Corona-Krise

Deutsche stürmen Online-Shops wegen Toilettenpapier



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie  Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Die Hamsterkäufe in Zusammenhang mit der Corona-Krise verlagern sich auch auf das Internet. Wie das Preisvergleichsportal Billiger.de ermittelte, ist die Nachfrage nach Toilettenpapier in den letzten Tagen um 1.000 Prozent gestiegen.
Nachdem Hamsterkäufe in vielen Supermärkten zeitweilig die Regale leerten, wanderten viele Konsumenten ins Netz
Nachdem Hamsterkäufe in vielen Supermärkten zeitweilig die Regale leerten, wanderten viele Konsumenten ins Netz
Foto: non c - shutterstock.com

Nachdem schon vor einigen Tagen in vielen stationären Super- und Drogeriemärkten das Toilettenpapier durch Hamsterkäufe knapp geworden war, ist die Nachfrage nach dem Hygieneartikel auch im Online-Handel zu Beginn der Woche um über 1.000 Prozent explodiert.

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Die Experten des Preisvergleichsportals Billiger.de haben das Such- und Kaufverhalten der Online-Kunden im Zusammenhang mit der Corona-Krise analysiert. Sie haben festgestellt, dass vor allem das Interesse am Online-Kauf von Toilettenpapier bereits bis Donnerstag vergangener Woche (12. März 2020) langsam angestiegen ist. Nachdem am Wochenende die Schließung von Grenzen und Geschäften diskutiert und beschlossen wurde, stiegen die Seitenaufrufe für Toilettenpapier auf Billiger.de mit 25.000 angeschlossenen Online-Shops drastisch an. Die Bürger versuchen, sich online noch mit Toilettenpapier einzudecken, das andernorts schlichtweg nicht mehr erhältlich ist. Von Donnerstag bis Montag explodierten die Seitenaufrufe für Toilettenpapier über das Preisvergleichsportal Billiger.de um 1.067 Prozent.

Die Nachfrage nach Toilettenpapier stieg bei Billiger.de um mehr als 1.000 Prozent
Die Nachfrage nach Toilettenpapier stieg bei Billiger.de um mehr als 1.000 Prozent
Foto: Billiger.de

Neue Dynamik im FMCG-Online-Handel?

Wie das Preisvergleichsportal weiter meldet, ist auch die Online-Nachfrage nach anderen Produkten wie Atemschutzmasken, Fieberthermometern, Seifen, Arzneimitteln und vor allem Desinfektionsmitteln in den letzten Wochen in Größenordnungen zwischen 25 und 400 Prozent angestiegen.

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Was auf den ersten Blick wie ein Kuriosum in einer von einem schwer fassbaren Virus verunsicherten Bevölkerung aussieht, könnte für die Zukunft des Einkaufens durchaus eine strategische Bedeutung haben: Bislang lag der Online-Anteil in den Handelskategorien Lebensmittel und Drogerie in Deutschland bei nur rund einem Prozent. Zum Vergleich: Der Online-Anteil am gesamten Einzelhandel beträgt bereits 15 Prozent. Der durch die Schutzmaßnahmen vor Corona verstärkte Trend zum Kauf im Internet könnte auch in den beiden bislang online stark hinterherhinkenden Kategorien eine neue E-Commerce-Dynamik entfalten.