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Tech-Data-Chef Michael Dressen

"Ich hätte Also nicht verlassen, wenn es nicht verkauft worden wäre"

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.

Distribution und die Cloud

Seit 100 Tagen im Amt: Tech-Data-Chef Michael Dressen
Seit 100 Tagen im Amt: Tech-Data-Chef Michael Dressen

Ihr ehemaliger Arbeitgeber Also-Actebis versucht sich mit Zukäufen wie Druckerfachmann.de oder Medium Know-how zu sichern. Gibt es bei Ihnen ähnliche Pläne, oder wollen Sie es aus eigener Kraft schaffen?

Dressen: Grundsätzlich sind wir im VAD-Bereich gut aufgestellt und wir haben dort in den letzten Jahren auch zugekauft, beispielsweise Datech. So ist beides möglich, durch eigenes Wachstum oder durch Zukäufe. Aber das muss man im Einzelfall prüfen.

Durch neue Geschäftsmodelle wie SaaS oder Cloud Computing ändern sich die Geschäftsmodelle. Manche sagen, die Distribution hätte dabei keinen Platz mehr.

Dressen: Solange es noch ein dreistufiges Vertriebsmodell gibt, solange wird auch jeder darin seine Aufgabe finden. So ist beispielsweise beim Cloud Computing unsere Rolle das Enabeling - es ist beispielsweise weniger unsere Aufgabe ein Datacenter zu entwickeln. Die Hersteller haben die verschiedenen Angebote, Programme und Levels. Wir haben den Zugang zu den Händlern und zu den unterschiedlichen Fachhandelsformen, dafür ist die Distribution schon immer bekannt gewesen. Das können wir auch auf neue Geschäftsmodelle übertragen.

Was die Branche brennend interessiert sind Personalfragen. Jetzt haben Sie schon einige Kollegen aus dem Also-Actebis-Umfeld rekrutiert. Werden es noch mehr werden?

Dressen: Aktuell sind erst drei hier aufgeschlagen, nämlich Thomas Kaspar, Peter Lohr und ich. Das ist bei 800 Mitarbeitern hier am Standort nicht viel. Wir haben einige Ausschreibungen laufen, da kann sich jeder darauf bewerben der das möchte. Und alle, die sich hier bewerben, laufen durch einen Qualifikationsprozess - ob sie jetzt von Also-Actebis kommen oder woanders her.

Sie werben aber nicht aktiv Mitarbeiter ab?

Dressen: Ich kann Vorwürfe in diese Richtung nicht nachvollziehen. Es werden noch zwei weitere Personen dazu kommen, damit sind wir bei fünf. Laut dem Geschäftsbericht von Also-Actebis wurden 220 Stellen abgebaut. Da finde ich die Anzahl der Leute, die zu uns gekommen sind, immer noch sehr überschaubar.

Die letzten Jahre bei Tech Data waren auch geprägt durch ständige Wechsel in den Führungspositionen. Was macht Sie sicher, dass ihr Engagement ein dauerhaftes ist?

Dressen: Das ist eine gute Frage. Ich habe bisher in allen meinen Aufgaben eine längerfristige Perspektive gesehen, sofern sie mir Spaß gemacht haben und ich mit der strategischen Ausrichtung einverstanden war. Ich hätte Also nicht verlassen, wenn es nicht verkauft worden wäre. Aber das sind Dinge, die man nicht immer beeinflussen kann. Ich habe hier ein extrem gutes Gefühl und ich bin erstaunt, welche Freiräume ich hier vorgefunden habe. Ich kann nicht in die Kristallkugel schauen, aber dies ist eine Aufgabe, die ich langfristig sehe. Ich sehe, dass hier schon viele Hausaufgaben gemacht worden sind, und wenn wir nun den Enthusiasmus reinbringen, der bisher gefehlt hat, dann wird das hier allen Beteiligen großen Spaß machen. (awe)