Podcast S/4HANA-Migration

DSAG-Chef: "Hier ist SAP gefordert"

29.03.2021
Eine S/4HANA-Migration kann ein Katalysator für die Business Transformation sein. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, klären wir mit DSAG-Chef Jens Hungershausen im Podcast.
Jens Hungershausen, Vorsitzender des Vorstands bei der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG).
Jens Hungershausen, Vorsitzender des Vorstands bei der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG).
Foto: DSAG

"Gerade Corona hat in den zurückliegenden Monaten gezeigt, wie schnell sich Situationen grundlegend verändern können", warnt Jens Hungershausen, Vorsitzender des Vorstands bei der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG). Um die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern, reiche es nicht aus, nur die bestehenden Geschäftsprozesse zu optimieren. Was für den künftigen Erfolg nötig ist, wo dabei die Herausforderungen liegen und mehr - hören Sie in unserem Podcast-Format "IDG Tech Talk":

Viele SAP-Anwender stehen derzeit vor der Migration auf S/4HANA und fragen sich, wie tiefgreifend mit diesem Umstieg auch gleich die eigenen Prozesse vereinfacht und transformiert werden sollen. Die Antwort fällt offenbar nicht leicht. SAP hatte S/4HANA bereits vor sechs Jahren am Markt vorgestellt. Doch die Projekte wollen nicht so recht ins Laufen kommen. Mittlerweile hat der Softwarekonzern das Wartungsende für die Vorgängergeneration weiter nach hinten verschoben, um seinen Kunden mehr Zeit zu geben.

"Wie entsteht ein Mehrwert durch einfachere Prozesse?"

"Die Projekte sind durchaus komplex", räumt Hungershausen ein. Prozesse in den Unternehmen seien über Jahre gewachsen, die SAP-Systeme entsprechend der wachsenden Anforderungen mit eigenen Programmierungen angepasst worden. Zudem seien andere Systeme fest mit der SAP-Landschaft verdrahtet. All dies bedeute Aufwand und müsse in einem Migrationsprojekt mit betrachtet werden, wenn Anwender sich in Richtung S/4HANA orientierten. Dass das ERP-System auch in Zukunft der Kern der IT-Systeme bleiben wird, daran lässt der DSAG-Mann aber keinen Zweifel.

Der Umstieg auf S/4HANA bedeute aber auch Veränderung, macht Hungershausen klar. Ziel einer Migration müsse sein, die eigenen Prozesse wieder zu vereinfachen und zu verschlanken. Unternehmen sollten wieder dahin kommen, Standardprozesse in SAP nutzen zu können. Nur so lasse sich die heute am Markt geforderte Agilität erreichen. "Der ERP-Kern soll wieder einfach und beherrschbar werden."

Der Weg dorthin ist allerdings alles andere als trivial, sagt der Anwendervertreter. Die Gretchen-Frage, die sich derzeit viele Unternehmen stellten, lautet: "Mache ich erst einmal ein rein technisches Upgrade und nutze die neuen Möglichkeiten später - oder transformiere ich gleich mein Business." Für die Antwort bräuchten die Unternehmen mehr Informationen, mahnt Hungershausen. "Wie entsteht ein Mehrwert durch einfachere Prozesse?" Hier sei SAP gefordert, diesen Mehrwert besser und transparenter darzustellen, damit die Kunden eine Transformation in Richtung S/4HANA besser bewerten könnten.

"SAP ist der Kern, aber es gibt noch andere Systeme"

Dabei wollen sich die SAP-Anwender unterschiedliche Optionen offenhalten, beispielsweise in der Frage, ob Cloud oder nicht Cloud. "Die Wege sind unterschiedlich", sagt der DSAG-Vertreter und prognostiziert: "Ich glaube, dass die Cloud der Weg der Zukunft ist." Allerdings gebe es in Europa und in Deutschland gerade hinsichtlich Datenschutz und DSGVO besondere Herausforderungen. Viele Unternehmen seien Stand heute noch nicht in der Lage, in die Cloud zu wechseln, oder möchten es auch noch nicht. Es müsse auch weiter die Möglichkeit geben, eine On-Premises-Transformation voranzutreiben. "Jedes Unternehmen muss für sich entscheiden, wann und in welchem Tempo diese Transformation passiert."

Das neue Angebot "Rise with SAP", mit dem der Softwarekonzern seinen Kunden den Weg in die Cloud und zu S/4HANA ebnen möchte, könnte an dieser Stelle hilfreich sein, meint Hungershausen, warnt allerdings auch vor zu hohen Erwartungen: "Hier gibt es noch viele Fragen, die es zu besprechen gilt, auch um mehr Klarheit zu bekommen." Grundsätzlich sei aber jede Unterstützung, jede Hilfe richtig.

SAP soll ein verlässlicher und strategischer Partner bleiben, wünscht sich der Anwendervertreter. "An der einen oder anderen Stelle könnte SAP aber noch etwas mehr auf die Unternehmensprozesse der Kunden achten. SAP ist der Kern, aber es gibt noch andere Systeme, die hier mit betrachtet werden müssen. Hier etwas übergreifender zu denken, wäre gut."

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