Cloud Computing

Das erwarten Kunden vom Cloud-Systemhaus



Wolfgang Emmer ist Gründer des Content-Marketing-Netzwerks Kontento. Zu seinen Schwerpunkten zählen Inbound Marketing, Online-Lead-Generierung und Social Media. Als IT-Publizist mit soziologischem Hintergrund widmet er sich nicht nur Themen wie Arbeit 4.0 sondern gibt auch Einblicke in die smarte Welt des Internet of Things.
Immer mehr deutsche Unternehmen fragen Cloud-Services nach. Doch was erwarten die Kunden von ihrem Cloud-Systemhaus? Wir klären auf.

Business-Anwendungen, Backups und sogar die Telefonie – alles soll in die Cloud wandern. Doch nicht in irgendeine. Welche Anforderungen Cloud-Dienstleister und Systemhäuser für deutsche Unternehmen erfüllen müssen, lässt sich ziemlich genau sagen.

Besonders die Standortfrage wird im Zuge der nicht abreisenden Debatte um die Spionageaffäre immer entscheidender. Zum Vorteil deutscher Rechenzentrumsbetreiber.

Aktuelle Marktzahlen des Branchenverbands Bitkom zeigen, womit Cloud-Provider am Markt punkten. Hierunter fallen alle Anbieter von Cloud-Services, also auch Systemhäuser, die selbst Cloud-Dienste anbieten, ob nun selbst gehostet oder auch nicht.

Mit der steigenden Zahl von Cloud-Anbietern ist es für nachfragende Unternehmen immer schwieriger, sich einen Überblick der für sie relevanten Lösungen und Kriterien am Markt zu verschaffen.
Mit der steigenden Zahl von Cloud-Anbietern ist es für nachfragende Unternehmen immer schwieriger, sich einen Überblick der für sie relevanten Lösungen und Kriterien am Markt zu verschaffen.
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(--> Lesen Sie auch: "Auf diese Cloud-Services haben Kunden wenig Lust")

Professionelles Cloud Computing ist sicherer

Es ist nicht wirklich neu und irgendwie doch: Über vier Fünftel der Kunden erwarten hierzulande, dass das eingesetzte Rechenzentrum in Deutschland sitzt.

Und diese Zahl steigt wohl noch weiter an. Noch vor drei Jahren – vor Snowden – war der Sitz eines Data Centers auf deutschem Boden nur von rund zwei Drittel der Firmen gefordert. Heute ist das Rechenzentrum hierzulande fast ein Muss.

Entscheidend für diesen Standortwunsch dürften vor allem die weit verbreiten Compliance-Sorgen sein. So bangt über die Hälfte der Unternehmen, dass aufgrund der Nutzung von Cloud-Lösungen Compliance-Anforderungen wie Datenschutz missachtet werden könnten.

Doch Cloud-Provider können diese Sorge leicht entkräften: Schaut man genauer hin, ist diese Angst unbegründet. Weniger als ein Zehntel der Unternehmen berichten von solchen Erfahrungen in der Praxis.

Laut des Bitkom Cloud Monitors 2015 ist sogar das Gegenteil der Fall: Aufgrund der Professionalität spezialisierter Anbieter erhöht Cloud Computing die Daten- und Systemsicherheit.

Auch die Zahlen zeigen, dass die Cloud nur selten zum Angriffsziel wird: Obwohl rund jedes zehnte Unternehmen in dem vierwöchigen Testzeitraum vor der Bitkom-Befragung Angriffe auf seine IT-Systeme registrierte, darunter besonders Großunternehmen, standen über 85 Prozent nicht im Zusammenhang mit der Cloud.

Die Cloud muss integrationsfähig sein

Im Wunschanforderungsprofil dominiert aber nicht nur der Standortwunsch Deutschland. Besonders die Integrationsfähigkeit der Cloud-Lösungen in die bestehende IT-Infrastruktur ist für drei Viertel der 458 befragten Unternehmen eine wichtige Anforderung an ihren Cloud-Provider.

Dazu kommt die Forderung nach mehr Flexibilität: So ist die individuelle Anpassungsmöglichkeit der Cloud-Dienste an die eigenen unternehmensspezifischen Bedürfnisse für über die Hälfte der Unternehmen ein Muss und für über einem Drittel eine willkommener Zusatz.

Mit der steigenden Zahl von Cloud-Anbietern ist es für nachfragende Unternehmen immer schwieriger, sich einen Überblick der für sie relevanten Lösungen und Kriterien am Markt zu verschaffen. Es ist nur logisch, dass in diesem Zusammenhang der Wunsch nach unabhängigen Zertifikaten, wie German Cloud oder Trust in Cloud, bereitgestellt vom Cloud Ecosystem, für über die Hälfte der Befragten ein absolutes Muss ist.

Individualität an allen Ecken und Enden: Die Mehrheit deutscher Unternehmen hält es darüber hinaus für unverzichtbar, dass ihnen ihr Dienstleister in Sachen Service Level Agreements flexibel gegenübersteht und individuelle Vereinbarungen zulässt.

Weniger wichtig scheint hier den Unternehmen – zumindest vorerst – die Verträglichkeit bzw. Kombinierbarkeit von diversen Lösungen verschiedener Cloud-Anbieter zu sein. So ist nur für ein Fünftel der Befragten die "Interoperabilität" ein Muss. Dennoch kann sich dieser Aspekt durchaus – mittelfristig – als Wettbewerbsvorteil entpuppen, da über die Hälfte diese Art von Flexibilität als "Nice-to-have" einstuft. (tö)