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Wie der Handel in den Städten bleibt

Das Rätsel des Dessousladens

07.06.2017
Wie überlebt ein Einzelhändler in der Kleinstadt angesichts von Online-Riesen wie Amazon? Von den Antworten hängt ab, wie lebendig oder tot die Innenstädte in Zukunft sein werden.
Ohne Onlineshop hätte sie längst ihr Geschäft schließen müssen, berichtet die Besitzerin eines Dessouladens in der Kleinstadt Bergkamen.
Ohne Onlineshop hätte sie längst ihr Geschäft schließen müssen, berichtet die Besitzerin eines Dessouladens in der Kleinstadt Bergkamen.
Foto: maxstockphoto - shutterstock.com

Von "hochexklusiven Dessous", die ein kleiner Laden in ihrem Wahlkreis verkauft, berichtet Brigitte Zypries. Lange habe sie sich gefragt, wie sich das Geschäft seit Jahren in einer Kleinstadt halten könne, erzählt die Bundeswirtschaftsministerin. Die Eigentümerin habe es ihr verraten. 70 Prozent des Umsatzes mache sie im Internet. Sonst hätte sie den Laden längst schließen müssen.

Dann wäre da vielleicht noch ein Nagelstudio, eine Spielhalle oder ein weiterer Handyladen eingezogen. "Das kann es nicht sein", sagt Roland Schäfer, der Bürgermeister der Stadt Bergkamen im Ruhrgebiet ist und Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. Es gehe nicht nur darum, eine vielfältigen Einzelhandel zu bewahren. "Wir machen uns Sorgen um die Grundversorgung."

Das heißt: Eine Apotheke, ein Bäcker, ein Lebensmittelgeschäft - das aber ist auf dem Land immer häufiger nicht mehr da. Vor zwei Jahren hat das Wirtschaftsministerium deshalb eine "Dialogplattform Einzelhandel" ins Leben gerufen. Die Experten haben ihre Ergebnisse am Dienstag bei einer Konferenz in Berlin vorgelegt.

Mit der Zahl von 50.000 Händler-Standorten, jedem zehnten, der bis zum Jahr 2020 verloren gehen dürfte, hat der Handelsverband Deutschland (HDE) zuvor Alarm geschlagen. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger spricht von einem "Vernichtungswettbewerb im Handel", der über Einkaufspreise, Verkaufsflächen, Öffnungszeiten und Löhne geführt werde.

Gelassener sieht es Günter Althaus, der Präsident des Zentralverbands Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV): "Diese 50.000 verschwinden auch, weil sie völlig langweilige Geschäftsmodelle haben, die keine Mensch mehr braucht." Viele kleine und mittelständische Unternehmen müssten endlich die "Riesenchance" erkennen, die ihnen das Internet biete, wenn sie zweigleisig fahren. Zudem müssten sie ihre Stärken ausspielen: "Fühlen, riechen, schmecken" könnten die Kunden nur im Laden, nicht online.

Amazon setzt Einzelhändler unter Druck

Dennoch: Die Unternehmen werden getrieben vom Online-Branchenprimus Amazon, der mit seinem riesigen Sortiment fast überall Marktanteile gewinnt. Deshalb werden sich die Innenstädte weiter verändern. In einer im Mai veröffentlichten Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) heißt es, in wenigen Jahren stünden auch Geschäfte in guten Lagen leer. Der HDE glaubt deshalb, dass man in vielen Städten die Fußgängerzonen bewusst "gesundschrumpfen" müsse, indem etwa Ladenzeilen zu Wohnungen verwandelt werden.

Die Experten greifen das in ihrem Bericht als Beispiel auf. Leerstand müsse vorgebeugt werden, dazu sei eine gute Mischung des innerstädtischen Angebots von Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und öffentlichen Institutionen wichtig. Konkreter werden die Experten hier nicht - es ist ein Kompromisspapier, an dem Handelsverbände, die Gewerkschaft Verdi, Städteplaner und Politiker mitgearbeitet haben.

Diskussion um das Einkaufen am Sonntag neu entfacht

Die zunehmende Marktmacht großer Internetplattformen ist auch der Hintergrund für den Vorstoß großer Warenhausunternehmen für mehr verkaufsoffene Sonntage, Karstadt, Kaufhof und andere fordern, die Ladenöffnung an mehr Sonntagen zu ermöglichen. Es gehe um Wettbewerbsgleichheit, denn der Sonntag sei einer der wichtigsten Einkaufstage im Internet.

Im Sinne der Einzelhandelsmitarbeiter und ihrer Familien wollen dies Gewerkschaften und Kirchen verhindern. In einigen Chefetagen großer Handelsketten wird zudem bezweifelt, dass sich sonntags Konsumenten in bedeutender Zahl vom heimischen Computer abwenden und in der Stadt einkaufen gehen.

Die Autoren der BBSR-Studie halten fest, die Händler müssten ihre Kunden dort "abholen", wo sie gerade einkaufen wollten - sei es beim Einkaufsbummel in der Innenstadt oder auf der Couch mit dem Smartphone. Es gehe also "nicht um online gegen offline, sondern um online plus offline". Irgendwie im Internet präsent zu sein, reiche freilich auch nicht aus. Man könne sich mit Marktauftritt und Vertrieb an eine große Plattform anhängen oder zum Beispiel mit anderen kleineren Unternehmen derselben Region zusammenschließen. (Von Bernd Röder, dpa/ib)

 

PhilSt

Ein gewisser Teil der Umsatzeinbußen geht allerdings auch aufs Konto der Ladeninhaber. Ich glaube Ihnen ja, dass Amazon und Co. ihnen aufs Gemüt drücken, wenn ich mich beraten lasse (der große Vorteil des Einzelhandels) und nach dem zweiten Produkt hat der Ladenbetreiber "keinen Bock mehr" weil "sie kaufen am Ende ja eh bei Amazon" (so mehrfach erlebt) oder die Ladenlokale mit nichtmal semikompetenten Promotern vollgestopft werden, denen man erstmal den Unterschied zwischen einer SSD und einer HDD erklären muss (ebenfalls erlebt) dann kaufe ich da doch nur noch im Notfall. Dazu die Preisabzocke bei Kleinteilen - da wird man schon mal 30 Euro oder mehr für ein Standard-Kabel los. Wenn ich etwas geliefert haben will kommen dazu horrende Liefergebühren. Dann noch die horrenden Parkhaus/Parkplatz-Gebühren für die Käufer - wenn ich 'nen neuen Fernseher kaufe fahre ich sicher NICHT mit der S-Bahn in die City. Der Händler kann keine konkurrenzfähigen Preise machen, weil die Mieten für Ladenlokale und die Lohnnebenkosten in guten Lagen extrem hoch sind. Die Öffnungszeiten, die einem arbeitenden Menschen nicht gerade entgegenkommen (was bringen mir Läden, die von 10 bis 20 Uhr geöffnet haben, wenn ich von 9 bis 18 Uhr (incl. Mittagspause) arbeiten muss und danach eine halbe Stunde nach Hause fahren, mit der Familie Abendessen, die Kinder ins Bett bringen etc. pp. muss (wenn ich nicht eh Überstunden machen muss)? Dann soll ich meinen freien Samstag mit unmotivierten/unfreundlichen Verkäufern verbringen? Der Einzelhandel hat da einfach zu lange gezögert um mit den veränderten Bedinungen der Gesellschaft mithalten zu können.

HUKoether

Anhand der Überschrift hätte ich hier in diesem Artikel Lösungsansätze erwartet - statt dessen nur Lethargie. Kein echter Kaufmann wird einen Laden, der kein Geld bringt mit Hilfe eines anderen Handelszweiges erhalten - das tun ausschließlich Enthusiasten! So lange die Städte nichts für Ihre Innenstadt tun, außer abzuzocken, wird das auch nichts werden. Das Beispiel ist meine Heimatstadt: Hohe Quadratmeterpreise, keine Parkplätze, die wenigen ausschließlich gegen Geld - da bleiben sowohl Läden als auch Kunden aus, selbst für Kurkneipen ist das so schlecht tragbar, weil sie kein Personal finden, da sie dieses nicht passend bezahlen können. Wenn Politiker anfangen würden, den Leuten zuzuhören, dann könnte sich etwas ändern. Aber die kleinen Lokalpolitiker, die das noch tun, werden durch Gebietsreformen "beseitigt", während die oben sich nur den "Popo" am Sessel wärmen. Dieses Land muß untergehen, denn so ist es nicht lebensfähig. Mit nachdenklichen Grüßen, HUKoether

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