Millionenbetrug

Bundestrojaner gegen Webshop-Gauner

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
In einem der spektakulärsten Fällen von Internet-Kriminalität der letzten Jahre, bei dem ein Betrügerring bis zu 30 Millionen Euro von über 100.000 Geschädigten ergaunert hat, wurden von den Ermittlungsbehörden auch Trojaner zur Überwachung eingesetzt.
Der Arbeitsplatz der Betrüger lässt nicht nur Viren im Computer vermuten. (Foto: LKA Bayern)
Der Arbeitsplatz der Betrüger lässt nicht nur Viren im Computer vermuten. (Foto: LKA Bayern)

In einem der spektakulärsten Fällen von Internet-Kriminalität der letzten Jahre, bei dem ein Betrügerring bis zu 30 Millionen Euro von über 100.000 Geschädigten ergaunert hat, wurden von den Ermittlungsbehörden auch Trojaner zur Überwachung eingesetzt. Laut einem Bericht der Augsburger Allgemeine hatte das Augsburger Landgericht die Überwachung angeordnet.

Ob es sich dabei allerdings um vom Chaos Computer Club sezierte und in die Schlagzeilen geratene Trojaner handelt, ist unklar. So zweifelt beispielsweise Diplom-Ingenieur Arnold Antons im CP-Forum an, dass es sich überhaupt um eine Trojanerversion der deutschen Ermittlungsbehören handelt: "Die getarnte Versendung des vom CCC dokumentierten Trojaners über Server außerhalb der EU entspricht nicht der Arbeitsweise europäischer Behörden. Denn eine vor Gericht verwertbare Nutzung solchermaßen erhobener Daten würde unnötig erschwert, wenn die Daten das Gebiet der Europäischen Union verlassen haben", schreibt Antons.

In einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage der Bayerischen Landtagsabgeordneten Susanna Tausendfreund (Bündnis 90 / Die Grünen) vom 5. Juli 2011 teilte das Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz mit, dass das beim Bayerischen Landeskriminalamt durchgeführte "umfangreiche Qualitätsmanagement sicher stelle, "dass die eingesetzte Software nur die im richterlichen Beschluss geforderten Leistungen erbringt".

Nach eineinhalbjährigen Ermittlungen war es der Staatsanwaltschaft Augsburg zusammen mit dem Landeskriminalamt Bayern gelungen, den Betrügerring auszuheben. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um Männer und Frauen im Alter von 20 bis 39 Jahren, die zum Teil bereits wegen Verstößen gegen das Markengesetz polizeibekannt sind. So stolperten die Kriminellen, die sich bei ihren Betrügereien selbt Trojanern bedienten, ihrerseits über die Spionage-Software der Ermittler. (awe)

Zur Startseite