Online-Händler im Vorteil

Coronavirus verändert das Einkaufsverhalten



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie  Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Um einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus vorbeugend aus dem Weg zu gehen, verzichten die Konsumenten zunehmend auf den Besuch in Geschäften und bestellen verstärkt online.
Die Furcht vor dem Coronavirus verstärkt den Trend zum Online-Einkauf.
Die Furcht vor dem Coronavirus verstärkt den Trend zum Online-Einkauf.
Foto: NicoElNino - shutterstock.com

Aktuelle Berechnungen des IFH Köln belegen: Immer mehr Konsumenten kaufen bewusst online, um angesichts der Ausbreitung des Coronavirus den stationären Einkauf zu vermeiden. Vor allem der Onlinelebensmittelhandel (OLEH) ist beim Kauf haltbarer Lebensmittel beliebt. So kaufen 52 Prozent der Onlinelebensmittelkäufer im Vergleich zu den vergangenen ein bis zwei Jahren ihre Lebensmittel häufiger online ein - oft eine bewusste Entscheidung, um den Gang in den Supermarkt zu vermeiden. Dabei wandern Nudeln, Konserven, Reis - Lebensmittel, die kein Risiko bezüglich Produktqualität beinhalten und sich lange halten - zuerst in den Onlinewarenkorb. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie "Lebensmittel online - heute und 2030" des IFH Köln.

"Wer aktuell Lebensmittel online bestellen und sich nach Hause liefen möchte, muss mit längeren Wartezeiten rechnen. Die Unsicherheiten bezüglich des neuartigen Coronavirus bricht das gewohnheitsmäßige Einkaufsverhalten in großem Maße auf und setzt den Onlinelebensmittelhandel für viele Konsumenten in attraktiveres, neues Licht", so Eva Stüber, Mitglied der Geschäftsleitung am IFH Köln, zu der neuen Studie.

Risikominimierendes Verhalten

Die Sorge um die Produktqualität ist der Hauptgrund gegen einen Einkauf von Lebensmitteln im Internet. Dies wird durch die fehlende multisensuelle Begutachtung und Befürchtungen bezüglich Unterbrechungen der Kühlkette befeuert. Zudem sagen 53 Prozent der Konsumenten, dass sie aufgrund ihrer Zufriedenheit mit den stationären Einkaufsmöglichkeiten keinen Grund für den Onlinekauf sehen. Auch die hohen Lieferkosten sind ein Grund für die Befragten Lebensmittel nicht online zu bestellen. In Anbetracht von zunehmenden Meldungen rund um das Coronavirus erfolgt eine Neubewertung: Die Lebensmittellieferung nach Hause ist für viele Konsumenten nicht nur eine bequemere Option für den Wocheneinkauf, sondern aktuell auch die gefühlt sicherere Wahl.

Der Fokus auf ein risikominimierendes Verhalten - gerade beim Kauf von Lebensmitteln - wird auch bei der Betrachtung der Warenkörbe im Zeitverlauf deutlich: Konsumenten wählen zuerst haltbare Lebensmittel und Getränke aus, während frische Waren wie Obst und Gemüse, sowie Backwaren als letztes ihren Weg in den Onlinewarenkorb finden. Diese Bedenken der Konsumenten sollten nach Ansicht des IFH insbesondere zu Zeiten von Corona ein Ansatzpunkt für Händler und Hersteller sein, ihr Geschäftsmodell zu optimieren.