Nach der Übernahme durch Freenet

Gravis enttäuscht 2013 beim Umsatz



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Die Übernahme durch Freenet sollte Gravis aus der Beschränkung auf Apple befreien und den Weg zum Digital-Lifestyle-Anbieter ebnen. Doch wie die Zahlen von Freenet von 2013 zeigen, geht die Rechnung bislang nicht auf. Stattdessen gab es einen Umsatzrückgang.
Die Anzahl der Gravis-Stores hat Freenet 2013 gesteigert, nicht jedoch den darin erzielten Umsatz
Die Anzahl der Gravis-Stores hat Freenet 2013 gesteigert, nicht jedoch den darin erzielten Umsatz
Foto: Gravis

Dass der stationäre Handel kein einfaches Geschäft ist, trifft auch für die Apple-Welt zu, in der sonst gerne andere Gesetze gelten. Deshalb sorgte auch die Übernahme der Apple-Kette Gravis durch den Mobilfunk-Konzern Freenet/Mobilcom für Aufsehen. Nachdem das Unternehmen 2011 einen leichten Umsatzrückgang von 1 Prozent auf 160 Millionen Euro verzeichnete, gelang Firmengründer Archibald Horlitz 2012 noch einmal eine Steigerung auf 180 Millionen Euro. Doch hatte Horlitz schon seit längerem signalisiert, dass er eine Fortführung des Wachstumskurses aus eigener Kraft nur schwer möglich hielt.

In dieser Situation erfolgte Anfang 2013 die Übernahme der Handelskette durch Freenet. Der Mobilfunk-Konzern hatte für den Apple-Händler große Pläne. Das Leitbild war es, Gravis – analog zur Freenet/Mobilcom-Strategie – als "Home of Digital Lifestyle" neu zu positionieren. Zudem begann der neue Eigner damit, Gravis sukzessive von der reinen Fixierung auf Apple zu lösen und bot in den Filialen auch Produkte u.a. von Sony und Samsung an. Gleichzeitig wurde die Filialexpansion vorangetrieben und wuchs das Standortnetz von Gravis 2013 von 28 auf 34.

Vorjahresumsatz wohl nicht erreicht

Die vorläufigen Zahlen von Freenet für 2013 zeichnen allerdings kein rosiges Bild für den Erfolg der Neuausrichtung von Gravis: Die Erstkonsolidierung der Handelskette seit dem 31. Januar 2013 habe rund 131 Millionen Euro zum Jahresumsatz von Freenet/Mobilcom beigetragen, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Damit weist der Mobilfunkkonzern zwar kein volles Geschäftsjahr für Gravis aus, doch ist davon auszugehen, dass die 2012 erzielten 180 Millionen Euro nicht erreicht wurden.

Einblicke liefern die Freenet-Zahlen auch in die Entwicklung bei dem Online-Händler Motion TM, an dem der Mobilfunkkonzern seit vergangenem Jahr ebenfalls eine Mehrheitsbeteiligung hält: So heißt es, Motion TM, das seit 20. März 2013 mitkonsolidiert wurde, habe rund 108 Millionen Euro zum Jahresumsatz von Freenet beigetragen. Der Online-Spezialist stammt aus dem Dunstkreis der TK-Kooperation Aetka und betreibt nicht nur Endkundenshops wie Handytick.de, Mediaversand.de und Studentenvertraege.de, sondern beliefert über die Plattform MOON auch Fachhändler. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums 2012 sprach Motion TM von einer Kundenbasis von rund 1.800 Fachhändlern sowie 300.000 Endkunden.

Freenet-Konzern entwickelt sich stabil

Dynamischer als die zugekauften Gravis-Läden entwickelte sich das Kerngeschäft des Freenet/Mobilcom-Konzerns. Das börsennotierte Unternehmen erwirtschaftete 2013 einen Konzernumsatz von 3,193 Milliarden Euro (Vorjahr: 3,085 Milliarden Euro) sowie ein EBITDA in Höhe von 357,4 Millionen Euro (Vorjahr: 357,4 Millionen Euro) "Wir haben im letzten Jahr erfolgreich die strategischen Weichen für die weitere Entwicklung der freenet Gruppe zum echten Digital-Lifestyle-Anbieter im Zeitalter der mobilen Kommunikation gestellt", sagt Christoph Vilanek, Vorstandsvorsitzender der freenet AG. "Im laufenden Geschäftsjahr werden wir darauf aufbauen und unser Profil im dynamischen Wettbewerbsumfeld weiter schärfen."

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