Tipps gegen den Stress

Die Widerstandskraft stärken

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT. Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Die moderne Arbeitswelt ist von Veränderung geprägt. Deshalb müssen die Mitarbeiter der Betriebe neue Aufgaben beherzt angehen und mit Stresssituationen einigermaßen relaxt umgehen können. Sonst schlägt ihr Gefordert-Sein schnell in ein Überfordert-Sein um, sagt Birgit Huber-Metz.

Die Zahl psychischer Erkrankungen von Arbeitnehmern steigt jährlich. Das belegen zahlreiche Studien. Als Hauptursache hierfür wird meist der steigende Stress am Arbeitsplatz identifiziert. Diese Diagnose trifft gewiss häufig zu - unter anderem, weil

  • heute in vielen Betrieben weniger Arbeitnehmer dieselbe oder gar eine größere Arbeitsmenge als früher bewältigen müssen und

  • aufgrund des erhöhten Wettbewerbs und des rasanten technischen Fortschritts die Arbeitsanforderungen an die Mitarbeiter sich rascher ändern.

Die Faktoren, die Stress auslösen, kann die Firma nicht immer beheben. Vielfach müssen sich die Mtarbeiter von sich aus zur Wehr setzen .
Die Faktoren, die Stress auslösen, kann die Firma nicht immer beheben. Vielfach müssen sich die Mtarbeiter von sich aus zur Wehr setzen .
Foto: ChaotiC Photography/Fotolia.com

Mit dieser Diagnose allein kommen Unternehmen beim Wahren und Fördern der Gesundheit ihrer Mitarbeiter aber allein nicht weit, denn in den veränderten Arbeitsanforderungen spiegeln sich auch Markterfordernisse wider. Zudem ist es sehr subjektiv, was eine Person als Stress erlebt. Denkt zum Beispiel ein Mitarbeiter, wenn er eine neue Aufgabe erhält "Toll, jetzt kann ich mich beweisen", gerät eine anderer in Panik und ist überzeugt: "Das schaffe ich nie."

Den Menschen als Ganzen im Blick haben

Solche individuellen Denk- und Verhaltensmuster spielen beim Stressempfinden eine wichtige Rolle. Und diese zeigen die Mitarbeiter außer am Arbeitsplatz auch zu Hause, weil sie ein Teil ihrer Persönlichkeit sind. Folglich lassen sich, wenn es um den Krankmacher "Stress" geht, Berufliches und Privates nur schwer trennen. Deshalb kommen Unternehmen beim Versuch, beispielsweise eine Überlastung ihrer Mitarbeiter zu vermeiden, mit der klassischen betrieblichen Gesundheitsprävention, die sich primär auf das gesundheitsgerechte Gestalten der Arbeitsplätze konzentriert, allein nicht weit. Sie müssen den Menschen als Ganzen im Blick haben.

Work-Life-Balance-Maßnahmen sind nicht genug

Das haben viele Unternehmen erkannt. Deshalb orientieren sich ihre Präventionskonzepte heute nur noch selten am klassischen Ziel der betrieblichen Gesundheitsförderung "Krankheit vermeiden". Ihnen liegt vielmehr ein Präventionsansatz zugrunde, der sich an Zielen wie "Steigern der Vitalität und Lebensfreude" und "mehr Selbstbestimmung über die eigenen Lebensumstände" orientiert.

Entsprechend boomten im vergangenen Jahrzehnt Maßnahmen zum Wahren der Work-Life-Balance der Mitarbeiter - angefangen bei Stressmanagementseminaren bis hin zu Entspannungskursen. Zudem offerieren die Betriebe ihren Mitarbeitern heute mehr Möglichkeiten, ihre Arbeitszeiten flexibel zu gestalten. Auch Angebote wie eine Betreuung der Kinder oder Angebote zur Kurzzeitpflege von Angehörigen sind inzwischen bei (Groß-)Unternehmen nicht ungewöhnlich.

Das alles sind zielführende Maßnahmen zum Aufrechterhalten der Lebensbalance und somit Leistungskraft der Mitarbeiter. Doch inzwischen erkennen immer mehr Unternehmen: Allein mit ihnen kommen wir nicht zum Ziel, denn die Faktoren, die bei unseren Mitarbeitern Stress auslösen, können wir nur bedingt beheben. So wäre es zum Beispiel eine Fiktion anzunehmen, dass der Wettbewerbs- und Veränderungsdruck, der auf den Unternehmen lastet, in den kommenden Jahren sinkt. Also wird auch die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter steigen - ebenso der Druck, sich neuen Herausforderungen zu stellen und eine große Verhaltensflexibilität zu zeigen. Deshalb müssen die Mitarbeiter künftig über die Kompetenz verfügen,

  1. auch in Stresszeiten, wenn es beruflich oder privat mal heiß hergeht, ihre Lebensbalance zu bewahren, und

  2. mit neuen Herausforderungen, vor denen sie beruflich oder privat stehen, produktiv umzugehen.

Und beim Entwickeln dieser Fähigkeiten sollten die Unternehmen ihre Mitarbeiter unterstützen.

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