Werkzeuge für Wissensarbeiter

Künstliche Intelligenz für die Arbeit im Büro

Wolfgang Emmer ist Gründer des Content-Marketing-Netzwerks Kontento. Zu seinen Schwerpunkten zählen Inbound Marketing, Online-Lead-Generierung und Social Media. Als IT-Publizist mit soziologischem Hintergrund widmet er sich nicht nur Themen wie Arbeit 4.0 sondern gibt auch Einblicke in die smarte Welt des Internet of Things.
Monotone Fließbandarbeit findet heute auch im Büro statt. Doch digitale Assistenten und moderne Technologien können dem entgegenwirken und den Wissensarbeiter in den Mittelpunkt stellen.

2014 wurde Deutschland Fußballweltmeister. Alle fieberten mit. Doch einer wusste schon vorher, wer gewinnt – Microsofts digitaler Assistent Cortana.

Alles Zufall? Im Gegenteil! Viele Daten aus unterschiedlichen Quellen sinnvoll miteinander verknüpfen – und schon lässt sich in bestimmten Kontexten ziemlich genau prognostizieren, welches Ereignis eintreten wird.

Für Thorsten Hübschen von Microsoft müssen Wissensarbeiter – und nicht die Computer – künftig den Mittelpunkt bilden.
Für Thorsten Hübschen von Microsoft müssen Wissensarbeiter – und nicht die Computer – künftig den Mittelpunkt bilden.
Foto: Microsoft

Im Rahmen der Munich Creative Business Week, die Ende Februar stattfand, gab Thorsten Hübschen, bei Microsoft Deutschland für das Office-Geschäft verantwortlich, unter dem Motto "Was ist gute Arbeit?" einen beeindruckenden Überblick, wie moderne Technologien rund um den Menschen künftig unsere Büroarbeit verändern werden.

"Papier ist unser Fließband"

Digitale Assistenten sind nicht nur im Fußball oder bei Sportwetten lukrativ, nein, die Technologie soll künftig vor allem die Arbeit in Büros verbessern. Und das ist bitter nötig! War es in den Sechziger Jahren noch etwas Besonderes, im Büro und nicht in den rauchigen Fabriken arbeiten zu dürfen, hat sich dieses Blatt mit dem Übergang in die Wissensgesellschaft längst gewendet. Büros sind heute genauso tayloristische Massenfertigungsstätten wie die Fabriken vor hundert Jahren.

"Das Papier ist unser Fließband und viele Büromitarbeiter arbeiten heute entkoppelt von Produkten und Kunden", wie Hübschen feststellt. Das belastet nicht nur viele Büroangestellte, sondern auch den Output am Quartalsende.

Wissensarbeiter, wie sie viele vorausdenkende Unternehmen heute verstehen, sind das wichtigste Asset. Sie sind selbst Produktionsfaktor. Mit einem wichtigen Unterschied zu den Maschinen in Henry Fords Fabriken: Sie lassen sich schwer in KPIs messen.

Hübschen bringt es auf den Punkt: "Wissensarbeiter sind nicht additiv abbildbar. Ein neuer Mitarbeiter im Team ist nie genau einer mehr. Konzepte oder Ideen pro Tag sind kaum operationalisierbar. Vor allem dann nicht, wenn es um soziale, analytische und kommunikative Intelligenz – im Team – geht."

Sehen Sie hier die komplette Videoaufnahme des Vortrags von Thorsten Hübschen:

Der Mensch rückt in den Mittelpunkt

Und genau dieser Aspekt ist für moderne Technologieunternehmen entscheidend. Anstelle graue Büroräume mit Kabel und Desktops vollzustopfen, stehen wir vor einem Wandel. Zunehmend werden neue Bürokonzepte in die Praxis umgesetzt.

Zwar sind die meisten deutschen Unternehmen von Besprechungsräumen in Seilbahnen, wie sie bei Google existieren, noch weit entfernt. Dennoch ermöglichen moderne digitale Technologien, dass der Mensch immer weiter in den Mittelpunkt rückt. Während früher Produktionsmaschinen und -stätten das Zentrum bildeten und sich die Menschen um sie herum ansiedelten – man schaue sich nur die Skyline vieler Städte an –, entsteht heute die Technologie rund um den Menschen. Die Cloud, mobile Endgeräte und moderne Kommunikationsmittel machen Orte heute unwichtiger.

Aber nicht nur die Entgrenzung des festen Arbeitsortes, auch neue Konzepte wie Desk Sharing und begrünte Bürowände gewinnen an Bedeutung. Digitale Assistenten werden den Büroangestellten von morgen laut Hübschen immer mehr unter die Arme greifen. Sie sollen uns Informationen vorsortieren. Denn Unstrukturiertheit und Ungewissheit hemmen erwiesenermaßen unsere Produktivität und belasten die – mentale – Gesundheit.

Und Gesundheit ist nun mal der der zentrale Faktor für die Produktivität von Wissensarbeitern. Wenn beispielsweise bei Arbeitsbeginn der PC zehn Minuten streikt, entspricht das weitaus mehr als zehn Minuten an Arbeitsausfall. Denn unter Umständen verknappt sich die eigene Arbeitsagenda, ein wichtiger Gedanke geht verloren oder was auch immer.

Digitale Assistenz fürs Wesentliche

Bereits jetzt beeinflussen Assistenten wie Cortana, Siri und GoogleNow auf den Smartphones immer mehr unseren Alltag. Sie sollen uns bei kleinen organisatorischen Dingen unterstützten. Das ist jedoch erst der Anfang. In Windows 10 soll Microsofts Assistent Cortana eine zentrale Rolle spielen und zum digitalen Sekretär auf Workstations werden. Auch Apple plant angeblich Siri auf seinen MacBooks und iMacs zu integrieren.

Alles keine neue Idee: Bereits in Office 97 hatte Microsoft einen Assistenten eingeführt: die aufpoppende Büroklammer "Clippy". Zwar rudimentär und wenig hilfreich – was vor allem der damaligen Rechenpower geschuldet war –, aber ein erster Ansatz.

Jetzt, nach 18 Jahren, ist alles anderes. Im Vordergrund steht heute nicht mehr die Frage, was technisch möglich ist, sondern was man aus den technischen Möglichkeiten alles macht. Vor allem wenn es um die mentale Gesundheit von Wissensarbeitern geht, haben digitale, lernfähige Assistenten, großes Potenzial. Sie werden uns künftig den E-Mail-Posteingang sortieren, zeitkritische Aufgaben priorisieren, Nachrichten vorlesen oder blitzschnell via Spracheingabe Informationen ausspucken.

Design schafft Ordnung

Doch auch dem Design kommt eine immer wichtigere Rolle zu. "Minimalismus" heißt das Stichwort. Und auch wenn es Hübschen freilich etwas überspitzt und es vielleicht für manche immer noch ungewöhnlich aus dem Mund eines Microsoft-Managers klingt, wenn er sagt "Werkzeuge für Wissensarbeiter müssen schön sein. Nur dann sind sie nützlich", hat er recht. Ein gewisser Minimalismus schafft Ordnung. Ordnung, die Wissensarbeiter vor der heutigen Informationsflut schützt, Überblick schafft und genau wie digitale Assistenten den Blick fürs Wesentliche stärkt.

Vielleicht resümieren es die Worte des Referenten am treffendsten, wenn er prognostiziert, dass sich diese Entwicklung auch künftig in unserer Sprache manifestieren wird: "Unsere Kinder werden künftig nicht mehr sagen, dass sie einen Computer bedienen. Sie werden sagen, der Computer dient uns". Und das macht doch – solange man das Mitdenken nicht verlernt – Hoffnung. (tö)

Zur Startseite