Windows 11

Die neue Taskleiste im Test

Panagiotis Kolokythas arbeitet seit Juni 2000 für pcwelt.de. Seine Leidenschaft gilt IT-News, die er möglichst schnell und gründlich recherchiert an die Leser weitergeben möchte. Er hat den Überblick über die Entwicklungen in den wichtigsten Tech-Bereichen, entsprechend vielfältig ist das Themenspektrum seiner Artikel: Windows, Soft- und Freeware, Hardware, Smartphones, soziale Netzwerke, Web-Technologien, Smart Home, Gadgets, Drohnen… Er steht regelmäßig für PCWELT.tv vor der Kamera und hat ein eigenes wöchentliches IT-News-Videoformat: Tech-Up Weekly.
Direkt nach dem ersten Start werden Sie mit der wichtigsten Änderung der Benutzeroberfläche von Windows 11 konfrontiert: dem aktualisierten Startmenü und der Taskleiste. Beide fühlen sich wie ein Rückschritt an und nehmen den Nutzern sowohl einige bekannte Funktionen als auch die visuelle Attraktivität.
Windows 11: Das neue Startmenü im Test
Windows 11: Das neue Startmenü im Test
Foto: diy13 - shutterstock.com

Neue Taskleiste minimalistischer

Nehmen wir zum Beispiel die Taskleiste. Der erste Blick in Windows 11 fällt auf eine Reihe attraktiver, minimalistischer Symbole, die am unteren Rand des Bildschirms zentriert sind. In Windows 11 können Sie die Taskleiste zwar ausblenden, aber nicht in der Größe ändern oder an eine andere Stelle des Bildschirms verschieben - ein potenziell bedeutendes Problem bei Bildschirmen mit niedrigem DPI-Wert, wie sie auf billigeren Laptops zu finden sind, wo der Platz auf dem Bildschirm eine wichtige Rolle spielt. Überhaupt ist die Taskleiste im neuen Windows nicht mehr so flexibel wie in Windows 10. Das demonstriert auch das Kontextmenü: In Windows 10 enthält es auf unserem Test-PC insgesamt 15 Einträge, in Windows 11 nur einen einzigen Menüpunkt namens "Taskleisteneinstellungen".

Minimalistisch und im Vergleich zu Windows 10 funktionell abgespeckt: Die Taskbar in Windows 11
Minimalistisch und im Vergleich zu Windows 10 funktionell abgespeckt: Die Taskbar in Windows 11

Möchten Sie etwa kleinere Symbole verwenden? In Windows 10 ist dies möglich, in Windows 11 nicht. In Windows 10 haben Sie die Möglichkeit, Beschriftungen anstelle von Taskleistensymbolen zu verwenden. In Windows 11 ist dies nicht mehr möglich, sodass Sie gezwungen sind, die neuen Symbole blind zu erkennen. Zu den weiteren kleinen Ärgernissen gehört, dass die Uhr nur auf dem primären Bildschirm in der Taskleiste angezeigt wird, sodass man sich fragt, warum Microsoft es für nötig hält, einen großen Teil des Desktops auf den sekundären Monitoren unberührt zu lassen.

Windows-10-Nutzer müssen sich umgewöhnen

Eine der häufigsten Aufgaben bei der Verwendung der Taskleiste ist natürlich das Aufrufen des Startmenüs, und auch hier versagt Microsoft. Standardmäßig sind die Symbole der Windows 11-Taskleiste mittig ausgerichtet und erweitern sich nach außen, wenn Sie weitere Anwendungen öffnen und Windows weitere Symbole hinzufügt. Das Symbol für das Startmenü erscheint jetzt jedoch links von den Symbolen.

In Windows 10 sagt Ihnen das Muskelgedächtnis, dass das Startmenü immer aufgerufen werden kann, wenn Sie den Mauszeiger nach unten in die linke untere Ecke bewegen. In Windows 11 ist es immer... irgendwo unten links, und es ist lästig, es zu suchen.

Lediglich Nutzer mit großen Monitoren profitieren etwas von dem in der Bildschirmmitte platzierten Startmenü. Der Weg des Mauszeigers von den Bildschirmecken auf der linken und rechten Seite zum Startmenü-Button ist in Windows 11 etwa gleich weit. Befindet sich der Mauszeiger rechts auf dem Desktop, sparen Sie sich die lange Strecke mit der Maus in Richtung des bisherigen Windows-Buttons links unten.

Standardmäßig mittig in Windows 11: Die Icons "Start", "Suche"; "Task View", "Widgets", "Chat", "Explorer", "Microsoft Egde" und "Microsoft Store"
Standardmäßig mittig in Windows 11: Die Icons "Start", "Suche"; "Task View", "Widgets", "Chat", "Explorer", "Microsoft Egde" und "Microsoft Store"

Fairerweise muss auch gesagt werden, dass Sie Windows 11 so konfigurieren können, dass die zentrierten Anwendungen in der Taskleiste nach links verschoben werden, sodass das Startsymbol wieder an seiner gewohnten Position unten links erscheint. Dies ist jedoch nicht die Standardeinstellung. (Sie können auch weiterhin die Tastenkombination Win + R oder nur die Win-Taste verwenden, um nach Apps zu suchen und sie zu starten, so wie ich es tue). Um das Startmenü wie gewohnt wieder in die linke Ecke zu verfrachten, rechtsklicken Sie die Taskleiste und wählen "Taskleisteneinstellungen" aus. Stellen Sie im neuen Einstellungsfenster im Bereich "Verhalten der Taskleiste" bei "Taskleistenausrichtung" die Option "links" ein. Dann sollte das Startmenü wieder an seine altgewohnte Position rutschen

Taskleisten-Ärger um die neue Gruppierungsautomatik

Eine relevante Neuerung im Zusammenhang mit der Taskleiste: Windows 11 zeigt nicht mehr alle geöffneten Fenster einer Anwendung in der Taskleiste an, stattdessen gruppiert das System die Fenster. Sie erreichen die verschiedenen Fenster desselben Programms somit nur noch über einen Klick auf das Gruppensymbol gefolgt von einem weiteren Klick auf die Vorschau des gewünschten Fensters.

Ein Beispielszenario: Sie haben in Word oder Excel mehrere Fenster offen, weil Sie gerade in verschiedenen Dokumenten arbeiten und Informationen hin und herkopieren möchten. Windows 11 bündelt die Fenster automatisch in einem Gruppen-Icon auf der Taskleiste, selbst wenn noch genügend Platz wäre, die Fenster auch einzeln anzuzeigen.

Gehören Sie zu den Nutzern, die viele Programme gleichzeitig laufen haben und/ oder mit einem kleineren Monitor arbeiten, ist die Autogruppierung für Sie aus Gründen der Platzersparnis wahrscheinlich vorteilhaft. Ziehen Sie es vor, die einzelnen Fenster eines Programms mit nur einem Klick und damit schneller zu erreichen, könnte Sie die Gruppierungsautomatik nerven. Sie erschwert den Zugriff auf die Fenster und bremst flüssiges Arbeiten.

Das konsequente Zusammenfassen aller Fenster einer Anwendung auf der Taskleiste ärgert viele und macht die neue Taskleiste Forenkommentaren zufolge für manchen Nutzer zu einer Art Hassobjekt unter Windows 11. In Windows 10 konnte man die Taskleisten-Gruppierung noch deaktivieren - nun hat Microsoft diese Möglichkeit entfernt. Wer sich dadurch in seinem Workflow zwangsgebremst fühlt, sollte sich das Tool Explorerpatcher (github.com/vali net/ExplorerPatcher) ansehen. Die Freeware bringt die Einzelansicht von Programmfenstern auf der Taskleiste zurück.

Der Task-Manager fehlt im Kontextmenü

Gewohnheiten ändern: Den Task-Manager in Windows 11 öffnen Sie nicht mehr per Rechtsklick auf eine freie Stelle auf der Taskleiste. Mit einem Rechtsklick auf den Windows-Button geht es jedoch genauso schnell.
Gewohnheiten ändern: Den Task-Manager in Windows 11 öffnen Sie nicht mehr per Rechtsklick auf eine freie Stelle auf der Taskleiste. Mit einem Rechtsklick auf den Windows-Button geht es jedoch genauso schnell.

Ein häufiger Kritikpunkt ist zudem der Wegfall des Task-Managers im Kontextmenü der Taskleiste. Sind Sie es gewohnt, den Task-Manager mit einem Rechtsklick auf die Taskleiste aufrufen, nötigt Sie Windows 11 umzudenken: Sie starten das Verwaltungs-Tool in Windows 11 per Rechtsklick auf den Windows-Button oder Drücken der Tastenkombination Win-X und den Eintrag "Task- Manager". An der Anzahl an Klicks - zwei sind nötig - ändert sich nichts, insofern ist die Änderung kein echter Nachteil.

Taskansicht-Button für virtuelle Desktops entfernen

Auf der Taskleiste sitzt rechts neben der Lupe der Taskansicht-Button. Er zeigt mit seiner Doppelfunktion eine Gesamtschau aller Programmfenster und bietet die Möglichkeit, virtuelle Desktops zu erstellen.

Sie verwenden zum schnellen Wechseln zwischen geöffneten Windows-Fenstern die Tastenkombination Alt-Tab oder Win-Tab? Und virtuelle Desktops nutzen Sie ohnehin nicht? In diesem Fall können Sie den Taskansicht-Button entfernen. Das geht per Rechtsklick auf das Taskansicht-Symbol und "Aus Taskleiste ausblenden" oder in der "Einstellungen"-App unter "Personalisierung -› Taskleiste -› Aktive Anwendungen". Im selben Menü lassen sich auch die Buttons für die Suche, die Widgets und den Teams-Chat ausblenden.

Nutzen Sie Teams nicht, können Sie die App im Startmenü mit einem Rechtsklick auf "Microsoft Teams" und den Befehl "Deinstallieren" vom PC entfernen. Sobald Sie in das Chatsymbol in den Taskleisteneinstellungen wieder aktivieren, installiert Windows die App automatisch neu.

Kein Drag & Drop möglich

Ein kleiner, aber lautstarker Teil des Internets hat sich auch bitterlich darüber beschwert, dass Microsoft die Drag-and-Drop-Funktionalität aus der Windows 11-Taskleiste entfernt hat. In Windows 10 können Sie etwa eine Datei auf einen geöffneten Datei-Explorer-Ordner ziehen, und sie wird einfach dort abgelegt. Andere Anwendungen funktionieren auf ähnliche Weise.

Weniger Unterschiede im Tablet-Modus

Schließlich hat Microsoft seine expliziten UI-Verschiebungen für den Tablet-Modus weitgehend abgeschafft. Wenn Sie ein Windows 11-Tablet besitzen und die Tastatur abnehmen, werden die Taskleistensymbole einfach automatisch etwas weiter auseinander liegen, um die Interaktion mit ihnen zu erleichtern. Windows 11 zeigt außerdem ein kleines Tastatursymbol in der Taskleiste an, damit Sie auch per Fingertipp tippen können.

So stellen Sie das "Verhalten der Taskleiste" ein

Anpassungen im Menüabschnitt "Symbole in der Taskleistenecke" sind normalerweise nur dann nötig, wenn Windows 11 das Stiftmenü, die Bildschirmtastatur oder das virtuelle Touchpad nicht anzeigt, obwohl Sie es benötigen.

Im Abschnitt "Überlauf in Taskleistenecke" geht es um die Icons, die Windows 11 nach einem Klick auf den kleinen nach oben gerichteten Pfeil links neben der Uhrzeit anzeigt. Das Symbol von Programmen, hinter denen Sie den Schalten aktivieren, ist stets neben der Uhr zu sehen. Sie sparen sich also den Klick auf den Pfeil. Die Liste der Programmname hängt von den auf Ihrem PC installierten Programmen ab. Die Windows-Security, der Explorer und Microsoft Teams sind auf jedem Rechner verfügbar. Unter dem Punkt "Verhalten der Taskleiste" legen Sie fest, wie die Taskleiste bei mehreren angeschlossenen Monitoren angezeigt werden soll. Probieren Sie aus, welche Variante Ihnen zusagt. Stören Sie die runden Zählersymbole für ungelesene Nachrichten an den App-Buttons der Chat- und Mail-App, deaktivieren Sie den Schalter hinter "Badges (Zähler für ungelesene Nachrichten) in Taskleisten-Apps anzeigen".

Alle Einstellungen für die Taskleiste finden

Die verbesserte Suche in der „Einstellungen“-App von Windows 11 zeigt die für die Taskleiste relevanten Anpassungsoptionen an. Öffnen Sie die „Einstellungen“-App, geben Sie links oben bei „Einstellung suchen“ das Stichwort Taskleiste ein und bestätigen Sie mit „Alle Ergebnisse anzeigen“. Nun erscheint eine Liste der verfügbaren Einstellungen. Klicken Sie auf einen der Treffer, öffnet Windows 11 das zugehörige Untermenü und markiert die relevante Einstellung mit einer Umrandung.

Ganz zuverlässig klappen die Anzeige der Suchergebnisse und das Markieren der jeweiligen Fundstelle allerdings noch nicht. So weist Sie ein Klick auf das Suchergebnis „Ausrichtung der Taskleiste, Badging, automatisches Ausblenden mehrerer Anzeigen“ zwar ins richtige Untermenü „Personalisierung –› Taskleiste“, den relevanten Optionsbereich „Verhalten der Taskleiste“ öffnet Windows aber nicht automatisch.

Einstellungen für die Taskleiste finden: Suchen Sie in der „Einstellungen“-App nach „Taskleiste“ und klicken Sie auf „Alle Ergebnisse anzeigen“.
Einstellungen für die Taskleiste finden: Suchen Sie in der „Einstellungen“-App nach „Taskleiste“ und klicken Sie auf „Alle Ergebnisse anzeigen“.

Auch mit der Namensgebung nimmt es die Suchfunktion in der „Einstellungen“-App nicht so genau. Ein Beispiel ist der beim Suchen nach Taskleiste angezeigte Treffer „Steuert die Sichtbarkeit der Schaltfläche ‚Dashboard anzeigen‘ auf der Taskleiste“. Dieser bietet nicht etwa Zugang zu einem bislang verborgenen Button namens „Dashboard anzeigen“. Vielmehr lässt sich damit lediglich die Präsenz des Widget-Buttons steuern. In den Suchergebnissen zeigt Windows 11 noch den Eintrag „Gruppierung mehrerer Fenster anpassen“ an. Ein Klick darauf bringt Sie jedoch nicht zu einem Schalter, mit dem sich die Zwangsgruppierung von Fenstern auf der Taskleiste abstellen ließe. Der Verweis ist verwaist und führt ins Leere.

(PC-Welt)

Zur Startseite