Digitale Transformation in Unternehmen

Die Top-Anforderungen an die IT

Wolfgang Emmer ist Gründer des Content-Marketing-Netzwerks Kontento. Zu seinen Schwerpunkten zählen Inbound Marketing, Online-Lead-Generierung und Social Media. Als IT-Publizist mit soziologischem Hintergrund widmet er sich nicht nur Themen wie Arbeit 4.0 sondern gibt auch Einblicke in die smarte Welt des Internet of Things.
Wie digital ist Deutschland? Der Marktforscher IDC zeigt, welche IT-Themen für Unternehmen ganz oben auf der Liste stehen und ob wir hierzulande schon über digitale Transformation in Unternehmen sprechen dürfen.

Moderne Fertigungsroboter, die selbst wissen, wann die nächste Wartung ansteht oder digitale Assistenten, die Büroangestellten unter die Arme greifen – dass bestimmte Prozesse digitalisiert werden, ist keine neue Sache. Doch in welchem Umfang das geschehen mag, ist bisher noch schwer abzuschätzen.

Viele Marktbeobachter fragen sich daher: Inwieweit setzen deutsche Unternehmen bereits auf Mobile Business, Social Media, Industrie 4.0 & Co.? Und was bedeutet das für die IT-Dienstleister, die mit ihrem Service und ihren Lösungen entsprechend reagieren müssen? Wir verraten, welche IT-Themen deutsche Unternehmen in den nächsten zwei Jahren beschäftigen werden.

Sind die Deutschen nicht innovativ?

Wer seine Geschäftsprozesse digitalisiert, hält Anschluss. So die Aussage vieler Experten. Doch wie sieht die Realität im Markt aus?

Der Marktforscher IDC hat hierzu im Februar 2015 branchenübergreifend die Manager und CIOs von 251 deutschen Unternehmen aller Größen befragt und kommt zu einem klaren Ergebnis: Rund 80 Prozent der Befragten stimmen zu, dass die IT einen zunehmend größeren Einfluss auf ihr Geschäftsmodell hat – bzw. dieses bereits auf Informationstechnologie aufbaut (siehe Grafik Nr. 1 in der Bilderstrecke oben).

Dass IT die Basis für viele Geschäftsmodelle ist – oder zumindest einen großen Einfluss auf Workflows hat –, ist nicht neu. Doch gerade beim Thema digitale Transformation geht es um Innovationen, wie die eingangs beschriebenen Wartungsroboter.

Doch sind deutsche Unternehmen innovativ? Laut der Studie zeigen sich die meisten am Markt noch zurückhaltend: Nur ein Fünftel sieht die "Beschleunigung von Innovation" als unternehmensinterne Herausforderung an. Der Innovationsgedanke ist somit zwar vergleichsweise schwach ausgeprägt, aber dennoch relevant.

Anders wenn es um die Reduktion von Kosten und Verbesserung von Betriebsabläufen geht. Diese Punkte stehen bei fast der Hälfte der Befragten ganz oben auf der Liste.

Der Wettbewerb bestimmt die IT

Obwohl sich deutsche Unternehmen gegenüber technischen Innovationen zurückhalten, heißt das nicht zwangsläufig, dass sie nicht künftig ihre Workflows digitalisieren. Wie die Studie zeigt, sehen knapp zwei Drittel "Neue Anforderungen des Kunden" und den "Verschärften Wettbewerb" als größte externe Herausforderungen.

Auf die Digitalisierung von spezifischen Branchenprozessen spezialisierte IT-Dienstleister können genau hier ansetzen. Denn, wenn beispielsweise bei einem Automobilzulieferer bestimmte Bestellprozesse heute völlig digital ablaufen oder eine Lösung für das Onboarding alle Abteilungen, die in bei der Integration eines neuen Mitarbeiters involviert sind, auf dem Laufenden hält, beschleunigt das die Zusammenarbeit enorm und ist somit ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Das Ziel: bessere Workflows

Eine bessere Unterstützung von Workflows und gleichzeitig mehr Sicherheit – das sind laut IDC die zwei Top-Anforderungen deutscher Unternehmen an die IT (siehe Grafik Nr. 2 in der Bilderstrecke oben).

Und diese beiden Ziele zu forcieren, scheint auch nötig zu sein: Laut dem Branchenverband Bitkom (Stand: April 2015) verzeichnete jedes zweite Unternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr digitale Angriffe . Gerade der Mittelstand ist mir 61 Prozent am stärksten von Spionage- oder Sabotageakten betroffen.

Die drei restlichen Anforderungen lassen sich unter dem Begriff Flexibilität subsumieren: So wünschen sich knapp die Hälfte der Befragten, dass das Zusammenspiel verschiedener Lösungen besser klappt, Mitarbeiter mobiler arbeiten und flexibler auf neue Anforderungen der Fachbereiche reagieren können.

Fazit

Der Begriff "Digitale Transformation" ist in deutschen Unternehmen angekommen. Dennoch gehen die Unternehmen Veränderungen sukzessive an. Sie investieren zwar in moderne Lösungen zur Verbesserung bestehender Prozesse, forcieren damit aber weniger Innovationen oder die komplette digitale Transformationen ihrer IT. In anderen Worten: Es muss nicht zwangsweise das Aktuellste sein, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist.

Für die Zukunft bedeutet das: Das Potential für innovative Geschäftsmodelle ist auf jeden Fall vorhanden – man muss es nur nutzen. (tö)

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