IT als treibende Kraft

Der feste Arbeitsplatz stirbt aus



Wolfgang Emmer ist Gründer des Content-Marketing-Netzwerks Kontento. Zu seinen Schwerpunkten zählen Inbound Marketing, Online-Lead-Generierung und Social Media. Als IT-Publizist mit soziologischem Hintergrund widmet er sich nicht nur Themen wie Arbeit 4.0 sondern gibt auch Einblicke in die smarte Welt des Internet of Things.
Mobile und freie Arbeitsplatzkonzepte werden für Arbeitnehmer und Unternehmen in Deutschland immer wichtiger. Entsteht dabei ein neuer Markt für IT-Dienstleister?

Eine Müllverbrennungsanlage, in der sich auch Architektenbüros befinden. Arbeiten aus dem Baumhaus. Klingt das alles unreal? Solche Arbeitsplatzkonzepte existieren bereits und sind immer mehr im Kommen.

Unsere Arbeitswelt steht vor einem Wandel: grün, offen, geteilt und flexibel – so sieht er aus, der neue Arbeitsplatz. Der Motor dieses Wandels: die IT-Infrastruktur!

Das ist das Ergebnis einer Studie des Analystenhauses Crisp Research, die der Experte Carlo Velten im Rahmen der Citrix Mobility 2015 in München vorstellte. ChannelPartner hat die Zahlen aus dieser Studie und verrät, warum Systemhäuser in Zukunft mehr als nur IT-Anbieter sein müssen.

Arbeitsplatz der Zukunft: Nicht zuletzt aufgrund der technischen Möglichkeiten entstehen derzeit neue Arbeitsformen.
Arbeitsplatz der Zukunft: Nicht zuletzt aufgrund der technischen Möglichkeiten entstehen derzeit neue Arbeitsformen.
Foto: Rawpixel - shutterstock.com

Fünf Milliarden Dollar für Co-Working

Vieles spricht für den mobilen und flexiblen Arbeitsplatz. Das Analystenhaus Crisp Research wagt sogar die These, dass adaptive und mobile Arbeitsplätze 0,8 bis 1,5 Prozent zusätzliches Wirtschaftswachstum (BIP) ermöglichen. Während das Home Office oder das Arbeiten von unterwegs aus für Berater oder Designer schon lange an der Tagesordnung steht, könnte diese Arbeitsweise branchenübergreifend zum Mainstream werden.

Und die Indizien für diesen Trend sind vielschichtig: Laut Crisp Research wurden 2014 zum ersten Mal mehr Tablets als PCs verkauft. Auch die Cloud ist in deutschen Unternehmen längst Realität: Nur noch 25 Prozent der Firmen im deutschsprachigen setzen lieber auf eigene Server.

Nicht zuletzt aufgrund der technischen Möglichkeiten entstehen neue Arbeitsformen wie Co-Working. Selbständige, Designer oder Startups arbeiten hier zusammen in größeren, offenen Räumen und profitieren voneinander. Und dieses Modell funktioniert: Fast über Nacht steigerte der amerikanische Co-Working-Anbieter WeWork seinen Unternehmenswert um geschätzte fünf Milliarden US-Dollar.

Hoffnung auf mehr Produktivität

Eine Art innerbetriebliches Co-Working forciert beispielsweise Microsoft mit seiner neuen Niederlassung in München, in der es künftig keine festen Arbeitslätze mehr geben wird. So gibt es spezielle Arbeitszonen für kreative, teamorientierte oder hochkonzentrierte Arbeiten. Auch das Home Office steht an der Tagesordnung, jedem Arbeitnehmer steht laut Microsoft-Statuten frei, den Ort seines Arbeitens selbst zu wählen.

Ob WeWork oder Microsoft: Auch im deutschen Mittelstand ist der feste Arbeitsplatz rückläufig. Allein 30 Prozent der Business-Entscheider erwarten, dass in den kommenden Jahren mehr Mitarbeiter vor Ort beim Kunden arbeiten werden (siehe auch Bild 2 in der Bildergalerie unten).

Der Gründe, wieso Unternehmen auf flexible Arbeitsorte setzen, liegen jedoch weniger in der Kreativität und im Teamwork, als in der Hoffnung auf mehr Effizienz. So stehen für jeden dritten Business-Entscheider Mitarbeiterproduktivität, Agilität gegenüber Kunden und der Kosteneinsparung auf Immobilienseite ganz oben auf der Liste (siehe auch Bild 5 in der Bildergalerie unten).

Die IT als treibende Kraft

Ob kreatives Teamwork oder Kosteneffizienz, was sind die Impulse für moderne Arbeitsplatzkonzepte?

Die Studie zeigt: Die IT ist die treibende Kraft. Services aus der Cloud, mobile Geräte wie Tablets und Ultrabooks und die zunehmende – aber in Deutschland immer noch sehr ausbaufähige – Netzqualität sind für die Hälfte der Befragten der wichtigste Impulsgeber (siehe auch Bild 3 in der Bildergalerie unten).

Deutlich wird auch: Das Alter der Belegschaft ist entscheidend, welche Faktoren die Gestaltung moderner Arbeitsplatzkonzepte prägen.

So sind es vor allem die Business-Entscheider unter 40 Jahren, die mit neuen Mobilitätskonzepten bei der Globalisierung wetthalten oder die Work-Life-Balance und das Teamwork ihrer Mitarbeiter verbessern möchten.

Architekten haben nichts zu sagen

Ohne Cloud kein mobiles Arbeiten. Noch bestimmt die Technik, was möglich ist. Diese Denkweise scheint zumindest noch fest in den meisten Köpfen verankert zu sein.

Schnell und profitabel: So sind für fast die Hälfte der Unternehmen die IT-Lösungsanbieter die zentralen Ideengeber und Sparrings-Partner für die Gestaltung neuer Arbeitsplatz- und Mobilitätskonzepte. Weit abgeschlagen sind hingegen Designer und Architekten, die für nicht einmal ein Zehntel der Befragten hierzulande eine entscheidende Rolle spielen, wenn es um moderne Arbeitsplatzkonzepte geht.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass es auch innerhalb der Unternehmen neben der Personalabteilung die IT-ler sind, die für die Umsetzung neuer Konzepte verantwortlich sind.

Mobile Device Management noch wichtiger

Mobilität in allen Zügen: Damit Unternehmen den flexiblen und mobilen Arbeitsplatz gewährleisten können, investieren sie künftig noch mehr in Lösungen für das Mobile Device Management.

Aber auch der Einsatz von spezieller Mobile Middleware oder Mobile-Backend-as-a-Services sind im Kommen. So gilt es laut Crisp Research zunehmend mobile Anwendungen mit den Backend-Systemen oder externen Cloud-Diensten zu verzahnen.

Viele Unternehmen sind jedoch noch weit entfernt vom Arbeitsplatz der Zukunft, denn über ein Drittel der Befragten geben an, dass ihre IT-und Netzwerkinfrastrukturen veraltet sind.

Fazit

Der Bedarf ist da: Der feste Arbeitsplatz verschwindet zunehmend, und Business-Entscheider fordern mobile Lösungen. Die IT ist die treibende Kraft dahinter. IT-Dienstleister sollten ihr Portfolio entsprechend auslegen und den Top-Anforderungen von Unternehmen, wie Konnektivität, einfacher Zugang zu Apps und Daten, Teamwork und Mobilität, gerecht werden.

Darüber hinaus verzahnen sich Design und IT immer mehr. Auch wenn das die Zahlen noch nicht zeigen, könnten in Zukunft IT-Dienstleister, die eng mit Architekturbüros zusammenarbeiten, die Nase vorne haben. (tö)