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Kaputte Straßen, fragwürdige Ökobilanz

Die Kehrseite des E-Commerce

Kommentar  19.10.2017
Hans-Werner Feick ist Geschäftsführer der kobaltblau Management Consultants GmbH. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Berufserfahrung in IT-Managementberatung mit Fokus auf die managementorientierte Beurteilung von IT-strategischen Fragegestellungen sowie Transformations- und Restrukturierungsprojekte.
Für die jüngeren Konsumenten ist es chic und ganz normal: Ein Klick im Internet und schon kommt die Ware ins Haus. Bequemer und günstiger geht es nicht. So ganz stimmt das leider nicht: Die Bürger zahlen nur später drauf - für Umweltschäden und kaputte Straßen.

Jedes zweite Produkt in Deutschland wird inzwischen online bestellt und gekauft. Laut Handelsverband Deutschland (HDE) wächst das Volumen des Onlinehandels seit 2005 kontinuierlich. Für 2017 erwartet das Institut ein Umsatzwachstum von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 48 Milliarden Euro. Auch im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den fünf größten E-Commerce-Nationen - mit stark wachsender Tendenz.

Nur wenige Klicks und schon ist das gewünschte Produkt gekauft - doch was ist mit der Nachhaltigkeit?
Nur wenige Klicks und schon ist das gewünschte Produkt gekauft - doch was ist mit der Nachhaltigkeit?
Foto: Branislav Nenin - shutterstock.com

Keine Branche ist durch die Digitalisierung in den vergangenen Jahren so stark einem Wandel unterzogen worden wie der Einzelhandel. Der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen, der E-Commerce wird weiter kräftig wachsen. Dennoch kann nicht uneingeschränkt von einer Erfolgsstory gesprochen werden, denn gerade in der Einzelhandelsbranche werden nun auch die Fehlentwicklungen der Digitalisierung sichtbar.

Es muss mit einem weiteren Händlersterben in den deutschen Innenstädten gerechnet werden, wenn nicht gegengesteuert wird. Und auch die Frage, welche Umweltbelastungen durch Millionen von Paketen entstehen, die tagtäglich per LKW transportiert werden, ist nicht abschließend geklärt.

Unklare Ökobilanz

Lange Zeit dachte man, das Internet wäre gut für die Umwelt: Die Menschen bestellen per Mausklick und fahren nicht mehr mit dem Auto in die Stadt. Das senkt den CO2-Ausstoß. Doch die unzähligen Retouren verhageln seit Jahren die schöne Ökobilanz - und nicht nur die: Der Online-Riese Zalando verdient beispielsweise wegen der zahlreichen Rücksendungen bis heute kein Geld. Forscher der Universität Bamberg haben sogar einmal ausgerechnet, dass knapp 290 Millionen Retourenpakete jährlich so viel Klimagift produzieren wie täglich 1.400 Autofahrten von Hamburg nach Moskau.

2015 kam zwar Entwarnung durch eine Studie des Deutsche Clean Tech Instituts (DCTI), die im Auftrag der Otto Group und Hermes erstellt wurde. Danach belastet der Online-Handel das Klima nicht mehr als der stationäre Handel - und das trotz der Retouren und mehrfachen Anfahrten durch die Paketzusteller. Die Autoren kommen sogar zu dem Schluss, dass Online-Einkäufe weniger CO2-Emissionen verursachen. Dieses Ergebnis lässt jedoch reichlich Platz für Spekulation.

Weltweiter Warenverkehr

Spätestens mit dem Blick über nationale Grenzen hinweg bekommt das Bild vom umweltfreundlichen Online-Handel Risse. Denn immer mehr Menschen in Deutschland kaufen in ausländischen Online-Shops ein und lassen sich Waren aus der ganzen Welt nach Hause liefern. Das zeigt eine Studie des US-Paketdienstleisters FedEx von 2015.

Laut der Studie bestellt jeder fünfte Online-Käufer in Deutschland mindestens einmal im Monat in einem ausländischen Online-Shop - bevorzugt in China, USA und England. Umgekehrt liefern deutsche Online-Shops in die ganze Welt - mitunter Tausende von Kilometer per Schiff, Flugzeug, Bahn oder eben per LKW. Wer also der realen Öko-Bilanz von Online-Handel näherkommen will, muss anteilig die CO2-Emissionen von Containerschiffen und anderen Transportmitteln hinzurechnen.

Steuerung im Sinne der Nachhaltigkeit

In Deutschland bestimmen längst Transporter von Paketdienstleistern wie DHL, Hermes und Co. das Straßenbild. Sie sind mitverantwortlich für Straßenschäden auf Autobahnen und Bundesstraßen, die laufend saniert werden müssen. Bezahlt wird dies am Ende durch Steuergelder. Und auch hier haben schon viele Umweltschützer angesetzt: Der Staat soll nicht den Transport auf der Straße subventionieren, sondern auf der Schiene.

Die neuen Entwicklungen im Online-Versandhandel sollten zugunsten der Nachhaltigkeit gesteuert werden. Denn viele Kunden achten auf Nachhaltigkeit, auch wenn sich dies zurzeit noch vor allem auf die gekauften Produkte konzentriert. Aber auch nachhaltiges Wirtschaften der Verkäufer gewinnt an Bedeutung.

Der Gesetzgeber sollte Anreize zur Steuerung der Entwicklung setzen. Die regionale Produktion von Waren kann beispielsweise stärker gefördert werden, um die Transportwege wieder zu verkürzen. Eine andere Möglichkeit wäre, Transportkosten durch Steuern zu verteuern. Wird die Ware durch höhere Transportkosten im Internet teurer als im Geschäft vor Ort, könnte die Nachfrage in den Innenstädten wieder steigen. (haf)