernbedienung zum Beispiel in der Tasche mitgeführt werden. Ebenso lässt sich dieser 730d ohne Benutzung des Fahrzeugschlüssels durch Berührung der Türgriffe verschließen. Der Komfortzugang inklusive der Vorfeldbeleuchtung der Türaußengriffe gehört zur Grundausstattung.

Soft-Close-Automatik für alle Türen

Die Türen schließen ab einem Spalt von wenigen Millimetern sanft. Ein Elektromotor übernimmt diese Aufgabe. Das geschieht leise und ist bequem. Ob man dieses Extra wirklich braucht, hängt sehr stark vom individuellen Geschmack ab. Es passt jedoch perfekt zu dieser Fahrzeugklasse.

Komfortsitze

Die Komfortsitze bleiben länger in Erinnerung. So gut und komfortabel sitzt man selten. Bemerkenswert ist der Langstreckenkomfort: Nach einer stundenlangen Strecke steigen wir beinahe entspannt aus. Das obere Lehnensegment (Schulterstütze), die Lehnenbreite und die Oberschenkelauflage sowie die Kopfstützenhöhe der Komfortkopfstützen sind elektrisch verstellbar. Die Sitzpositionen sind per Memory-Funktion speicherbar und können auf Knopfdruck abgerufen werden. Das Gestühl beinhaltet auch Lordosenstützen für Fahrer und Beifahrer. Die Komfortsitze vorn sind Bestandteil des 7100 Euro teuren M Sportpakets. In Verbindung mit dem Exclusivleder Nappa fällt auf, dass sich das Leder auch bei kalten Außentemperaturen nie unangenehm kalt anfühlt.

Massagefunktion vorn

Die Massagefunktion bietet acht Programme in 3 Intensitätsstufen. BMW spricht von Ganzkörpertraining, was natürlich übertrieben ist. Muskelaktivierung und Muskelentspannung trifft es eher. Diese Programme stehen zur Verfügung: Beckenaktivierung, Oberkörperaktivierung, Ganzkörperaktivierung, Rückenmassage, Schultermassage, Lendenmassage, Oberkörpertraining und Ganzkörpertraining. Die Massage-Funktion bleibt nur ca. eine Stunde aktiviert und muss danach erneut eingeschaltet werden. Die Intensität ist nicht mit einem Massagesessel zu vergleichen, würde den Fahrer aber auch zu sehr ablenken. Fazit: empfehlenswert.

Lenkradheizung in Verbindung mit dem Sport-Lederlenkrad

Eine Lenkradheizung dient in erster Linie der Sicherheit. Wer an den Händen nicht friert, kann sich besser auf das Fahren konzentrieren und versucht es gar nicht erst mit ungeeigneten dicken Handschuhen. Im Vergleich zu anderen getesteten BMW Lenkrädern ist die Wärme an allen Stellen des Lenkrads spürbar und verleitet nicht zu einer unsicheren Lenkradhaltung. Allerdings benötigt man diese Sonderausstattung nur an wenigen Tagen im Jahr.

Keramikapplikation für Bedienelemente

Besonders angenehm anzufassen sind die Keramikapplikationen. Teile des Gangwahlschalters, die Einfassung des iDrive Controllers sowie die Audio- und Klimabedienregler tragen eine Keramikapplikation. Im Gegensatz zu vielen anderen Sonderausstattungen spürt man diese Teile bei jeder Fahrt. Zusatzkosten: 570 Euro

Multifunktionales Instrumentendisplay

In diesem komplett digitalen Display mit Black-Panel-Technologie werden Fahrzeug-Informationen wie zum Beispiel Geschwindigkeit, Drehzahl und der Tankfüllstand unterschiedlich visuell inszeniert - abhängig vom gewählten Fahrmodus. Black Panel bedeutet, man sieht bei ausgeschalteter Zündung zunächst nur eine matt schwarze Fläche. Wenn jedoch das Head-Up Display verbaut ist, schaut man so gut wie gar nicht mehr in das Kombiinstrument. Aufpreis: 390 Euro.

Head-Up Display

Das vollfarbige Head-Up Display ist ein Extra, das vor allem in Verbindung mit dem serienmäßigen Navigationssystem sinnvoll ist. Über eine Projektionseinheit, die in der Instrumententafel sitzt, werden Informationen auf die Frontscheibe projiziert. Diese Informationen umfassen unter anderem Fahrzeug-Geschwindigkeit, erlaubte Höchstgeschwindigkeit, Navigationshinweise und Verkehrsschilder-Einblendungen. Der Vorteil: Der Fahrer kann seinen Blick auf der Straße lassen. Das Head-Up Display ist sowohl tagsüber als auch nachts oder bei hoher Sonnenstrahlung gut ablesbar. Fazit: empfehlenswert.

Das Head-Up Display im BMW 730d während der Fahrt.
Das Head-Up Display im BMW 730d während der Fahrt.
Foto: Rene Schmöl

Navigationssystem Professional

Das serienmäßige Navigationssystem Professional ist ein einfach zu bedienendes Navigationssystem. Mit LTE-Modul und Online-Updates ist es nun etwas schneller und schlauer als in der Vorgänger-Version. Um das zu testen sind wir strikt nicht nach der Ansage gefahren. Das Navi musste den Weg ständig neu berechnen, was sehr schnell ging.

Das iDrive-Bedienkonzept ist logisch und durchdacht. Der 10,25 Zoll große feststehende Farbbildschirm mit Splitscreen-Funktion (Auflösung: 1440 x 540 Pixel) ist groß genug und bietet dadurch eine stets gute Ablesbarkeit und Übersicht.

Das Navigationssystem bietet Reisekarten in dreidimensionaler Optik und zusätzlich Satellitenbilder als Kartenhintergrund. Es lassen sich auch Wetterdaten hinzufügen.

Das Navigationssystem bedient man intuitiv über den iDrive Touch Controller, per Spracheingabe oder über die Touch-Funktion des feststehenden Control Displays. Letzteres ist neu und macht die Bedienung so einfach wie auf einem Tablet. Ob man das auch wirklich nutzt bleibt Geschmackssache. Der iDrive Touch Controller auf der Mittelkonsole ermöglicht eine Handschriftenerkennung zum Eingeben von Zahlen und Buchstaben. Das funktioniert problemlos, aber nicht unbedingt schneller. Am einfachsten und schnellsten erfolgt die Eingabe per Sprachfunktion.

Das Navigationssystem bringt noch etwas mehr mit wie z.B. das Radio BMW Professional mit DVD-Laufwerk (Audio/Video, MP3-fähig) sowie 20 GB Speicherkapazität für die eigene Musik. Besonders die Real Time Traffic Information (RTTI) - also Echtzeit-Verkehrsdaten für die Routenberechnung - machen das Navigationssystem Professional eine Empfehlung wert.

Darüber hinaus gehört ein Vorausschauassistent zum Navigationssystem. Er hilft dem Fahrer im Eco Pro Modus mit Fahrtipps. Ziel ist eine vorausschauende und möglichst energiesparende Fahrweise.

ConnectedDrive Services

Da gibt es zum einen das mobile Internetportal BMW Online mit dem Zugriff auf E-Mails, Wetterinfos, Nachrichten und Adressauskunftsdienste. Zum anderen ermöglicht BMW die Integration von Smartphone Apps (iOS/Android) wie z.B. die BMW Connected App (inkl. Webradio, Zugriff auf soziale Netzwerke) oder Entertainment Apps wie Spotify.

Harman Kardon Surround Sound System

BMW verspricht mit dem 1200 Euro teuren System höchsten Musikgenuss. Nun, das ist es nicht ganz, aber nah dran. Das Harman Kardon Surround Sound System beinhaltet einen Surround-Modus sowie einen digitalen Verstärker mit individuell einstellbarem Equalizing. Das Lautsprechersystem hat eine Verstärkerleistung von 600 Watt und besteht aus 16 Lautsprechern und 9 Kanälen. Der Klang ist insgesamt sehr gut. Dass es noch besser geht, weiß auch BMW und bietet es mit dem Bowers & Wilkins Diamond Surround Sound System gleich an. Nachteil: stolze 5.650 Euro Aufpreis.

Online Entertainment

Online Entertainment zum Aufpreis von 220 Euro bietet den Zugriff auf Millionen Musiktitel und auf das gesamte Album eines aktuell im FM-Radio gespielten Titels. Dazu gibt es eine einjährige Musikflatrate für das jeweilige Fahrzeug. Die Musikflatrate kann bei verschiedenen Anbietern eingelöst und auch auf anderen Endgeräten genutzt werden. In diesem 730d ist der Musikpartner Napster vorausgewählt. So lassen sich unbegrenzt Musiktitel herunterladen und auf der Festplatte im BMW speichern. Das klappt alles mühelos. Der Preis für diesen Service ist angemessen.

DAB-Tuner

Immer mehr digitale Programme lassen sich in Deutschland empfangen. Wer viel oder nur Radio hört, wird dieses Extra zu schätzen wissen. Gegenüber dem herkömmlichem UKW-Empfang bietet DAB (Digital Audio Broadcasting) den Vorteil einer besseren Klangqualität ähnlich dem einer CD. Das System besitzt die Fähigkeit für DAB+. Langfristig betrachtet sind die 460 Euro Zusatzkosten gut investiert. Warum der DAB-Tuner im 7er nicht zur Grundausstattung gehört, ist etwas unverständlich.

Fazit zur BMW 730d G11 Limousine

BMW 730d mit über 31500 Euro Sonderausstattung an Bord.
BMW 730d mit über 31500 Euro Sonderausstattung an Bord.
Foto: Rene Schmöl

An die Größe dieses 7ers haben wir uns schnell gewöhnt, an die 88 Seiten dicke Preisliste nicht wirklich. Den 730d (Konfiguration mein.bmw.de/o0b2y5m0) mit der Sportautomatik bietet BMW zum Grundpreis von 85.090 Euro an. Hinzu kommen Sonderausstattungen, die den Preis dieses 730d auf 116.620 Euro erhöhen. Eine stolze Summe. Dafür erlebt man ein Gefährt, das zum Gefährten wird. Dieser 7er ist unentwegt dabei, den Fahrer zu unterstützen, aber nicht zu ersetzen. Wie ein treuer Hund wacht er brav an der Seite auf Gefahren, wie ein schlauer Assistent denkt er voraus. Doch in Summe, kann er dem Fahrer noch nicht das Wasser reichen.

Und was ist noch aufgefallen? Hinten rechts sitzt der Chef. Das ist klar. Da darf man also mitfahren, ohne den Gurt anzuschnallen? Die Warnung bleibt aus. Warum, ist unklar. Auf allen anderen Sitzen meckert das System, wenn der Gurt nicht eingerastet ist. Vieles im 7er ist völlig digital. Nur die Entriegelung der Motorhaube wirkt noch so einfach wie in früheren 7er-Generationen. Das geht besser. Unsere Entdeckungsreise im 730d ist zu Ende. Nach zwei Wochen geben wir die große Limousine nur ungern ab und verstehen in diesem Moment was mit "Einmal 7er, immer 7er" gemeint ist.