Zum Anfang des Schuljahres 2021/2022

DigitalPakt Schule – es klemmt noch gewaltig

Ronald Wiltscheck widmet sich bei ChannelPartner schwerpunktmäßig den Themen Software, KI, Security und IoT. Außerdem treibt er das Event-Geschäft bei IDG voran. Er hat Physik an der Technischen Universität München studiert und am Max-Planck-Institut für Biochemie promoviert. Im Internet ist er bereits seit 1989 unterwegs.
Mitte September 2021 hat in allen Bundesländern das neue Schuljahr 2021/2022 begonnen, doch vom digitalisierten Unterricht sind die Schulen noch weit entfernt.
 
  • Lehre sind keine IT-Admins
  • WLAN? Fehlanzeige
  • Fehlende digitale Präsentationstechnik
  • runder Tisch gefordert
Zwar wurden viele Schüler mit Endgeräten (PCs, Laptops, Tablets) ausgestattet, dich
Zwar wurden viele Schüler mit Endgeräten (PCs, Laptops, Tablets) ausgestattet, dich
Foto: Rawpixel.com - shutterstock.com

Laut Handelsblatt sind bis Ende Juni 2021 gerade Mal 13 Prozent der im "DigitalPakt Schule" vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel in Höhe von 6,5 Milliarden Euro von den Schulträgern abgerufen worden. "In der Praxis heißt das: Ein Großteil der Schüler in Deutschland ist auch ins neue Schuljahr ohne WLAN und digital gestützten Unterricht gestartet," so bringt es Lancom-Geschäftsführer Ralf Koenzen auf den Punkt.

Dell-Deutschland-Chef Stéphane Paté fordert ebenfalls, dass die Fördergelder schneller fließen müssen: "Lehrer sollten eine moderne Arbeitsausstattung erhalten und dedizierte Administratoren sich um die Technik kümmern". Zwar wurden bereits viele sozial benachteiligte Schüler mit Endgeräten ausgestattet, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, doch die Auszahlung der Mittel für Lehrergeräte stockt vielerorts, berichtet der Tagesspiegel.

Lehrer sind keine IT-Administratoren

Hier schlägt Paté eine Bresche für die Lehrkräfte: "Geräte und Infrastrukturen, die von richtigen IT-Administratoren verwaltet werden, nehmen viel Druck von Lehrern. Sie brauchen sich nicht vor versagender Technik zu fürchten und müssen weniger Vorkehrungen treffen für den Fall, dass Geräte oder Anwendungen ausfallen. Lehrer benötigen Lehrer Unterstützung, um die neue Technik kennenzulernen und Erfahrung mit ihrem Einsatz im Unterricht zu sammeln. Nur so können sie digitale Kompetenzen glaubhaft vermitteln und ihren Klassen digital auf Augenhöhe gegenübertreten."

Stéphane Paté, Senior Vice President und General Manager von Dell Technologies Deutschland, wünscht sich mehr Weiterbildungsangebote für Lehrer.
Stéphane Paté, Senior Vice President und General Manager von Dell Technologies Deutschland, wünscht sich mehr Weiterbildungsangebote für Lehrer.
Foto: Dell

Dem Dell-Chef reicht es nicht, sich auf PCs, Notebooks und Tablets zu konzentrieren. In den Klassenzimmern fehle es an digitalen Präsentationsgeräten und drahtlosen Netzwerken. Nur an gut zwei Drittel der Schulen gibt es heute WLAN für alle Lehrkräfte, und nicht mal die Hälfte hat ein WLAN für die Schüler, das zeigt die Ergebnisse einer Untersuchung der Universität Göttingen.

Paté erklärt es sich damit, dass die Fördergelder aus dem "DigitalPakt Schule", die genau für diesen Infrastrukturausbau vorgesehen sind, eher langsam fließen. Die Anträge sind sehr aufwändig, weshalb einige Schulen bislang nur wenige der ihnen zustehenden Mittel angefordert haben. Insbesondere die Ausarbeitung des notwendigen Medienkonzepts macht viel Arbeit und bremst die Schuldigitalisierung unfreiwillig aus.

Runder Tisch für "DigitalPakt Schule" gefordert

Damit die Mittel des 'DigitalPakt Schule' schneller abgerufen werde, braucht es jetzt einen runden Tisch aus Bund, Ländern Schulträgern, so der Vorschlag von Koenzen: "Das könnte die nötige Erkenntnis bringen und neben Hürden auch 'Best Practices' aufzeigen. Denn es gibt auch Tausende von Schulen, die den Weg in die Digitalisierung bereits erfolgreich gemeistert haben. Warum nicht einfach von ihnen lernen? Ob ein Schul-WLAN beispielsweise aus der Cloud verwaltet oder per Controller gesteuert wird, hängt stark von den individuellen Gegebenheiten, Ressourcen und Bedürfnissen ab. Ein 'One-size-fits-all' gibt es bei der Schuldigitalisierung nicht. Genau das macht den Erfahrungsaustausch auf Basis konkreter Best-Practice-Beispiele so wertvoll."

Lancom-Gründer Ralf Koenzen: "Der 'DigitalPakt Schule' muss endlich auf die Straße gebracht werden, genauer gesagt: in die Klassenzimmer unserer Schulen!"
Lancom-Gründer Ralf Koenzen: "Der 'DigitalPakt Schule' muss endlich auf die Straße gebracht werden, genauer gesagt: in die Klassenzimmer unserer Schulen!"
Foto: Lancom Systems

Hier verweist der Lancom-Chef auf eine OECD-Studie. Der zur Folge ist Deutschland - was die Bildungsqualität betrifft - nbur auf einem der hinteren Ränge platziert: "Der 'DigitalPakt Schule' läuft Ende 2024 aus. Konkret bedeutet das: Schulen, die es bis dahin nicht geschafft haben, ihre digitale Infrastruktur aufzubauen, können nicht mehr auf die staatlichen Fördermilliarden zurückgreifen. Eine vertane Chance, die wir uns als Land und als Gesellschaft nicht leisten können", so Koenzen weiter.

Hintergrundmaterial zum "DigitalPakt Schule":
Spagat zwischen Cloud und Datenschutz
Schlechtes Zeugnis
Ausbildung im digitalen Wandel
Ein Lehrer ist kein Administrator
Ein Pakt für die digitale Bildung

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