Online-Marktplatz-Studie

Deutsche Händler verpassen Milliarden-Chancen



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Viele Hersteller und Händler kennen die Bedeutung von Online-Marktplätzen für ihr Geschäft, ziehen daraus aber noch kaum strategische Konsequenzen – so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage.
Wegen mangelnder Professionalität vergeben viele deutsche Händler die Chancen, die ihnen internationale Online-Marktplätze bieten
Wegen mangelnder Professionalität vergeben viele deutsche Händler die Chancen, die ihnen internationale Online-Marktplätze bieten
Foto: Hadrian - shutterstock.com

Für Händler und Hersteller ist die Präsenz auf Online-Marktplätzen zahlenmäßig inzwischen stärker als der eigene Online-Shop. Das zeigt die Studie "Marktplatzstrategien im deutschen Einzelhandel 2019", für die die Digitalisierungsexperten von Ecom Consulting im Frühjahr 2019 365 Unternehmen befragten. Fast zwei Drittel der Teilnehmer sind auf Marktplätzen aktiv und erzielen dort 28,2 Prozent ihres gesamten E-Commerce-Umsatzes.

Umso erstaunlicher ist es, wie unprofessionell viele Anbieter ihr Marktplatzgeschäft betreiben: Lediglich jedes vierte Unternehmen analysiert der Erhebung zufolge seine KPIs mithilfe von spezieller Software. Und auch beim operativen Betrieb agieren die Firmen zumeist händisch in einem digitalen Zukunftsmarkt: 60 Prozent nutzen keine Schnittstellen von Amazon, bearbeiten also Produktlistings manuell beziehungsweise über Excel-Listen. Die Automatisierungschance von Spezialsoftware zur Artikeleinstellung oder Auftragsabwicklung wird nur von gut jedem dritten Anbieter genutzt. Und nur jeder zehnte Händler hat Systeme für aktives Repricing auf Marktplätzen in Gebrauch.

Marktplatzhändler sollen sich professionalisieren

Wie die Studie weiter ergab, sind die meisten Unternehmen auch personell für das Marktplatzgeschäft schlecht aufgestellt: Lediglich in 43 Prozent der befragten Firmen gibt es hierfür spezialisierte Mitarbeiter.

Oliver Lucas, Gründer von Ecom Consulting, sieht die Studienergebnisse als dringenden Appell an die Unternehmen, ihr Marktplatzgeschäft zu professionalisieren. "Wer erfolgreich auf Online-Marktplätzen verkaufen will, muss schon lange mehr tun, als nur Produkte online zu listen", mahnt er. Längst hätten sich die Plattformen zu eigenen Ökosystemen entwickelt, die jeweils ihre ganz individuellen Erfolgsmechanismen aufweisen und nur mithilfe von Excel nicht beherrscht werden können. "Ohne dezidierte Strategie, qualifiziertes Personal und professionelle Tools sind die Marktplätze kaum mehr gewinnbringend nutzbar", so Lucas.