Mentaltraining gegen Stress

Gesünder durch den Alltag

Bettina Dobe ist Journalistin in München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media- sowie Gesundheitsthemen spezialisiert. 
Viele Menschen leiden an ständigem Stress. Schon kleinste Übungen helfen, den Druck abzubauen und Burnout vorzubeugen.

Gesundheit am Arbeitsplatz ist Kopfsache - so sieht es zumindest Dr. Claudia Croos-Müller, Ärztin für Neurologie, Nervenheilkunde und Psychotherapie. Wer mehr auf sich achtet, ist widerstandsfähiger gegen Stress und geht leichter durchs Leben. Keine Sorge: Das muss nicht heißen, ausufernden Sport in der Mittagspause zu betreiben. Die Gesundheitsexpertin betont dagegen, wie wichtig es sei, kleine Gesundheitsrituale im Alltag zu verankern. Klar ist: In der modernen Arbeitswelt ist gar keine Zeit für große Veränderungen.

"Die Arbeitswelt hat sich gewandelt, in immer kürzerer Zeit muss man immer mehr schaffen", sagt Croos-Müller. "Diese Form des Arbeitens ist für das Hirn eine Riesenanstrengung. Das merkt man erst abends, wenn man sehr erschöpft ist." Vor allem das Multitasking ist für den Kopf nicht gerade förderlich. Für das Gehirn ist der Hochleistungsmodus schlecht, meint die Ärztin. Trotzdem arbeiten wir immer weiter, schlafen und bewegen uns zu wenig. "Kein Wunder, dass Stress zunehmend ein Thema wird", erzählt Croos-Müller aus ihrem Klinikalltag.

Vorsicht vor Burnout

Wer nicht gegen den hohen Druck und permanenten Stress vorgeht, läuft Gefahr, in den Burnout zu rutschen und an Depression zu erkranken. "Burnout ist keine Krankheit, sondern ein Zustand der totalen Erschöpfung", erklärt Croos-Müller. Sie definiert Burnout als Anhäufung negativer Erlebnisse, ausgelöst durch eine ständige Vielfachbelastung. Die Auswirkungen der Überlastung machen sich schleichend bemerkbar: Erst ist man ständig erschöpft, dann ist man auch nach dem Urlaub nicht mehr fit und erholt, bekommt Schlafprobleme. "Die Gereiztheit und Aggression nimmt zu, das Verhalten ändert sich", sagt Croos-Müller. Und wer dann noch perfektionistisch veranlagt ist, den erwischt Burnout schneller als andere.

Wer zu sehr gestresst ist, kann im Burnout landen.
Wer zu sehr gestresst ist, kann im Burnout landen.
Foto: konradbak - Fotolia.com

Wer nicht erkennt, dass er an Burnout leidet oder ihn ignoriert, läuft Gefahr, an einer Depression oder am Herz-Kreislauf-System zu erkranken. Und womöglich steht am Ende gar die Arbeitsunfähigkeit. "Es ist ein langer Weg, bis man wieder gesund ist", warnt Croos-Müller. "Aber das Gute ist: Man kann sich selbst rechtzeitig behandeln, bevor es soweit gekommen ist." Gegen die Überlastung zu steuern, sei gar nicht so schwer. Der Schlüssel dazu sei ein kluges Gesundheitsmanagement.

Gesundheitsmanagement

Croos-Müller meint damit nicht die betriebliche Gesundheitsvorsorge, sondern das, was jeder selbst tun kann. Dazu gehört es, seine eigenen mentalen Ressourcen zu aktivieren und sie konsequent und nachhaltig zu trainieren. So kommt man besser mit Stress klar. Die mentalen Ressourcen könne man vor allem durch gute Gefühle aktivieren, aber auch durch die Körperhaltung, Bewegung und Mentaltechniken, erklärt sie. "Wer regelmäßig mit kleinen Übungen gegen den Stress angeht, verhindert, dass er umfällt", sagt sie.

Gesundheit ist Kopfsache

Claudia Croos-Müller, Ärztin und Gesundheitsexpertin.
Claudia Croos-Müller, Ärztin und Gesundheitsexpertin.
Foto: Beatrix Heiloway

Wer gegen den Stress kämpfen will, muss seinen Kopf trainieren. Dazu gehören einerseits die mentalen Ressourcen. Wer sie aktiviere und bei sich selbst für positive Gefühle sorge, dem gehe es besser, rät Croos-Müller. Positive Gefühle seien Freude, Liebe, Vertrauen, Stolz und Interesse - wer sie aktivieren kann, bei dem würden automatisch Antistresssubstanzen ausgeschüttet. Umgekehrt gilt: Bei wem die negativen Gefühle überhand nehmen, der sei anfälliger für Stress und somit auch verletzlicher für Burnout.

Gleichzeitig spielt die sogenannte Resilienz eine große Rolle: "Resilienz bedeutet Widerstandsfähigkeit", sagt Croos-Müller. "Wer resilient ist, geht anders mit Krisen um, ist zuversichtlicher und ist psychisch gesehen tougher", erklärt die Ärztin. Die gute Nachricht: Resilient zu sein, kann man mit Mentaltraining üben. Dazu gehören zum Beispiel Yogaübungen oder Autogenes Training. Das Gehirn entspannt sich und ist nicht mehr hyperaktiv.

Auch für diejenigen, die nicht so viel Zeit oder Erfahrung mit Yoga haben, gibt es Mentaltechniken. Sie basieren darauf, dass Körper und Geist eine Einheit sind. So hängen zum Beispiel unsere Gefühlslage und die Haltung eng miteinander zusammen. "Die Körperhaltung ist sehr wichtig", sagt Croos-Müller. Wie wir sitzen oder stehen, hat großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen. Wer mit hängenden Schultern, dem Kinn auf der Brust und rundem Rücken dasitzt, fühlt sich nur selten glücklich. "Wer den ganzen Tag so sitzt, wird merken, dass diese Körperhaltung etwas mit ihm macht", sagt Croos-Müller. Stattdessen: Schultern straffen, Brust raus, Kinn hoch. Das hebt die Stimmung und aktiviert die mentalen Ressourcen.

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