Microsoft und Smart Stores

Infrastruktur für den digitalen Handel



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie  Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Als Infrastrukturlieferant spielt Microsoft für viele digitale Handelsmodelle eine wichtige Rolle. Beispiele von dm und Rewe zeigen die Vorteile von Microsoft-basierten Digitallösungen für den Handel – und für das Thema Nachhaltigkeit.
Als Industry Executive Retail & Consumer Goods bei Microsoft Deutschland ist Xenia Giese für Handelslösungen zuständig
Als Industry Executive Retail & Consumer Goods bei Microsoft Deutschland ist Xenia Giese für Handelslösungen zuständig
Foto: Microsoft

Microsoft ist nicht gerade der erste Name, der einem einfällt, wenn man an die Digitalisierung des Handels denkt - zu unrecht findet Xenia Giese, Industry Executive Retail & Consumer Goods bei Microsoft Deutschland. Zwar zähle der Softwarekonzern im Handelskontext nicht zu den Anbietern, deren Technologien in digitalen Smart Stores an vorderster Front zum Einsatz komme. "Doch wir spielen dort eine wichtige Rolle als Infrastrukturanbieter, der branchenspezifischen Technologiepartnern seine Plattform zur Verfügung stellt", erklärt Giese.

"Außerdem haben wir vorgefertigte KI-Services für die Cloud-Lösung Azure im Angebot, die im Handelskontext hohe Relevanz besitzen, wie zum Beispiel Bildanalyseverfahren. Und schließlich haben wir auch Hardware entwickelt wie die Microsoft Hololens, die bereits in einigen digitalen Szenarien im Handel zum Einsatz kommt." Das Thema Smart Stores sei also durchaus auch ein Microsoft-Thema, hält die Managerin fest.

Am besten lässt sich der Beitrag von Microsoft zur Handelsdigitalisierung an konkreten Umsetzungsszenarien erkennen. Ein Beispiel ist die Drogeriekette dm. Um die interne Kommunikation digital weiterzuentwickeln und den Austausch der Mitarbeiter über Standorte hinweg zu vereinfachen, nutzt dm Lizenzen von Office 365 und stattete Mitarbeiter mit mehr als 25.000 Smartphones aus.

"Damit stehen diesen nicht nur alle relevanten dm-Anwendungen für die Kundenberatung jederzeit und an jedem Ort zur Verfügung, sondern auch die Mobile Apps der Produktivitätssuite Office 365 wie beispielsweise Yammer als Austauschplattform und Microsoft Teams für die einfachere Zusammenarbeit", erklärt Giese. Die Filialmitarbeiter könnten mit den Microsoft-Lösungen auf vertraute Werkzeuge zurückgreifen, die ihnen bereits vertraut seien. Gleichzeitig habe die dm-Zentrale so einen wirksamen Hebel erhalten, um die Abstimmung und Kommunikation mit den einzelnen Märkten effektiver zu gestalten.

Die Mitarbeiter-Smartphone Initiative von dm baut auf Lösungen von Microsoft auf.
Die Mitarbeiter-Smartphone Initiative von dm baut auf Lösungen von Microsoft auf.
Foto: dm

Das vollautomatisierte Ladenregal

Ein weiteres Beispiel für den Einsatz von Microsoft-Lösungen im digitalen Handel ist Rewe Österreich mit seiner Supermarktkette Merkur. Da für Frische-Artikel, die nach Bedarf in der Filiale produziert werden, eine vorausschauende Bedarfsplanung und Lagerhaltung essenziell ist, hat Merkur in seinen Backshops das Smart Shelf des Wägetechnikspezialisten Bizerba im Einsatz. Die Gewichtssensoren des intelligenten Regals erkennen punktgenau, wenn ein Produkt entnommen wurde und dokumentieren diese Regalposition in der Bizerba Lösung, die auf dem Azure IoT Hub und Azure KI von Microsoft basiert.

Wird beispielsweise registriert, dass Brezeln knapp werden, aktiviert der Backautomat automatisch das entsprechende Backprogramm - präzise abgestimmt auf die aufzufüllende Menge. "Durch das automatische Monitoring wird ein rechtzeitiges Nachbacken sichergestellt und es entfallen manuelle Bestandsaufnahmen durch Filialmitarbeiter", erklärt Microsoft-Manegerin Giese. "Die gemessenen Daten werden zudem mittels KI ausgewertet und Prognosen über den Abverkauf erstellt, um so über den Tagesverlauf angepasst optimal zu backen." Auch Preise am Regal würden über die Lösung dynamisch angepasst und auf den am Regal vorhandenen elektronischem Preisschildern automatisch aktualisiert, zum Beispiel um Restbestände vor Ladenschluss optimal abzuverkaufen anstatt sie im Abfall entsorgen zu müssen.

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Eine noch weiter gehende, auf Microsoft-Infrastruktur basierende Lösung für den digitalen Handel hat die US-Lebensmittelkette Kroger im Einsatz. Das Handelsunternehmen drängt in den lukrativen Markt für Retail Media, sah sich jedoch konfrontiert mit dem Problem der Messbarkeit der Werbemaßnahmen, die Industriepartner in den digitalen und physischen Kanälen von Kroger durchführen. Mit Unterstützung der Commerce Marketing-Plattform von Microsoft PromoteIQ hat die Retail-Media-Sparte von Kroger deshalb eine Funktion entwickelt, die es Marken ermöglicht, die Ergebnisse von In-Store- und Online-Verkäufen zu verfolgen und spezifischen Werbekampagnen zuzuordnen, die in den digitalen Ressourcen von Kroger ausgeführt werden.

Die Lebensmittelkette setzt ihr Kundenbindungsprogramm und die Datenkenntnisse ihrer Werbesparte ein, um eine klare Verbindung zwischen Online-Recherche und Offline-Kaufverhalten herzustellen. "Unabhängig davon, ob der Kauf im Geschäft mit Bargeld oder online per Kreditkarte erfolgt, können Marken nun die Auswirkungen ihrer Werbekampagnen auf das Kaufverhalten bis hin zum Kaufabschluss verfolgen", erklärt Giese. "Infolgedessen können Marketer nun die Performance von Kampagnen besser analysieren und ihre Medieninvestitionen in Bezug auf die tatsächliche Rendite der Werbeausgaben optimieren."

Mithilfe von Microsoft Cloud-Lösungen kann das automatisierte Backregal von Bizerba Bestände eigenständig auffüllen.
Mithilfe von Microsoft Cloud-Lösungen kann das automatisierte Backregal von Bizerba Bestände eigenständig auffüllen.
Foto: Bizerba

Smarte Handelstechnologien sind auch nachhaltig

Für Microsoft-Managerin Giese hat der Einsatz solcher Technologien nicht nur den Effekt, den Handel im Wettbewerb mit der Online-Konkurrenz zu stärken. Auch trage die Umsetzung von Smart Stores zu dem wichtigen Thema Nachhaltigkeit bei. "Es ist falsch anzunehmen, dass Ladengeschäfte weniger nachhaltig sind, je mehr Technologie in ihnen eingesetzt wird. Im Gegenteil: Die Verwendung von Cloud-Lösungen wie Azure oder Edge Computing ist umweltfreundlicher als der Einsatz von On-Premise-Technologie.

Zudem bietet erst die Digitalisierung die Möglichkeit, viele Parameter genauer zu monitoren und auf dieser Basis zum Beispiel das Energiemanagement nachhaltiger zu gestalten. Zusammen mit dem Handelsinstitut EHI hat Microsoft nun auch ein Whitepaper zu dem Thema veröffentlicht. Anhand von 29 Kundenreferenzen sowie 17 Microsoft- und Partnerlösungen werden darin die Nachhaltigkeitspotenziale in den fünf Handlungsfeldern Zentrale, Lieferkette & Logistik, Sortimente& Produktion, Filialen, Kunden und Kreislaufwirtschaft aufgezeigt.

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