Private Nutzung: Ein-Prozent-Regelung oder Fahrtenbuch

Firmenwagen nur für Firmenfahrten

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT. Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Schon gewusst? Die Ein-Prozent-Regelung für Dienstwagen bei ausschließlichen Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte findet keine Anwendung.

Der Bundesfinanzhof hat schon vor einiger Zeit entschieden, dass die Ein-Prozent-Regelung (§ 8 Abs. 2 Satz 2 EStG) nicht anwendbar ist, wenn der Arbeitnehmer ein betriebliches Fahrzeug lediglich für betriebliche Zwecke sowie für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzt. Also dann, wenn der Firmenwagen überhaupt nicht für private Fahrten genutzt wird. Darauf verweist der Kieler Steuerberater Jörg Passau, Vizepräsident und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DUV Deutscher Unternehmenssteuer Verband e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hinweis auf die Mitteilung des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 28.12.2011 zu seinem Urteil vom 6.10.2011 - VI R 56/10.

Firmenwagen: Nach der Rechtsprechung darf man die Methode zur Ermittlung des geldwerten Vorteils der Privatnutzung nur dann wechseln, wenn das Fahrzeug gewechselt wird oder wenn das Kalenderjahr abgelaufen ist.
Firmenwagen: Nach der Rechtsprechung darf man die Methode zur Ermittlung des geldwerten Vorteils der Privatnutzung nur dann wechseln, wenn das Fahrzeug gewechselt wird oder wenn das Kalenderjahr abgelaufen ist.
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Überlässt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt einen Dienstwagen auch zur privaten Nutzung, führt dies nach der ständigen Rechtsprechung des Senats zu einem steuerbaren Nutzungsvorteil des Arbeitnehmers, der als Arbeitslohn zu erfassen ist. Der Vorteil ist entweder anhand des Fahrtenbuchs oder, wenn ein Fahrtenbuch nicht geführt wird, nach der Ein-Prozent-Regelung zu bewerten. Die Ein-Prozent-Regelung bedeutet: Als geldwerter Vorteil wird monatlich 1 % des Brutto-Inlands-Listen(neu)preises angesetzt. Im beschriebenen Fall war das aber nicht möglich, weil die private Nutzung des Dienstwagens nicht ausreichend belegt werden konnte.

Damit ein Pkw als Firmenwagen eingestuft werden kann, muss er zum steuerlichen Betriebsvermögen gehören. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Bei einer betrieblichen Nutzung zwischen 10 und 50 Prozent ist eine Aufnahme ins Betriebsvermögen möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Anders sieht es aus, wenn die betriebliche Nutzung einen Anteil von 50 Prozent übersteigt. Dann muss das Fahrzeug dem Betriebsvermögen zuordnet werden.

Gültigkeit der Ein-Prozent-Regelung

Der Fall: Im konkreten Streitfall standen dem Kläger, der in einem Autohaus als Verkäufer beschäftigt ist, Firmenwagen für Probe- und Vorführfahrten zur Verfügung. Darüber hinaus durfte er diese Wagen auch für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzen. Ein Fahrtenbuch führte der Kläger nicht. Das Finanzamt ging deshalb davon aus, dass die Ein-Prozent-Regelung anzuwenden sei. Einspruch und Klage blieben ohne Erfolg.

Auf die Revision des Klägers hat der BFH die Vorentscheidung aufgehoben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Finanzgericht (FG) zurückverwiesen, so Passau.

Die Nutzung eines Dienstwagens für die täglichen Fahrten zwischen Wohung und Arbeitsstätte ist nach Ansicht der Gerichte keine Privatnutzung.
Die Nutzung eines Dienstwagens für die täglichen Fahrten zwischen Wohung und Arbeitsstätte ist nach Ansicht der Gerichte keine Privatnutzung.
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Die Nutzung eines Fahrzeugs für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist, so der BFH, keine private Nutzung, denn der Gesetzgeber hat diese Fahrten in § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG und § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 EStG der Erwerbssphäre zugeordnet. Das FG muss nun noch prüfen, ob die Fahrzeuge dem Kläger darüber hinaus auch zu privaten Zwecken überlassen waren.

Passau empfiehlt, dies zu beachten und ggf. steuerlichen Rat in Anspruch zu nehmen, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deutschen Unternehmenssteuer Verband (www.duv-verband.de) verweist.

Ein-Prozent-Regelung oder Fahrtenbuch

Ein Wechsel zwischen Ein-Prozent-Regelung und Fahrtenbuch ist immer nur zum Anfang eines Jahres möglich. Eine Ausnahme besteht nach Angaben des Magazins fortynine nur dann, wenn der Arbeitnehmer im Laufe eines Jahres ein neues Fahrzeug erhält. Bei der Wahl zwischen Ein-Prozent-Regelung und Fahrtenbuch kommt es laut fortynine auf folgende Punkte an:

Ein-Prozent-Regelung oder Fahrtenbuch: Es kommt auch auf die Gesamtkosten für Benzin, Versicherung und Wartung an.
Ein-Prozent-Regelung oder Fahrtenbuch: Es kommt auch auf die Gesamtkosten für Benzin, Versicherung und Wartung an.
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  • Anzahl der gefahrenen Kilometer

  • Abschreibungsdauer in Jahren

  • Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz

  • Veranschlagter Lohnsteuersatz

  • Gesamtkosten für Benzin, Versicherung und Wartung

Unterm Strich bedeutet das, dass sich die Ein-Prozent-Regelung immer dann lohnt, wenn ein Firmenwagen vor allem wirklich privat genutzt wird oder einen niedrigen Wert hat. Ansonsten ist das Fahrtenbuch empfehlenswerter.


Weitere Informationen und Kontakt:
Jörg Passau, Steuerberater und Vizepräsident sowie geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DUV, c/o Passau, Niemeyer & Collegen, Kiel, Tel.: 0431 9743010, E-Mail: info@duv-verband.de, Internet: www.pani-c.de