Exklusiv-Interview

Lenovo-Chef Fauser sieht sich fest im Sattel

29.06.2009
Fauser sieht Lenovo nicht als chinesisches Unternehmen, sondern vielmehr als "Global Player"
Fauser sieht Lenovo nicht als chinesisches Unternehmen, sondern vielmehr als "Global Player"

Sie waren vor Lenovo bei Hewlett-Packard. Wo sehen Sie den Unterschied zwischen einem chinesischen und einem amerikanischen Arbeitgeber?

Fauser: Wir sehen uns bei Lenovo nicht als chinesisches Unternehmen, sondern als Global Player. Die Strukturen sind international besetzt. In mancher Hinsicht sind wir amerikanischer als die Amerikaner.

Kommen wir mal zu Ihrer Fachhandelsausrichtung. Neben dem Vertrieb über Reseller unterhalten Sie auch eine Direktvertriebsschiene. Werden Sie dieses Vertriebsmodell ausbauen?

Fauser: Wir werden den Direktvertrieb nicht forcieren, im Gegenteil. Wir stützen uns auf ein funktionierendes Channel-Modell. Unser vorheriger CEO William Amelio hatte durch seine Dell-Vergangenheit einen größeren Bezug zum Direktvertrieb. Mit seinem Nachfolger Yang Yuanqing steht nun ein Mann an unserer Spitze, der das Fachhandelskonzept mit entwickelt hat. Er ist definitiv ein Channel-Mann. Und nur mit dem Channel können wir in die Breite wachsen. Derzeit werden nur rund zehn Prozent über die direkte Vertriebsschiene abgewickelt. Eine Ausweitung dieses Anteils ist definitiv nicht geplant.

Warum leistet man sich überhaupt noch einen Direktvertrieb?

Fauser: Es gibt Kunden, die direkt mit uns zusammenarbeiten wollen, beispielsweise bei großen strategischen internationalen Accounts. Diesem Bedürfnis wollen wir nachkommen. Aber das wird von uns nicht vorangetrieben.

Im Gegensatz zum Markt im Mutterland China ist Lenovo in Deutschland extrem B2B-getrieben. Wie sieht es aus mit dem Consumer-Segment?

Fauser: Als Lenovo verfügen wir über eine große Produktpalette an Consumer-Produkten, die unter dem Label "Idea" vor allem im asiatischen Markt bekannt sind. Bis heute haben wir auch einige Modelle dieser Produktreihe in Deutschland eingeführt, die wir auch über Partner wie beispielsweise Vodafon und über unseren Fachhandel vertreiben. Auch zukünftig werden wir an dieser Strategie festhalten, und weitere Modelle aus der Idea-Produktreihe über die zur Verfügung stehenden Handelskanäle im Markt positionieren. Trotzdem bleibt Lenovo in Deutschland ein B2B-orientiertes Unternehmen. (awe)