Moderne Konzepte für moderne Zeiten

Digital lernen für die reale Welt

Klaus Kissel ist einer von zwei Geschäftsführern des ifsm Institut für Sales & Managementberatung in Urbar bei Koblenz, das unter anderem Unternehmen im Prozess der Nachfolgeregelung unterstützt und begleitet. Kissel ist Mitautor des Buches "Das Prinzip der minimalen Führung".
Uwe Reusche ist Geschäftsführer von ifsm - Institut für Sales & Managementberatung GmbH & Co.KG. Er ist diplomierter Betriebswirt (FH) und war zwölf Jahre als Führungskraft in der Finanzbranche tätig. Seit 1995 ist er Trainer, Berater und systemischer Coach und Therapeut (CoreDynamik-zertifiziert). Sein Schwerpunkt liegt in der Beratung der Organisationsentwicklung und dem Leadership Training. Er ist Autor des Buches: "Sales Coaching als Führungsinstrument – wirksam führen im Vertrieb".

Mobile Endgeräte sind heute Alltagsbegleiter

Seit drei, vier Jahren, seit die Floskel "Digitale Transformation der Unternehmen" in aller Munde ist, findet jedoch auch ein Überdenken dieser Personalentwicklungskonzepte statt - aus vielerlei Gründen.

Anders als vor 10, 15 Jahren sind heute die meisten Mitarbeiter der Unternehmen oft bereits "digital natives". Das heißt, sie wuchsen mit dem Computer auf und sind es aus der (Hoch-)Schulzeit gewohnt, diesen als Lerninstrument zu nutzen. Zudem haben sich die mobilen Endgeräte - vom Laptop, über das Tablet bis hin zum Smartphone - zu einem Alltagsbegleiter beruflich und privat entwickelt. Und die jungen Mitarbeiter von heute sind es nicht nur gewohnt, sich mit diesen Medien zu informieren und mit ihnen zu kommunizieren, sondern auch ihre (Zusammen-)Arbeit zu planen. Außerdem nutzen sie im Privatbereich ganz selbstverständlich Apps zum Sprachlernen und lassen sich durch diese bei solchen Tätigkeiten wie dem Sporttreiben coachen.

Lesetipp: Weiterbildung durch E-Learning

Digital Natives wollen mit moderner Technik lernen

Deshalb wirkt es für sie heute oft geradezu anachronistisch, wenn sie im Bereich der betrieblichen Weiterbildung auf diese Hilfsmittel verzichten sollen. "Bei unserer Projektarbeit nutzen wir sie doch auch."

Dies gilt insbesondere dann, wenn sie, wie viele junge Leistungsträger herausfordernde Jobs haben und in komplexe betriebliche Netzwerke eingebunden sind. Denn dann fällt es ihnen meist schwer, heute zu sagen:

  • "In drei, vier Wochen habe ich für ein mehrstündiges Coaching Zeit" oder

  • "In zwei, drei Monaten kann ich an einem Seminar, das 200 Kilometer entfernt von meinem Wohnort stattfindet, teilnehmen."

Und wird diesen Mitarbeitern von außen, also zum Beispiel vom Personalbereich, die Teilnahme an einem Seminar aufoktroyiert, dann sehen sie darin häufig nicht eine Chance, sich zu entwickeln, sondern eine lästige Zusatz-Aufgabe. Entsprechend gering ist ihre Lernmotivation, was sich an ihrem Verhalten zeigt. In den Kaffeepausen hängen sie sofort in einer Ecke an ihrem Handy, um mit Kollegen dringliche Dinge zu besprechen; und in den längeren Pausen verschwinden sie auf ihren Zimmern, um an ihren Laptops wichtige Aufgaben zu erledigen. Entsprechend wenig nachhaltig wirken bei ihnen die in den Seminaren besprochenen Inhalte. Kurz nach Verlassen des Tagungshotels sind sie nicht selten wieder vergessen, weil sie dann im Auto schon wieder via Handy mit Kollegen zum Beispiel darüber parlieren, wo es in ihrem Projekt brennt.