Studie zum Bezahlverhalten am POS

Jeder zweite Euro wird bargeldlos bezahlt



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie  Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Die "Bargeld-Nation" bewegt sich: Im deutschen Einzelhandel sinken die Umsatzanteile von Bargeld und das Bezahlen per Karte wird immer beliebter - so das Ergebnis einer aktuellen EHI-Studie.
Das bargeldlose Bezahlen am Point of Sale ist weiterhin im Aufwind
Das bargeldlose Bezahlen am Point of Sale ist weiterhin im Aufwind
Foto: NCR

Die EHI-Studie "Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2018" belegt einen Wandel an den deutschen Ladenkassen: Weniger Bargeld, mehr Karte. So konnte der kartengestützte Umsatz in Deutschland nach einem stetigen Wachstum in den vergangenen Jahren auch 2017 ein deutliches Plus um 9,8 Milliarden Euro auf 196,8 Milliarden Euro erzielen. Das entspricht einem Anteil von 46,9 Prozent (Vorjahr 45,6 Prozent) am Gesamtumsatz der Einzelhandelsgeschäfte in Höhe von 420 Mrd. Euro. Bereits im Vorjahr hat sich das Girocard-System der Deutschen Kreditwirtschaft als stärkster Wachstumstreiber des kartengestützten Bezahlens etabliert. Auch 2017 ist der Umsatzanteil der Girocard weiter deutlich gestiegen. Durch ein Umsatzplus von 9,4 Milliarden Euro auf 110,3 Milliarden Euro liegt der Anteil der Girocard bei mehr als einem Viertel (26,3 Prozent). Begünstigt wird der Erfolg des Verfahrens durch den technologischen Fortschritt, der in erster Linie in der Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens liegt. Girocard kontaktlos wird aktuell bereits von mehr als der Hälfte (56,3 Prozent) der Händler akzeptiert. Im Vorjahr waren es erst 7 Prozent der Händler. Bis Ende dieses Jahres werden drei Viertel der großen Handelsunternehmen in Deutschland das kontaktlose Bezahlen eingeführt haben.

Kreditkartenzahlungen haben eine Steigerung um 0,4 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent Umsatzanteil erreicht. Durch die stetige Erhöhung diverser Zusatzgebühren (sog. Card-Scheme-fees) für MasterCard und Visa wird der erreichte Einspareffekt der EU-weiten Interchange-Deckelung allerdings abgeschwächt, wodurch die Akzeptanz von Kreditkartenzahlungen im Handel gehemmt wird. Das Girocard-Verfahren bleibt für die Händler schlichtweg das günstigere Zahlungsmittel. Neben dem Bargeld verliert auch das unterschriftenbasierte SEPA-Lastschriftverfahren weiter Anteile und sinkt um 0,8 Prozentpunkte auf 12,6 Prozent.

Handel zögert beim Umstieg auf Mobile Payment

Die Bereitschaft der Händler für Investitionen in ihre Payment-Infrastruktur ist derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der EHI-Erhebungen zu diesem Thema. Von den großen Handelsunternehmen planen zurzeit nur noch 33,8 Prozent (Vorjahr 47,2 Prozent) zu investieren. Grund für die Zurückhaltung im Handel sind fehlende Perspektiven. So scheinen die Händler auf marktfähige mobile Payment-Lösungen zu warten. Auch Instant Payments wird aufgrund der hohen Sicherheit und Liquidität als Hoffnungsträger gesehen.

Auch wenn der Umsatzanteil der Barzahlungen weiter gesunken ist, heißt dies nicht, dass die Kunden bald nur noch Karten im Geldbeutel mit sich führen. Bargeld bleibt das beliebteste Zahlungsmittel deutscher Kunden. So werden noch 77,2 Prozent der Einkäufe bar bezahlt (Vorjahr 77,9 Prozent). Vor allem bei kleinen Einkaufsbeträgen kommen bevorzugt Münzen und Scheine zum Einsatz. Aus Sicht der befragten Händler wird Bargeld auch in den kommenden fünf Jahren bei Beträgen unter 30 Euro die dominierende Zahlungsart bleiben, auch wenn der Transaktionsanteil sukzessive sinkt. Bei Beträgen über 30 Euro messen die Befragten dem Bargeld für die Zukunft keine größere Bedeutung mehr zu. Stattdessen sehen sie die Girocard, ob kontaktbehaftet, kontaktlos oder mobil, an erster Stelle der dominierenden Zahlungsarten der nächsten Jahre. Für Beträge unter 30 Euro wird die Girocard nach Meinung der Händler zumindest die zweitwichtigste Zahlungsart sein. Daran zeige sich, dass mit dem Girocard-Verfahren hierzulande ein sehr leistungsstarkes nationales Zahlungsmittel zur Verfügung stehe, so die Studienautoren des EHI. (mh)

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