Mit Werten führen

Drei Irrtümer über sinnbasiertes Management



Stefan Dudas ist Business-Experte für Sinngebung. Der Keynote-Speaker, Coach und Autor legt humorvoll und tiefsinnig das Fundament für neue Denk-Ansätze Sein „suxess-System für sinnbasiertes Management“ vermittelt Sinnhaltigkeit in Führung,  Kommunikation sowie Motivation. Der Schweizer Vordenker steht im Ruf, das Bewusstsein für Sinn in den Unternehmen und in unserer Gesellschaft zu schärfen.
Wird sinnbasiertes Management gelebt, ist es eine Bereicherung für jeden Mitarbeiter, jede Führungskraft und jeden Kunden und damit unternehmerisch sinnvoll. Drei Irrtümer führen jedoch häufig zum Widerstand gegen eine werteorientierte Führungskultur.

Unternehmen müssen Gewinn abwerfen, ihren "ROI" (Return on Investment) erreichen, damit die Shareholder ihren Value bekommen. Alle sind auf der Suche nach den "low hanging fruits", damit der "EBIT" durch die Decke geht.

Sinn im Unternehmen ist möglich.
Sinn im Unternehmen ist möglich.
Foto: Gajus - shutterstock.com

Sie mögen keine coolen Management-Buzzwords? Gut, dann lassen Sie uns jetzt über den Sinn sprechen. Über den Sinn des Unternehmens. Über den Sinn im Unternehmen. Zugegeben: In vielen Unternehmen ist das kein Thema, das auf der Agenda steht. Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, hat zwar ein Leitbild oder vielleicht sogar einen "Code of Conduct" (einen Verhaltenskodex). Fragt man allerdings die Mitarbeiter danach, erntet man meist nur ein müdes Lächeln oder ein Achselzucken. Dabei ist Sinn im Unternehmen möglich - in naher Zukunft vielleicht sogar überlebenswichtig. Weil Mitarbeiter nur motiviert sind, wenn das, was sie tun, Sinn für sie macht. Und auch Kunden lieber kaufen, wenn sie verstehen, warum ein Unternehmen das genau so tut.

Sinn macht also Sinn! Erstaunlich ist nur, dass es mindestens ebenso viele gute Gründe für Sinn gibt, wie Irrtümer darüber in den Unternehmen und in den Köpfen der Menschen. Drei populäre Irrtümer über Sinn - im Speziellen in Unternehmen - möchte ich hier herausgreifen:

1. Money und Moral vertragen sich nicht!

Was darf "man" und was darf "man" nicht? Dafür gibt es in jeder Gesellschaft einen Verhaltenskodex, abgeleitet von kulturellen Erfahrungen, Regeln und dem Normen- und Wertesystem dieser Gesellschaft. Wir nennen diesen Verhaltenskodex auch "Moral".

Diesem hehren Wert nun den schnöden Mammon - das "Money" - gegenüberzustellen, ist für viele fast schon ein Unding. Geld werde ja schließlich oft am Rande des moralisch Vertretbaren verdient. Und für einige ist viel, sehr viel Geld zu verdienen, sogar unmoralisch…

Verträgt sich Moral also nicht mit Geld? Darf ein Unternehmer reich werden? Klar, schließlich ist es sein Geld, das er investiert hat, mit dem er Arbeitsplätze geschaffen hat (ja, ich spreche hier explizit von Unternehmern). Auch hier erkennen wir wieder: Die Begriffe sind das, was wir daraus machen. Geld und Moral gehen absolut sinnvoll zusammen - wenn es einem Unternehmer wichtig ist, dass er "sinnvoll" unternehmerisch tätig ist. Das bedeutet, dass er sicherstellt, dass sein Unternehmen Geld verdient (das ist und bleibt die wichtigste Voraussetzung), indem es seinen Mitarbeitern und Kunden (und vielleicht sogar der Allgemeinheit) großen Nutzen bietet.

2. Echtheit und Ehrlichkeit wird im Business ausgenutzt!

Jedes Spiel hat seine Regeln. Auch im Business-Leben gibt es solche Spielregeln. Man kann natürlich immer entscheiden, ob man diese Regeln billigt, bejaht oder nicht anerkennt. In der Realität ist es allerdings so, dass die meisten Menschen sie akzeptieren - weil sich nur wenige die Zeit nehmen, diese Regeln und Konventionen zu durchdenken oder zu hinterfragen.

Viele funktionieren dann im Business genau so, wie man es von ihnen erwartet. "Nur so kommt man weiter", ist die verbreitete Meinung. Querdenker sind nur im kreativen und abgesteckten Setting beliebt. Die Frage ist zum einen, ob ich bei diesem "Spiel" mitspiele (und zu welchen Bedingungen). Die noch entscheidendere Frage ist, ob ich mir dann morgens im Spiegel noch selbst in die Augen blicken kann. Selbstwert beginnt da, wo ich Grenzen ziehe. Auch einmal Nein sage. Meine Werte kenne, diese ernst nehme und nach ihnen lebe. Wer das alles tut, wird vielleicht nicht mehr überall mitspielen können - aber er wird geachtet (weil er sich auch selbst achtet) und nicht mehr ausgenutzt. Und das ist es auf alle Fälle wert.

3. Nur Macht bringt Umsatz!

Leadership ist gefragt und Führungsqualitäten sind Pflicht, wenn man Karriere machen will. Wer führt, hat die Macht. Allerdings ist Macht ein Begriff, der von vielen Menschen als tendenziell negativ angesehen wird. Weil man natürlich Macht auch missbrauchen kann. Und in unserer Welt gibt es leider viele, die genau das tun. Aber jeder Unternehmer muss die Macht, die er hat, wahrnehmen - schließlich ist er für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich.

Macht bedeutet, bewusst mit dieser umzugehen. Macht bedeutet aber auch, zu seinen Werten zu stehen, diese zu kommunizieren und sie zu schützen. Damit werden den Mitarbeitern und Kunden die persönlichen Spielregeln bekannt gegeben und man vereinfacht ihnen das Mitspielen oder Wegbleiben. Dann wird der Unternehmer "einzigartig", weil er sein eigenes - und damit das Profil des Unternehmens schärft. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen, die Führung "managen", die Werte "managen" weit weniger überzeugend sind als Unternehmer und Führungskräfte, die diese Werte und die Philosophie der Führung leben. Dann werden aus Managern echte Persönlichkeiten. Und solche Persönlichkeiten erzeugen damit auch mehr als nur (den wichtigen) Umsatz. Sie erzeugen Vertrauen. (haf)

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