Kauflaune der Verbraucher sinkt

Dem Mittelstand droht ein großer Jobabbau

26.10.2020
Die Corona-Krise ist noch lange nicht ausgestanden, viele Branchen sind weiter in schwerer Not. Wirtschaftsminister Altmaier will jetzt die Corona-Hilfen nachbessern - davon könnten dann auch Freiberufler und Selbstständige stärker profitieren.
Die Politik hatte bereits milliardenschwere Hilfsprogramme beschlossen, um Unternehmen und Jobs zu schützen. Überbrückungshilfen für besonders belastete Unternehmen wurden bis Jahresende verlängert, Bund und Länder planen nun eine weitere Verlängerung. Doch jede Kündigung wird sich dadurch nicht vermeiden lassen.
Die Politik hatte bereits milliardenschwere Hilfsprogramme beschlossen, um Unternehmen und Jobs zu schützen. Überbrückungshilfen für besonders belastete Unternehmen wurden bis Jahresende verlängert, Bund und Länder planen nun eine weitere Verlängerung. Doch jede Kündigung wird sich dadurch nicht vermeiden lassen.
Foto: baranq - shutterstock.com

Die Corona-Krise gefährdet mehr als eine Million Jobs bei mittelständischen Firmen, das Gastgewerbe und Freiberufler kämpfen ums Überleben. Zugleich wächst die Sorge vor einem zweiten Lockdown angesichts steigender Infektionszahlen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte am Donnerstag, auch im Interesse der wirtschaftlichen Entwicklung müsse dafür gesorgt werden, die schnelle Dynamik der Ausbreitung der Infektionen wieder zu brechen. Freiberuflern und Selbstständigen machte der Minister Hoffnung auf einen "Unternehmerlohn" im Zuge geplanter Nachbesserungen von Corona-Hilfen.

Einer Umfrage der staatlichen Förderbank KfW zufolge schlägt die Corona-Krise massiv auf die Beschäftigung bei mittelständischen Firmen durch. "Bis zum Jahresende 2020 könnte es zu einem Verlust von etwa 1,1 Millionen Arbeitsplätzen kommen", sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. "Trotz der Erholung im dritten Quartal sind die Geschäftserwartungen für 2020 historisch schlecht."

In diesem Jahr rechnet laut der jüngsten KfW-Umfrage vom September mehr als jedes zweite Unternehmen mit einem Umsatzrückgang. Insgesamt könnten die Erlöse demnach um 545 Milliarden Euro einbrechen. Hoffnung macht, dass viele Unternehmen in guten Zeiten finanzielle Polster angelegt haben. "Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren einen hohen Bestand an Eigenkapital aufgebaut, wovon sie nun profitieren", sagte Köhler-Geib.

Noch im vergangenen Jahr hatten die etwa 3,8 Millionen mittelständischen Unternehmen, die als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gelten, die Zahl der Beschäftigten den Angaben zufolge auf einen Rekordwert von 32,3 Millionen gesteigert. Die Umsätze verbesserten sich im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent. Die KfW zählt Firmen mit einem Umsatz von maximal 500 Millionen Euro jährlich zum Mittelstand.

Wirtschaftsminister Altmaier sagte zu, staatliche Hilfen zu verbessern und zu erhöhen. Dabei gehe es auch um die Frage, wie Solo-Selbstständigen besser geholfen werden könne. Beim "Unternehmerlohn" müsse in der schwarz-roten Koalition allerdings noch eine Einigung gefunden werden.

Wirtschaftsverbände kritisieren seit langem, die bisherigen Hilfen seien nicht passgenau. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland, sagte, viele Solo-Selbstständige arbeiteten von zuhause. Ihnen nütze die bisher in den Überbrückungshilfen vorgesehene Erstattung fixer Betriebskosten daher nicht viel. Die eigentlichen Kosten seien Lebenshaltungskosten oder die Miete der Wohnung. Die Grundsicherung sei keine Lösung.

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Guido Zöllick, sagte, das Gastgewerbe kämpfe um sein Überleben. Es gebe wegen Beschränkungen Umsatzeinbrüche in einem historischen Ausmaß. Auch Zöllick forderte einen angemessenen Unternehmerlohn. Es könne nicht sein, das gestandene Unternehmer auf Grundsicherung angewiesen seien.

Unterdessen drücken die drastisch gestiegenen Corona-Infektionszahlen auf die Kauflaune der Verbraucher. "Der Optimismus der deutschen Verbraucher schwindet im Oktober spürbar", sagte Rolf Bürkl vom Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK mit Blick auf die neueste Studie zum Konsumklima. Etwa drei Viertel der Verbraucher gingen derzeit davon aus, dass die Corona-Pandemie eine große oder sehr große Bedrohung für sie darstelle. Rund jeder Zweite (51 Prozent) in Deutschland macht sich große oder sehr große Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft.

Es steige die Furcht vor einem nochmaligen Herunterfahren des öffentlichen Lebens, sollte das Infektionsgeschehen außer Kontrolle geraten, sagte Bürkl. "Das schlägt auch auf die Konsumstimmung durch." Der Privatkonsum ist eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur. Im zweiten Quartal waren die privaten Konsumausgaben infolge der coronabedingten Einschränkungen gegenüber dem Vorquartal um mehr als 10 Prozent eingebrochen.

Angesichts der Lage sieht der Bundesverband der Freien Berufe viele Freiberufler in einer Notlage. Die jüngste Umfrage des Verbandes zeige, "dass jeder zweite Freiberufler stark oder sehr stark von den Folgen der Corona-Krise betroffen ist", sagte Verbandspräsident Wolfgang Ewer. Gerade junge und kleine Unternehmen seien sehr angeschlagen. Auch er forderte einen Unternehmerlohn. (dpa/rs)

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