ITK-Ausgaben: Der bisher vernachlässigte Mittelstand holt deutlich auf

17.07.2003
Wie eine aktuelle Studie von Techconsult bestätigt, rückt der bislang zögerliche Mittelstand dank seineshohen Nachholbedarfs in Sachen IT immer mehr in den Fokus der IT-Branche. Doch nicht alle Hersteller und Serviceanbieter können sich gleichermaßen auf steigende Nachfrage freuen.

Im Markt für ITK in Deutschland 2002 und auch in diesem Jahr ist laut Techconsult nur ein minimales Plus von etwa 1,3 Prozent zu erwarten. Diese leichte Erholung spüren jedoch nur einzelne Segmente. Wie die aktuellen Ergebnisse des Multi-Client-Projektes "Mittelstand 2003/2005" zeigen, legen die Großunternehmen, die bislang als Wachstumsmotor und interessanteste Kundengruppe galten, ihr Augenmerk weniger auf Neuinvestitionen als vielmehr auf Integration der bestehenden Lösungen. Der bislang eher vernachlässigte Mittelstand hingegen holt spürbar auf.

Wie die Techconsult-Analysten bei ihrer Zwischenbilanz der Befragung (knapp 500 Teilnehmer) herausfanden, herrscht im Mittelstand ein immenser Investitionsstau, da teilweise fünf bis sieben Jahre nicht in ITK-Equipment und -Lösungen investiert wurde. Obwohl sein IT-Budget deutlich geringer als das der Großunternehmen sei, stelle der Mittelstand den Wachstumsmotor für den deutschen ITK-Markt dar.

Erste Rückmeldungen aus der Fachhandelsszene bestätigen diesen positiven Einkaufstrend des Mittelstandes. So konnte laut Geschäftsführer Andreas Pohlmann die Sotec GmbH nach den ersten rückläufgigen Monaten den Juni mit dem besten Ergebnis seit einem Jahr abschließen, und auch der Juli sowie der August sindäußerst viel versprechend. Das Systemhaus hat überwiegend Kunden aus dem Mittelstand.

Zahl der IT-Arbeitsplätze ist entscheidend

Es existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen von Mittelstand. Für diese Studie entschieden sich die Analysten deshalb für den Microsoft-Ansatz, die Zahl der IT-Arbeitsplätze als Grundlage zu nehmen. Sie analysierten insbesondere Unternehmen mit 10 bis 500 IT-Arbeitsplätzen. Davon gibt es in Deutschland rund 160.000, die dieses Jahr knapp 17 Milliarden Euro in ITK investieren (ohne TK-Verbindungsentgelte) und bis 2005 eine Aufstockung ihrer Ausgaben auf rund 18 Milliarden Euro planen. Rein nach der Mitarbeiterzahl gerechnet (bis 499) liegt das gesamte Investitionsvolumen 2004 bei 28 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Großkunden wollen 35 Milliarden Euro ausgeben.

Während diese Large Accounts beispielsweise ihre Ausgaben für Hardware im nächsten Jahr deutlich um acht Prozent zurückfahren, wird der Mittelstand diese erhöhen. Die Hauptwachstumsbereiche sind Portables und Speicherlösungen (plus drei Prozent), deren Volumen 2004 auf zirka 1,01 Milliarden Euro wachsen wird. Auch im Desktop-Bereich legen die KMUs um 0,5 Prozent zu. Nur der Serverbereich muss auch in diesem Kundensegment mit einem Rückgang (minus zwei bis vier Prozent) rechnen.

Beim Notebookeinkauf beweisen einige Branchen eine signifikante Steigerung der Investitionen. Dazu gehören die Versicherungsbranche (plus sechs Prozent), die chemische Industrie und Pharmaindustrie (plus acht Prozent) sowie Landesverwaltungen (plus fünf Prozent).

Die öffentliche Hand wird wieder spendabel

Im Softwaresegment zeichnen sich ebenfalls zwei investitionsfreudige Branchen ab. Auch hier nehmen öffentliche Verwaltungen überproportional viel Geld in die Hand. Das Gleiche gilt für Versicherungen (plus zwölf Prozent). Dabei liegen CRM, ECM, E-Procurement sowie Middleware besonders hoch in der Kundengunst.

Etwas zaghafter geht der Mittelstand noch immer an Serviceprojekte heran. Das durchschnittliche Wachstum der Ausgaben liegt in den kommenden zwei Jahren bei etwa vier Prozent, wobei der Betriebssupport für Hardware, Netzwerke, Applikationen und Maintenance den wesentlichen Anteil am Wachstum trägt. Das aktuelle Investitionsvolumen beträgt etwa 3,3 Milliarden Euro.

E-Commerce und Integration sind Chefsache

In zwei von drei Fällen (65 Prozent) schlägt der IT/DV-Leiter den Anbieter oder Dienstleiter für ITK-Projekte vor. Anders als in Großunternehmen ist im Mittelstand der Begriff CIO meistens völlig unbekannt. Die Geschäftsleitung hält sich hingegen relativ zurück (neun Prozent). Allein bei Themen wie E-Commerce (12,1 Prozent) oder gar Integration (19,2 Prozent) zeigen die Geschäftsführer schon in der Planungsphase erhöhtes Interesse. Bei der Budget-Freigabe sind die Rollen wieder klarer verteilt: In neun von zehn Fällen ist der Geschäftsführer die entscheidende Instanz.

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ComputerPartner-Meinung

Der Mittelstand kann seine notwendigen ITK-Investitionen nicht mehr auf die lange Bank schieben. Gefragt ist in der Regel "maßgeschneiderte Konfektionsware von der Stange", also stark an Standards angelehnte Produkte und Services. Dabei spielt interessanterweise der Preis nur eine untergeordnete Rolle. K.o.-Kriterium ist vielmehr die Einhaltung der Kostenvorgaben und des Zeitplans. Hier kann der Fachhandel alle seine Stärken ausspielen. (go)