Großbritannien

KI erstmals in Bewerbungsgesprächen eingesetzt



Simon Lohmann ist Volontär bei der IDG Business Media GmbH. Im September 2017 beendete er sein Studium „Medienkommunikation & Journalismus“ an der FHM in Hannover, seit 2015 ist er freier Journalist bei der Macwelt.
Künstliche Intelligenz und auf Gesichtsausdrücke spezialisierte Technologien sollen in Bewerbungsgesprächen unter der Vielzahl an Bewerbern die besten Kandidaten herausfiltern. Die Anbieter dieser Technologien versprechen eine hohe Erfolgsquote, Experten warnen dahingegen vor Diskriminierung.
Foto: Willyam Bradberry - shutterstock.com

Wie "The Telegraph" berichtet, wurden in Großbritannien erstmals Künstliche Intelligenz (KI) und Gesichtsausdruckstechnologie in Bewerbungsgesprächen eingesetzt. Demnach analysierte die KI während der Gespräche über die Handy- oder Laptop-Kamera Sprache, Ton und Mimik der Kandidaten, als ihnen eine Reihe identischer Fragen zum Job gestellt wurden.

"Die Algorithmen wählen die besten Bewerber aus, indem sie ihre Leistungen in den Videos anhand von etwa 25.000 Gesichts- und Sprachinformationen bewerten, die aus früheren Interviews mit Personen zusammengestellt wurden, die sich später als gut am Arbeitsplatz erwiesen haben", berichtet "The Telegraph".

Dem Entwickler dieser Technologie, Hirevue, zufolge können Personaldienstleister mit diesem Verfahren mehr Kandidaten in der Anfangsphase interviewen, anstatt sich nur auf Lebensläufe zu verlassen. Darüber hinaus sei es ein zuverlässigerer und objektiverer Indikator für die zukünftige Leistung ohne menschliche Vorurteile.

Akademiker und Aktivisten warnten jedoch davor, dass jede KI- oder Gesichtserkennungstechnologie unweigerlich Vorurteile in ihren Datenbanken haben würde. Einige Kandidaten, die möglicherweise nicht der Norm entsprechen, könnten somit diskriminiert und talentierte Bewerber ausgeschlossen werden.

Loren Larsen, Chief Technology Officer von Hirevue, erklärte, dass der Fokus bei der Analyse auf dem Gebrauch von Sprache und verbalen Fähigkeiten basiert: "Es gibt 350 verschiedene Aspekte, die wir in der Sprache betrachten: Verwenden die Kandidaten passive oder aktive Wörter? Sprechen sie von "Ich" oder "Wir". Wie verhält es sich bei der Wortwahl oder der Satzlänge?"

Laut Hirevue unterscheidet sich ihre Technik von der klassischen Gesichtserkennung, da sie sich auf Gesichtsausdrücke spezialisieren: "Wir erhalten etwa 25.000 Datenpunkte aus 15 Minuten Video pro Bewerber. Der Text, das Audio- und Videomaterial kommen zusammen und liefern uns eine sehr klare Analyse darüber, wie jemand reagiert, welche Emotionen und Erkenntnisse er durchläuft", so Nathan Mondragon, Chefpsychologe von Hirevue.

Die Kandidaten werden anschließend auf einer Skala von eins bis 100 anhand der Datenbank der Eigenschaften früherer "erfolgreicher" Kandidaten bewertet, dieser Prozess soll demnach nur wenige Tage in Anspruch nehmen. Hirevue behauptet, dass diese Methode Unternehmen zu einem größeren Erfolg verhelfe: Eine Firma soll eine 15-prozentige Umsatzsteigerung erzielt haben.

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