Datacenter as a Service

Die Zukunft der Systemhäuser liegt in der Cloud



Als CEO von gridscale verantwortet Henrik Hasenkamp die Strategie und Ausrichtung des Infrastructure- und Platform-as-a-Service-Anbieters. Bereits bevor er gridscale 2014 mit ins Leben rief war er im Hosting-Geschäft zu Hause. So sammelte er Erfahrung bei der PlusServer AG, beim IaaS-Provider ProfitBricks, der Vodafone-Geschäftssparte „Cloud & Hosting Germany“ und der Host Europe Group.
Zwei von drei Unternehmen nutzen die Cloud und die Systemhäuser sollten folgen. Dafür müssen sie sich neu erfinden, auch als Cloud-Provider für ihre Kunden.

Enterprise-IT heißt heute in vielen Firmen: Die Geschäftsanwendungen kommen aus der Cloud. Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren beschleunigt, wie Zahlen des IT-Branchenverbandes Bitkom zeigen: Gut zwei Drittel aller Unternehmen nutzen Cloud Computing, ein weiteres Fünftel plant den Einsatz.

In vielen Branchen verlieren On-Premise-Lösungen an Bedeutung. Vor allem Software für Marketing, Sales und Support, aber auch Büroanwendungen wandern in die Cloud. Selbst vor geschäftskritischen Kernanwendungen macht das Rechnen in der Wolke nicht halt. Viele Unternehmen setzen auf ERP/MES-Lösungen aus der Cloud und bauen die eigenen Rechenzentren ab. Dieser Trend knabbert am Umsatz der Systemhäuser. In der Folge sinken die Erlöse durch Verkauf, Installation, Betrieb, Support und Wartung.

Die Cloud knabbert am Geschäftsmodell der Systemhäuser

Systemhäuser reagieren auf diese Marktentwicklung auf zwei Weisen: sie werden Berater oder bieten Managed Services an. Einige Systemhäuser setzen auf ihre Nähe zum Kunden und entwickeln sich in Richtung Technologie- und Digitalisierungsberatung. Sie unterstützen vor allem mittelständische Unternehmen dabei, die digitale Zukunft zu meistern. Doch auch dieser Markt ist umkämpft, die klassischen Beratungshäuser sind längst darin aktiv.

Als Alternative bieten sich Managed Services an, denn der Aufstieg des Cloud Computings hat zu einer Schrumpfung der IT-Abteilungen geführt. Viele Unternehmen möchten ihre Effizienz erhöhen und die IT-Kosten weiter senken. Deshalb suchen sie Full-Service-Dienstleister. Das Systemhaus als Managed Service Provider (MSP) bietet nun Rundum-Sorglos-Pakete aus Netzservices, Storage, Anwendungen und Security. Der Nachteil: Das Systemhaus teilt sich den Kunden mit dem Cloud-Provider. Langfristig könnte es aus Kundensicht nur noch als Handlanger eines großen Anbieters erscheinen.

Für die Systemhäuser bedeutet dies ein hohes Risiko, das ihre eigene Marke aufgeweicht wird. Sie sollten deshalb eine gegenteilige Strategie wählen, indem sie die eigene Marke stärken und selber Cloud-Provider werden. Für diesen Zweck haben alle großen Anbieter eigene Programme für Vertriebspartner. Leider eignen sie sich nicht für jedes Systemhaus. Denn es muss ein Mindestumsatz garantiert sein. Zudem gibt es aufwändige (und teure) Schulungen und Zertifizierungen. Der größte Nachteil: Den eigenen Kunden droht ein Vendor-Lock-in. Er entsteht, da jeder Provider bequem wirkende, aber proprietäre Features bietet. Durch sie wird ein späterer Wechsel in eine andere Public Cloud schwierig und teuer.

Ab in die Cloud mit einer White-Label-Lösung für Reseller

Eine für Systemhäuser deutlich effektivere Lösung ist das virtuelle Rechenzentrum. Es ähnelt einem traditionellen Data Center, befindet sich aber vollständig in der Cloud. Zahlreiche hochautomatisierte Features unterstützen das Systemhaus bei der Administration. Zudem lassen sich alle Ressourcen problemlos in beide Richtungen skalieren.

Einige Systemhäuser setzen auf ihre Nähe zum Kunden und entwickeln sich in Richtung Technologie- und Digitalisierungsberatung.
Einige Systemhäuser setzen auf ihre Nähe zum Kunden und entwickeln sich in Richtung Technologie- und Digitalisierungsberatung.
Foto: LeoWolfert - shutterstock.com

Für Systemhäuser auf dem Weg zum Cloud-Provider bieten sich zwei Lösungen an: "Grey Label" und "White Label". Eine Grey-Label-Lösung besteht in der Regel aus einer Subdomain für den jeweiligen Reseller und nutzt eine standardisierte Benutzeroberfläche. Eine White-Label-Lösung dagegen umfasst ein anpassbares Design. Das Systemhaus kann sie flexibel an seine Corporate Identity anpassen - inklusive des eigenen Logos. Für die Endkunden wirkt es so, als biete das Systemhaus wie die großen Provider einen nutzungsbasiert abgerechneten Cloud-Service mit einer selbst entwickelten Admin-Oberfläche an.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein Basisdienst Website-Hosting. Er enthält ein ausgefeiltes Load-Balancing der Serverlast und bei Bedarf lässt sich die Anzahl der Prozessoren sowie der verfügbare Speicherplatz innerhalb von Sekunden vergrößern oder wird über Autoscaling-Funktionen gleich automatisch angepasst. Durch die starke Automatisierung und einfach bedienbare Klick-Oberflächen ist der Aufwand für die Verwaltung nur gering. Das entstehende Geschäftsmodell könnte als "Data Center as a Managed Service" beschrieben werden. Bei der Weitervermarktung erreichen Systemhäuser nun auch kleinere und mittelgroße Unternehmen ohne großes IT-Know-how. Dadurch erhalten Systemhäuser im Wandel die Chance, ihren Markt nicht nur zu halten, sondern sogar zu erweitern.

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