Markt für Softwareschutz-Produkte zieht an

20.03.1998

MÜNCHEN Der Wert von Software, angefangen vom einfachen Programm bis zur komplexen Datenbanken, wächst kontinuierlich. Fast noch schneller aber steigen die Schäden, verursacht durch Softwarepiraten und unautorisierte Datenzugriffe. Die Bedeutung von Softwareschutz wurde lange unterschätzt. Nachdem durch die verstärkte Vernetzung und nicht zuletzt durch das Internet die Verluste drastisch zunehmen, steigt die Nachfrage nach leistungsfähigen Schutzmechanismen.Auf etwa 11,2 Milliarden Dollar schätzen Experten die jährlichen Verluste der Software-Industrie durch Raubkopien, Tendenz steigend. Nachdem das Problem lange Zeit unterschätzt wurde, machen Software-Anbieter jetzt mobil.

In Folge kommt Bewegung in den Markt der Produkte für Software- und Zugriffsschutz. In der Vergangenheit ein klassischer Nischenmarkt ohne ernsthafte Konkurrenzsituation, formieren sich die Unternehmen jetzt zum Kampf um Marktanteile. Kooperationen und Fusionen auf der einen Seite, eine Vielzahl neuer Produktentwicklungen und Technologien auf der anderen Seite prägen das Bild.

Nachfrage steigt analog zum Software-Umsatz

Die Münchner Fast Security AG, nach eigenen Angaben

Marktführer in Europa und Nummer 2 auf dem Weltmarkt, fusionierte 1996 mit dem israelischen Unternehmen Aladdin Knowledge Systems Ltd., dem drittgrößten Anbieter weltweit. Durch den Zukauf des US-Unternehmens Glenco Inc. wurde die Marktposition der Gesellschaft weiter ausgebaut. Seit Januar 1998 tritt der Firmenzusammenschluß jetzt unter einem einheitlichen Erscheinungsbild, der Aladdin Knowledge System auf.

"Die Verschmelzung zweier Weltmarktführer im Bereich Software-Kopierschutz birgt ein enormes Potential an Synergien.

Durch die Zusammenlegung und den Austausch von Ressourcen, gerade im Bereich Forschung und Entwicklung, haben wir eine hervorragende Ausgangsposition geschaffen, unsere weltweit führende Stellung weiter auszubauen", begründet Yanki Margalit, CEO der Knowledge Systems Ltd., seine Strategie. Zwar immer noch die Nummer 2 weltweit, aber mit einer gefestigten Position, bedient das Unternehmen nach eigenen Angaben über fünf internationale Niederlassungen mehr als 50 Distributoren und 25.000 Kunden.

Das ein stetig steigendes Interesse an Software-Kopierschutz Produkten zuverzeichnen ist, läßt sich nach Margalits Worten anhand der Umsatzzahlen anschaulich belegen. Mit 34 Millionen Dollar lag das Unternehmensergebnis 1997 um 19 Prozent über dem Vorjahr. "Es gibt eine kontinuierlich steigende Nachfrage, vor allem in Nordamerika und in den größeren Schwellenländern, in denen der Software-Umsatz schnell wächst und Raubkopien überhand nehmen", so der Unternehmens-Chef.

Plug and Protect

Früher wurden in erster Linie ASIC-basierende "Dongles" eingesetzt, die durch das Aufstecken auf den Parallelport eines Rechners durch integrierte Verschlüsselungs- und Anti-Debugging-Algorithmen ein hohes Maß an Software-Kopierschutz boten. Heute ist das Produktspektrum wesentlich vielfältiger. Ursache sind die gestiegenen Anforderungen durch neue Einsatzgebiete wie Electronic Software Distribution, Electronic Commerce oder die Zugangskontrolle zum Internet.

Neben neuen komfortablen und sehr kompakten Hardlock-Lösungen für den Universal Serial Bus (USB), werden verstärkt softwarebasierende Verschlüsselungstechnologien angeboten. Sie ermöglichen beispielsweise Softwareentwicklern und -anwendern, den korrekten und lizenzierten Gebrauch von Netzwerksoftware zu kontrollieren. Darüber hinaus können sie als Plattform für Electronic Software Distribution (ESD), der Vermarktung von Software via Internet, dienen.

Chipkarten gewinnen an Bedeutung

Eine, im wahrsten Sinne des Wortes, Schlüsselrolle in zukünftigen Sicherheitskonzepten, werden Chipkarten einnehmen. Glaubt man den Prognosen der Marktforscher, werden im Jahr 2000 weltweit zwei Milliarden Chipkarten im Einsatz sein.

Die Anwendungsgebiete reichen von der Zugangskontrolle, Authentisierung und Verschlüsselung bis hin zum elektronischen Zahlungsverkehr und zur Zeiterfassung.

Für die Nutzung in PC-Umgebungen sollen Chipkarten ein unabhängiges, virensicheres System garantieren. Sie können sowohl zur eindeutigen Identifizierung als auch zur sicheren Aufbewahrung von Software-Schlüsseln oder kritischen Daten eingesetzt werden. Mit PC-basierenden Entwicklungssystemen für Chipkarten-Anwendungen werden Softwareentwickler heute in die Lage versetzt, kundenspezifische Chipkarten-Lösungen zu realisieren.

Noch kein Massenmarkt

Derzeit ist der Vertrieb von Software- und Zugriffsschutz-Produkten nach der Einschätzung von Robert Schweinberg, Vertriebsleiter der deutschen Niederlassung der Aladdin Knowledge Systems Ltd., noch nicht für den Fachhandelskanal geeignet. Eine Änderung der Vertriebsstrategie und die Einbeziehung klassischer Distributionskanäle mag Schweinberg bei anhaltenden Wachstumsraten allerdings nicht ausschließen. Auf etwa 4.000 Firmen beziffert er die aktuelle Kundenbasis im deutschsprachigen Raum, die größtenteils direkt, im Rahmen von Projekten auch gemeinsam mit Systemhäusern, von der Aladdin Knowledge Deutschland GmbH betreut wird. Neben Softwareentwicklern und Softwarehäusern zählen auch große Konzerne wie Datev, Siemens, Ericsson, Telekom sowie eine Reihe großer Banken und Versicherungsunternehmen zum Kundenkreis. (sd)

Hardlock Twin: Dongles bieten Software-Kopierschutz für alle gängigen Plattformen und Betriebssystemumgebungen.

Mit dem USB-HASP präsentiert Aladdin einen Dongle für die

USB-Schnittstelle.

Aladdin-Chef Margalit: "Der Zusammenschluß eines deutschen und

eines israelischen Unternehmens ist auch in der heutigen Zeit kein

einfaches Unterfangen."

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