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Internet of Things bei Google, SAP, Bosch, Amazon, Telekom oder Siemens

IoT-Produkte und -Strategien der Hersteller

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Der Diplom-Physiker Oliver Schonschek ist freier IT-Fachjournalist und IT-Analyst in Bad Ems.
Der Markt des Internet of Things (IoT) ist lukrativ, entsprechend viele Anbieter haben sich bereits positioniert. Ein Überblick über die wichtigsten IoT-Plattformen.

Produkte, Maschinen und Anlagen sind in Deutschland immer stärker miteinander vernetzt. Auch kleine und mittelständische Unternehmen setzen dabei verstärkt auf IoT-Plattformen. Die Folge: Standardisierte IoT-Produkte ersetzen die individuellen Lösungen der IoT-Anfangsjahre, so denken rund 84 Prozent der Teilnehmer einer Experten-Umfrage des eco - Verbands der Internetwirtschaft. Internet-Unternehmen hierzulande können mit IoT-Plattformen wieder den Anschluss an große US-Internet-Konzerne bekommen, finden rund 73 Prozent der befragten Experten.

Es lohnt sich also, sich mit IoT-Plattformen näher zu befassen. Doch die Strategien der großen IoT-Player zu verstehen, ist nicht ganz einfach, zumal der Begriff IoT selbst alles andere als präzise ist und sich kaum von Begriffen wie übernommen. Jasper Technologies bietet Enterprise-Kunden mit der IoT-Plattform "Cisco oder Machine-to-Machine-Kommunikation abgrenzen lässt. Am Ende geht es immer um die intelligente Vernetzung von Objekten via Internet und die Analyse von Daten, die auf diese Weise eingesammelt werden. Unternehmen lernen beispielsweise das Nutzungsverhalten ihrer Kunden zu verstehen, wenn verkaufte Geräte Informationen zurückspielen.

Sie lassen sich Zustandsdaten von Maschinen und Anlagen aus Kundenumgebungen aggregieren und etablieren darum herum neue Servicemodelle. Oder sie bringen ihre Lager-, Fuhrpark- oder sonstige Logistik auf Vordermann. Produkte und Plattformen dafür gibt es inzwischen reichlich, doch oft ist für Kunden nicht einfach zu erkennen, was in den Verpackungen steckt.

Altbekannte Angebote aus der Welt der Embedded Systems werden mit einem schmucken IoT-Label versehen, ohne dass sich besonders viel verändert hätte. Doch der Aktionismus der Anbieter ist verständlich: Momentan werden die Märkte aufgeteilt - auch wenn die Produkte oft noch gar nicht reif sind. Die Vielzahl an Kooperationen und Verbandsinitiativen macht es dem neutralen Betrachter nicht leichter, ein klares Bild zu gewinnen.

Spannend ist der Markt auch deswegen, weil neben den großen IT-Playern klassische Industriekonzerne wie Siemens, Bosch, ABB oder General Electric ein Stück vom Kuchen möchten. Mit ihren Erfahrungen im Engineering und im Product-Lifecycle-Management (PLM) fühlen sie sich gut gewappnet - und sie müssen etwas tun, denn die nächste Wertschöpfungsstufe in der Automatisierungstechnik wird über die Digitalisierung erreicht. Hinzu kommen Telekommunikationsanbieter, spezialisierte Anbieter und Startups. Den Startups fehlt es zwar meist an der kritischen Größe, aber sie haben den Vorteil, unbelastet von einem etwaigen Bestandsgeschäft disruptiv agieren zu können. Wir haben uns einige Player im IoT-Geschäft einmal genauer angesehen.

Wachstumsmarkt IoT

IT-Sicherheit, Cloud Computing und Internet of Things sind die Top-Themen des Jahres in der Digitalwirtschaft. Der Plattform-Gedanke erhält immer stärkeres Gewicht in der Wirtschaft. Das Thema Digitale Plattformen erreicht bereits den sechsten Platz.
IT-Sicherheit, Cloud Computing und Internet of Things sind die Top-Themen des Jahres in der Digitalwirtschaft. Der Plattform-Gedanke erhält immer stärkeres Gewicht in der Wirtschaft. Das Thema Digitale Plattformen erreicht bereits den sechsten Platz.
Foto: Bitkom

Das Internet of Things gehört 2017 laut BITKOM-Umfrage zu den Top 3 Hightech-Themen in Deutschland, aus gutem Grund. Mit dem Internet der Dinge, der intelligenten Vernetzung von Geräten und Maschinen, lassen sich im Jahr 2020 in Deutschland 23 Milliarden Euro umsetzen, so eine McKinsey-Studie. Bis zum Jahr 2020 wird der deutsche B2B-Markt für IoT-Anwendungen ein Volumen von etwa 50 Milliarden Euro erreichen, meint der Deloitte-Report "Hype oder vernetzte Revolution? Industrielles Internet der Dinge". Welche Vorhersage auch eintritt, der Markt im IoT ist enorm.

Eine wichtige Rolle bei der Eroberung dieses Marktes und bei der Implementierung von IoT-Projekten spielen die IoT-Plattformen. Diese vereinen Funktionen für das Management, die Sicherheit und die Integration von IoT-Komponenten in sich und werden von Marktforschern wie Gartner und Forrester als wichtige Entwicklung für die Realisierung des IoT gesehen. IDC bezeichnet IoT-Plattformen als unersetzlich, wenn es um die Umsetzung von IoT-Projekten geht.

Datenanalysen im Internet of Things macht erst jedes dritte Unternehmen. Gleichzeitig plant die überwiegende Mehrheit Investitionen in neue Analyse-Tools und -Plattformen, um ihre IoT-Strategien voranzutreiben, so die PAC-Studie „IoT and the Data Analytics Challenge“.
Datenanalysen im Internet of Things macht erst jedes dritte Unternehmen. Gleichzeitig plant die überwiegende Mehrheit Investitionen in neue Analyse-Tools und -Plattformen, um ihre IoT-Strategien voranzutreiben, so die PAC-Studie „IoT and the Data Analytics Challenge“.
Foto: PAC

Gartner weist allerdings darauf hin, dass bis 2018 die unvollständigen Ansätze der Anbieter von IoT-Plattformen die Standardisierung in diesem Bereich schwierig gestalten werden. Wie die folgende Übersicht zeigt, sind die Plattformen und Strategien der Anbieter tatsächlich teilweise sehr unterschiedlich, sie enthalten aber bereits sehr interessante Ansätze.

IoT-Strategie von Microsoft

Wenn Microsoft gefragt wird, warum man sein IoT-Projekt mit dem Unternehmen aus Redmond machen sollte, verweist der Anbieter auf sein IoT-Portfolio, die für IoT-Projekte so wichtige Offenheit der Lösungen, den Support und das klare Commitment zu IoT. Tatsächlich hat Microsoft einiges im IoT-Umfeld zu bieten.

Windows 10 IoT Core fungiert als mögliches Betriebssystem für industrielle Geräte. Das Beispiel zeigt ein Roboter-Kit.
Windows 10 IoT Core fungiert als mögliches Betriebssystem für industrielle Geräte. Das Beispiel zeigt ein Roboter-Kit.
Foto: Microsoft

Ein wichtiger Baustein der Microsoft IoT-Strategie auf Client-Seite ist Windows 10 IoT Core als Betriebssystem für Industrie-Geräte wie Geldautomaten, POS-Handhelds oder Industrieroboter. Das IoT-Betriebssystem wurde optimiert für Systeme, die ohne Display auskommen und läuft auf Raspberry Pi 2 und 3, Arrow DragonBoard 410c, Intel Joule, Intel Compute Stick und MinnowBoard MAX.

Der zweite wichtige Baustein der Microsoft-Strategie ist die "Azure IoT Suite", ein Set an Cloud-basierten Anwendungen, mit denen sich IoT-Sensordaten monitoren, analysieren und für Vorhersagen aufbereiten lassen. Microsoft bietet dafür eine Reihe von Services an, darunter Azure IoT Hub (Verbindung, Überwachung und Kontrolle der Geräte), Notification Hubs (Push-Benachrichtigungen), Stream Analytics (Datenanalyse), Machine Learning (Maschinelles Lernen / Predictive Analytics) sowie Power BI (Visualisierung).

Die Azure IoT Suite wurde in den letzten Monaten um neue Funktionen erweitert, die die Anbindung, das Management und die Sicherheit von IoT-Geräten verbessern sollen: Azure IoT Gateway SDK (für die Integration weiterer Geräte und Services), Azure IoT Hub Device Management (Gerätemanagement) und Azure IoT Hub IP Filter (Zugriffsschutz-Funktionen).

Zu den Funktionen einer IoT-Plattform wie Microsoft Azure IoT Suite gehören auch Security-Funktionen, um zum Beispiel unerlaubte Zugriffe auf Geräte und von Geräten zu verhindern. Das Bild zeigt den Azure IoT Hub IP Filter.
Zu den Funktionen einer IoT-Plattform wie Microsoft Azure IoT Suite gehören auch Security-Funktionen, um zum Beispiel unerlaubte Zugriffe auf Geräte und von Geräten zu verhindern. Das Bild zeigt den Azure IoT Hub IP Filter.
Foto: Microsoft

Für die Erweiterbarkeit der Microsoft IoT-Plattformlösung sorgen zertifizierte Lösungen Dritter aus dem Partnernetzwerk. Es gibt einen Azure Certified for IoT-Gerätekatalog mit mehr als 175 Geräten von rund 100 Partnern, die für den Einsatz mit der Azure IoT Suite getestet und zertifiziert sind.

Die Microsoft IoT-Dienste sind inzwischen auch aus deutschen Rechenzentren verfügbar (Microsoft Cloud Deutschland). Deutschland erfährt weitere Aufmerksamkeit im IoT-Geschäft von Microsoft: Microsoft errichtet nach Redmond, USA und Shenzhen, China ein weiteres IoT & AI Insider Lab in München.

Microsoft kann bereits mehrere Branchen-IoT-Lösungen vorweisen, Siemens zum Beispiel bringt das IoT-Ecosystem MindSphere auf der Microsoft Cloud-Plattform Azure. Einen Schwerpunkt in der IoT-Entwicklung bei Microsoft spielen die Entwicklungen rund um Connected Cars, wie die Microsoft Connected Vehicle Platform zeigt.