Egenera und Fujitsu Siemens verbannen Komplexität aus dem Rechenzentrum

"Einfache Server? Klingt nach einer verrückten Idee"

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Der US-Serverhersteller Egenera ist vor sechs Jahren mit dem Anspruch angetreten, Rechenzentren zu vereinfachen. Seit zwei Jahren operiert das Unternehmen auch in Europa - mit Fujitsu Siemens Computers (FSC) als Vertriebspartner.

Wien (pte/21.07.2007/06:45) - Der US-Serverhersteller Egenera ist vor sechs Jahren mit dem Anspruch angetreten, Rechenzentren zu vereinfachen. Egenera-Boss Vern Brownell konstruierte dazu eine völlig neue Serverarchitektur, mit der die Komplexität der Systeme aus den Datencentern verbannt wurde. Seit zwei Jahren operiert das Unternehmen auch in Europa. Als Vertriebspartner wählte Brownell mit Fujitsu Siemens Computers (FSC) ein Unternehmen, das mit dem Dynamic Data Center ebenfalls nach einer "drastischen Senkung der Komplexität in den Rechenzentren strebt", wie Wolfgang Horak, Geschäftsführer FSC Österreich, erklärt. Im Exklusivinterview mit pressetext erklärt Brownell, was zur Gründung von Egenera geführt hat und wie man Rechenzentren noch weiter vereinfachen und verbessern kann.

pressetext: Wie sind sie auf die Idee gekommen, eine Firma zu gründen und Server in einer ganz neuen Art und Weise zu konstruieren?


Brownell: Ja, das klingt nach einer verrückten Idee, Server neu zu erfinden. Ich bin von der Anwenderseite gekommen und habe bei Goldman Sachs elf Jahre die IT betreut. Schließlich war ich zuständig für den Aufbau einer globalen Infrastruktur. Dabei habe ich mich ständig gefragt, warum die Architektur derart komplex aufgebaut ist, warum so viel Investition nötig ist und warum man tausend Leute braucht, um das Ganze zu managen. Ich stellte mir die Frage, ob ich etwas falsch gemacht habe. Im Endeffekt habe ich erkannt, dass sich der Fehler durch die gesamte Industrie zieht und einfach alles auf einem äußerst komplexen System aufgebaut war. Als Anwender konnte man nichts dagegen machen.

pressetext: Wo lagen denn ihrer Meinung nach die Probleme?


Brownell: Den Herstellern von Netzwerkausrüstung, Storage-Systemen und Rechnern ging es darum, mehr Geräte und Systeme zu verkaufen. Das Ganze wurde derart komplex, dass man kaum noch durchblicken konnte. Ich habe mich schließlich gefragt, was man anderes machen könnte und Überlegungen angestellt, wie man die gesamte Serverarchitektur neu aufbauen könnte, sodass sie einfacher wird. Die Fragen, die mich dabei geleitet haben, waren: Warum dauert es Monate, bis ein Server aufgebaut ist und in Betrieb gehen kann? Warum habe ich tausende Server und nutze lediglich zehn Prozent der Leistung? Warum brauche ich 250 Administratoren, um sie zu betreiben? Das waren die Hauptprobleme mit der damaligen Architektur.

pressetext: Worin unterscheidet sich nun der Ansatz von Engenera von allen anderen?


Brownell: Wir haben die Komplexität und die Komponenten, die typischerweise rund um einen Server im Einsatz sind, reduziert. Während auf Blades anderer Hersteller Prozessoren, Speicher, Disks, Ethernet-Controller, Netzwerkkarten und vieles mehr verbaut ist, befinden sich auf unseren Geräten lediglich die Prozessoren und der Speicher. Der Rest basiert auf Software. Das ist zwar schwieriger zu entwickeln, allerdings bringt es im Endeffekt mehr Vorteile im Rechenzentrum und vereinfacht das Gesamtsystem.

pressetext: Ihre ersten Produkte sind mit lediglich sechs Anschlüssen ausgekommen. Ist das noch immer so?


Brownell: Ja, unsere Blades benötigen nach wie vor nur sechs Anschlüsse. Wenn man unsere heutigen Produkte mit jenen aus 2001 vergleicht, so sind sie im Prinzip genauso so wie damals. Natürlich haben wir sie an die neueste Technik angepasst, vom Aufbau her sind sie jedoch gleich. Die Blades verfügen über redundante Anschlüsse für Strom, die Verbindung zum Storage Area Network und zum Internet. Wenn man das mit den hunderten von Verbindungen vergleicht, die andere Server brauchen, so ist das eine deutliche Vereinfachung.

pressetext: Wie soll man damit umgehen, dass von Unternehmen zunehmend mehr Daten verarbeitet werden müssen?


Brownell: Das ist die Nummer-Eins-Frage, die sich jeder CTO stellt. Das Problem mit den Rechenzentren ist tatsächlich groß. Die Anlagen wachsen ständig, brauchen daher mehr Platz und extrem viel Energie. Die zweitgrößten Stromverbraucher in den USA sind bereits Datenzentren. Ein Ansatz, der von Herstellern verfolgt wird, ist, dass sie ihre Server kleiner konstruieren. Meiner Meinung nach ist dies das nächste Problem. Sie sind dann zwar Platz sparender, jedoch entsteht mehr Hitze, die gekühlt werden muss. Das wiederum erzeugt mehr Kosten für die notwendigen Kühlsysteme. Wir haben uns entschieden, eine große Blade zu nutzen, die auch besser gekühlt werden kann. Wir verwenden seit Beginn an denselben Formfaktor, der deshalb effizient gestaltet ist, weil wir viele Komponenten entfernt haben und somit den verbleibenden genug Platz zur Verfügung steht.

pressetext: Warum werden die Server so schlecht ausgelastet? Wie kann man das lösen?


Brownell: Das liegt daran, dass üblicherweise eine Applikation auf einem Server läuft. Das ist an sich nicht schlecht, denn so kommt es kaum zu Konflikten zwischen den Programmen. Allerdings sind viele Geräte somit einen Großteil der Zeit arbeitslos. Lösen kann man dieses Problem mit Virtualisierungstechniken. Allerdings hat man sogar damit noch das I/O-Problem, weil ein Server an eine bestimmte Peripherie angeschlossen ist. Wenn man allerdings Komponenten aus der Serverblade entfernt und sie auslagert, bekommt man hier mehr Freiraum. Wir haben Kunden, die dieselbe Maschine tagsüber für andere Anwendungen nutzen als nachts. Während am Tag die Handelsaufträge abgewickelt werden, steht der Server in der Nacht für Buchhaltung oder Backups zur Verfügung. Unsere Managementsoftware verfügt über die Kapazitäten, dies zu managen und durch die Nutzung von Virtualisierung haben wir eine sehr einfach zu handhabende Lösung. Ich denke, dass Virtualisierung die richtige Antwort ist, wenn es um eine effizientere Auslastung von Servern geht.

pressetext: Sie haben in Europa FSC als Partner gewählt. Wie ist es dazu gekommen?


Brownell: Das ist eigentlich ein Zufall gewesen, als ich den CTO von FSC Josef Reger getroffen habe. Ich hatte mit ihm eine gute Unterhaltung über das Dynamic Data Center von FSC. Bei Egenera nennen wir dieses System zwar anders, meinen im Grunde jedoch dasselbe. Wir haben dieselbe Sprache gesprochen und uns in dem Gebiet gleich verstanden. Da wir damals ohnehin auf der Suche nach Partnern in Europa waren, hat sich das bestens getroffen. Mittlerweile arbeiten wir seit über zwei Jahren zusammen und ohne die Kooperation wären wir in einigen Ländern sicherlich nicht so stark vertreten.

pressetext: Vielen Dank für das Gespräch. (pte/wl)

Zur Startseite