Ratgeber für Online-Händler

Die drei wichtigsten Payment-Trends im E-Commerce

Mirko Hüllemann ist Geschäftsführer der Heidelberger Payment GmbH, eines von der BaFin zugelassenen und beaufsichtigten Zahlungsinstituts für alle gängigen Zahlungsverfahren im Internet, das Einzelhändlern effiziente Lösungen zur Überwachung der Zahlungsströme im Omnichannel-Commerce anbietet.
Wer im E-Commerce mithalten will, muss seinen Kunden immer die aktuellsten und besten Bezahlmethoden anbieten. Dieser Artikel erklärt, worauf sich Online-Händler bei den Payment-Verfahren einstellen müssen, um auch zukünftig erfolreich Geschäfte machen zu können.
 
  • Trend 1: Internationalisierung
  • Trend 2: Omnichannel
  • Trend 3: Instant und Machine-to-Machine Payment

Der Online-Handel ist bekannt für seine enorme Innovationsgeschwindikgeit. Unternehmen wie Amazon, eBay & Co. setzen die Konkurrenz mit immer neuen Geschäftsideen unter Druck. Das gilt auch für die angebotenen Bezahlverfahren. Wer hier vorne mitspielen will, darf die folgenden drei Payment-Trends nicht verpassen:

Vieles ändert sich im E-Commerce, darunter auch die Art und Weise, wie Kunden bezahlen wollen.
Vieles ändert sich im E-Commerce, darunter auch die Art und Weise, wie Kunden bezahlen wollen.
Foto: aurielaki - shutterstock.com

Trend 1: Andere Länder, andere Payment-Dienstleister

Viele Onlinehändler kennen den hiesigen E-Commerce wie ihre Westentasche und möchten nun den Schritt ins Ausland wagen. Eine Expansion in die Länder der Europäischen Union gelingt in der Regel recht einfach – aufgrund offener Grenzen und Zollfreiheit. Länder wie Polen oder die Tschechische Republik eignen sich besonders als Zielmärkte, da die dortige Konkurrenz überschaubar ist und sich die Kosten im Rahmen halten. Haben Onlinehändler die Sprachbarriere erst einmal überwunden, können sie viele neue Kunden hinzugewinnen.

Beim Zahlungsverkehr ist jedoch Vorsicht geboten: Auch wenn es dank SEPA inzwischen einheitliche Standards gibt, bevorzugen die Konsumenten die jeweiligen nationalen Zahlungsmittel. Darum ist es wichtig, dass Onlinehändler nicht die hierzulande gängigen Zahlverfahren in den Zielländern zu etablieren versuchen. Vielmehr empfiehlt es sich, die nationalen Vorlieben zu berücksichtigen und die etablierten Zahlungsmittel, wie etwa das in Polen weitverbreitete Przelewy24, zu übernehmen.

Trend 2: Omnichannel beim Verkauf – und bei der Bezahlung

Lässt die Internationalisierung Landesgrenzen verschwinden, sind weitere Grenzen in ihrer Auflösung begriffen: die der Verkaufskanäle. Vor diesem Hintergrund sind Onlinehändler gefordert, ihre Bestellprozesse an die Vorlieben und Bedürfnisse der jeweiligen Käufergruppe anzupassen. Potenzielle Kunden erwarten ein optimales, reibungsfreies und vor allem konsistentes Einkaufserlebnis. Beispielsweise wollen sie im Web gekaufte Ware im Ladengeschäft vor Ort abholen oder die im stationären Handel ausgewählten Produkte über ein POS-Terminal bezahlen können – mit den gewohnten Online-Zahlungsmitteln wie Paypal oder Sofortüberweisung.

Indem Shopbetreiber die in der jeweiligen Käufergruppe bevorzugten Bezahlverfahren zur Verfügung stellen und verschiedene Verkaufskanäle sowie Endgeräte nahtlos miteinander verknüpfen, haben sie bereits einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht: Es gibt nur noch einen einzigen Kanal, der das gesamte Angebot inklusive verschiedener Einkaufsmöglichkeiten umfasst.

Trend 3: Neuartige Commerce-Konzepte wie Instant oder Machine-to-Machine Payment

Darüber hinaus ist zu erwarten, dass sich neuartige Commerce- und Payment-Konzepte etablieren werden. Schon heute finden Instant Payment oder Machine-to-Machine Payment regen Zuspruch. Das Instant-Payment bietet den besonderen Vorteil, dass der entsprechende Betrag dem Konto des Begünstigten in Sekundenschnelle gutgeschrieben wird.

Machine-to-Machine Payment wiederum vereint zahlreiche Technologien unter einem Dach, die insbesondere die automatische und komfortable Bestellung und Bezahlung zwischen Geräten begünstigen. Das wohl bekannteste Beispiel für das sogenannte Machine-to-Machine-Payment ist der "Dash"-Button von Amazon: Über den an Haushaltsgeräten, wie etwa Wasch-, Spül- oder Kaffeemaschinen, anzubringenden Knopf können Konsumenten Wasch- oder Spülmittel beziehungsweise Kaffee einfach bestellen und bezahlen, indem sie den vernetzten Button drücken.

Während der Mensch hierbei die Aktion noch selbst auslöst, gibt es bereits Kühlschränke, die völlig autark Milch nachbestellen und bezahlen. Wie derartige Transaktionen abzuwickeln sind, ist ein strittiges Thema, da die Authentifizierung des Geräts zur Zahlungsabwicklung verschiedene Risiken birgt: Wie lässt sich beispielsweise verhindern, dass Fremde einen Kühlschrank für Bestellungen missbrauchen?

Ein weiteres Beispiel für das Machine-to-Machine Payment sind vernetzte Autos, die an der Tankstelle selbstständig bezahlen. Die Europäische Kommission hat die Problematik dieser Technologien erkannt und arbeitet an der Entwicklung entsprechender Richtlinien. Verbindliche Standards gibt es aber noch nicht.