Leserbrief

30.09.1999

Zum Offenen Brief in ComputerPartner 30/99 erreichte uns folgende Zuschrift:

Vielen Dank für Ihre amüsanten und tiefsinnigen Briefe, an deren Veröffentlichung wir uns jedesmal freuen. Bei Ihrem letzten Beitrag "Zahlungsmoral" haben Sie mir und sicherlich auch anderen Fachhändlern aus der Seele geschrieben. Ich möchte, in der Hoffnung, daß Sie das zu einem Ihrer nächsten Themen machen, Sie bei dieser Gelegenheit auf ein weiteres Dilemma unseres Fachhandels hinweisen: Kunden, die nicht zahlen wollen oder können, haben bei der gegenwärtigen Lage der Hard- und Softwarequalität leichtes Spiel. Softwarelizenzbedingungen enthalten genügend Gewährleistungsausschlüsse nach dem Motto: Software ist nicht fehlerfrei.

Wir als Lieferanten für Software und Hardware müssen jedoch "einwandfreie" Arbeit abliefern. Der Kunde braucht, Bill sei Dank, bei nach seiner Ansicht nicht korrekten Installationen aufgrund der Überlastung von Gerichten manchmal erst nach drei Jahren mit einer Entscheidung zu rechnen und vorher nicht zu zahlen (ähnliches kennt man aus der Baubranche).

Was wir uns wünschen, sind wasserdichte und kundenfreundliche Muster-AGBs, die uns nicht im Regen stehen lassen, und Hersteller, die ihre Fehler nicht auf unsere Kosten abwälzen. Ein Beispiel: Vor einer Woche installierten wir einen zirka 9.000 Mark teuern HP-LH3-Netserver. Unter Belastung in einem Testlauf zeigte sich, daß die Netzwerkaktivitäten nicht einwandfrei funktionierten. Die HP-Hotline sagte ohne Scham: Sie müssen sich den aktuellen Treiber aus dem Internet runterladen. Der auf der Installations-CD befindliche Treiber arbeite nicht korrekt. Nun, der mitgelieferte Treiber ergab ein Versionsdatum von August 98, der aus dem Internet von April 99. Muß ein im August 99 gelieferter Server wirklich derart "fehlerbehaftet" sein? Wann gibt es Rückholaktionen von fehlerhafter Soft- und Hardware seitens der Hersteller? Wer bezahlt uns unsere Zeit bei der mühseligen Fehlersuche?

Zum Vergleich: Sie kaufen sich einen nagelneuen Mercedes der S-Klasse. Das Fahrzeug will nicht vernünftig fahren, Sie kommen nur stotternd voran. Völlig entnervt rufen Sie per Handy Ihre Werkstatt an. Sie freuen sich über die hilfreiche Telefonistin, die Ihnen sofort sagen konnte, daß die werksseitigen Zündkerzen Baujahr 98 gegen die aktuellen 99er getauscht werden müssen. Schöne neue Welt - wie Orwell sagte.

Matthias Bieck

Bieck EDV - Systemhaus GmbH per E-Mail

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