Zweites Quartal 2020

Deutsche Post mit Gewinnanstieg

09.07.2020
Die Deutsche Post blickt nach einem Gewinnanstieg im zweiten Quartal 2020 wieder mit mehr Gewissheit auf das laufende Jahr.
Post-Chef Frank Appel: "Wir haben unser Unternehmen bisher sehr gut durch diese Krise gesteuert."
Post-Chef Frank Appel: "Wir haben unser Unternehmen bisher sehr gut durch diese Krise gesteuert."
Foto: Deutsche Post DHL Group

Post-Chef Frank Appel will 2020 nun vor Zinsen und Steuern 3,5 bis 3,8 Milliarden Gewinn für das Unternehmen einfahren, wie der Dax-Konzern am Dienstag, den 7. Juli 2020, nach Börsenschluss in Bonn mitteilte. Das ist nicht mehr so viel wie 2019 mit 4,1 Milliarden, und auch nicht soviel wie ursprünglich vor der Corona-Pandemie mit über fünf Milliarden angepeilt. Doch die vorläufigen Ergebnisse von April bis Juni 2020 machen das Management zuversichtlich. Auch für das Jahr 2022 setzte sich die Post neue Ziele - und will die Mitarbeiter für den Corona-Stress der vergangenen Monate belohnen.

"Wir haben unser Unternehmen bisher sehr gut durch diese Krise gesteuert", sagte Appel. "Das verdanken wir unseren engagierten Kolleginnen und Kollegen weltweit, die in den vergangenen Monaten Außergewöhnliches geleistet haben." Die weltweit mehr als 500 000 Mitarbeiter sollen nun einen einmaligen Sonderbonus von 300 Euro bekommen, was den Konzern im dritten Quartal rund 200 Millionen Euro kosten wird. Die Aktionäre sollen für das vergangene Jahr 2019 nach der nun für den 27. August 2020 geplanten Hauptversammlung eine stabile Dividende von 1,15 Euro je Aktie erhalten.

Und alle Post-Mitarbeiter weltweit sollen einen Bonus von 300 Euro bekommen. "Wir wissen genau, wer in diesen Zeiten einen hervorragenden Job gemacht hat", sagte Vorstandschef Frank Appel. Zuvor war ein solcher Bonus vonseiten einer kleineren Gewerkschaft vorgeschlagen worden - der Post-Chef stritt jedoch ab, mit der Maßnahme auf diesen Vorstoß reagiert zu haben.

Insgesamt veranschlagt das Unternehmen dafür rund 200 Millionen Euro. Trotz eines insgesamt positiven Verlaufs des zweiten Quartals schloss Appel Entlassungen nicht vollständig aus. Wenn es Kunden aufgrund der Corona-Krise schlecht gehe, habe das Auswirkungen auf die Post als Dienstleister. "Wir werden aber alles versuchen, das für unsere Mitarbeiter so erträglich wie möglich zu gestalten", erklärte Appel. So habe man im Laufe der Krise etwa Beschäftigte vorübergehend in anderen Sparten untergebracht.

Im zweiten Quartal 2020 hat das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen einen Anstieg des operativen Ergebnisses um 16 Prozent 890 Millionen Euro erreicht. Darin seien neben Belastungen von rund 100 Millionen Euro aus der Neuausrichtung des Elektrolieferwagens Streetscooter auch weitere 100 Millionen Euro an Sonderabschreibungen enthalten, die durch die Maßnahmen des Corona-Lockdowns ausgelöst wurden. Bereinigt um Sonderposten in den Jahren 2019 und 2020 habe das operative Ergebnis sogar um ein Viertel zugelegt, rechneten die Bonner vor. Die vollständigen Zahlen will die Post mit dem Halbjahresbericht am 5. August 2020 vorlegen.

Im Verlauf des zweiten Quartals 2020 hätten sich die zunächst stark unter Druck geratenen Volumina wieder langsam zu normalisieren begonnen. Der Onlinehandel boomt und gab der Post international wie auch in Deutschland Auftrieb.

In der neuen Prognose für das laufende Jahr 2020 sind die rund 400 Millionen Euro Kosten enthalten, die die Post für den verlustbringenden Streetscooter in die Hand nimmt. Auch die Prämienzahlung an die Mitarbeiter und die Corona-Abschreibungen auf die Lieferkettenlogistik sind bereits einbezogen.

Für das Jahr 2022 hat das Management mittelfristig drei Szenarien im Blick: Eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft, eine eher zögerliche und eine sehr langsame. Im besten Fall sind nach Ansicht der Führungsetage in zwei Jahren 5,3 Milliarden Euro operatives Ergebnis machbar, im mittleren Fall dürften es 5,1 Milliarden sein. Für den pessimistischen Fall stellt die Post immerhin noch 4,7 Milliarden Euro Ebit in Aussicht.

In den Jahren 2020, 2021 und 2022 will die Post nach wie vor 8,5 bis 9,5 Milliarden Euro für Investitionen ausgeben. Der freie Mittelzufluss soll über diese Zeit weiter zwischen fünf und sechs Milliarden Euro insgesamt liegen. (dpa/rw)