Interview mit Walter Steffens von Rednet

Mittler zwischen Hersteller und Schule

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Rednet gehört zu den bundesweit führenden Systemhäusern im Bildungssektor. Walter Steffens, Mitglieder der Geschäftsleitung beim Mainzer Education-Spezialisten, erklärt, auf was es im Geschäft mit Bildungseinrichtungen ankommt.

channelpartner.de: Herr Steffens, Was versprechen Sie sich vom DigitalPakt Schule?

Walter Steffens, Rednet: Der DigitalPakt bildet die Grundlage für die zukünftige digitale Infrastruktur bei den deutschen Bildungseinrichtungen. Deshalb versprechen wir uns durch die Fördermaßnahmen eine Initialzündung, so dass auf breiter Front nicht nur digitale Medien Einzug in Klassenzimmer und Unterrichtsräume halten, sondern ebenfalls Verwaltungen im Schulbereich den richtigen Schritt in die Digitalisierung machen können. Dieser Weg ist für die Bildungseinrichtungen in Deutschland enorm wichtig, um im internationalen Vergleich nicht den Anschluss zu verlieren. Für uns als IT-Systemhaus mit langjähriger Erfahrung, spezialisiert auf die Ausstattung von Schulen, können wir beim DigitalPakt einen wichtigen Beitrag leisten. Als erfahrener und kompetenter Partner unterstützen wir Bildungseinrichtungen, IT-Infrastruktur pädagogisch sinnvoll und technologisch nachhaltig für die Zukunft bereitzustellen.

„Nicht alle Schulen sind in Sachen Digitalisierung auf einem guten Weg“, Walter Steffens, Mitglieder der Geschäftsleitung bei der Rednet AG.
„Nicht alle Schulen sind in Sachen Digitalisierung auf einem guten Weg“, Walter Steffens, Mitglieder der Geschäftsleitung bei der Rednet AG.
Foto: Rednet

channelpartner.de: Mit welchen Hindernissen rechnen Sie?

Walter Steffens: Grundsätzlich sehen wir erst einmal eher Chancen als Hindernisse für die Bildungslandschaft in Deutschland. Allerdings bemerken wir bei unseren Kunden noch viel Unsicherheit über den detaillierten Ablauf der Fördermaßnahmen und den nachhaltigen und sinnvollen Einsatz der Mittel. Durch die hohe Komplexität des DigitalPaktes - gerade unter dem Aspekt der Förderfähigkeit bestimmter Dienstleistungen oder Produkte - kommen bei vielen Kommunen, Schulträgern und Schulen zahlreiche Fragen auf: Wie setze ich die IT sinnvoll ein? Sind wir für die Zukunft mit der Technologie nachhaltig ausgerichtet? Kann der dauerhafte Betrieb der IT sichergestellt werden? Mit Blick auf die Umsetzung unterstützt Rednet als Service-Partner für den DigitalPakt die Bildungseinrichtungen. Wir leisten nicht nur Hilfe bei der Auswahl der geeigneten IT-Infrastruktur und deren Implementierung, sondern helfen auch bei der Anwendung und deren Betrieb sowie bei der Beantragung von Fördermitteln durch die Erstellung nachhaltiger Medienkonzepte.

channelpartner.de: Welche Aufgaben auf Schulseite sind Ihrer Ansicht nach am dringlichsten, um die Bildungseinrichtungen fit für das digitale Zeitalter zu machen?

Walter Steffens: Mit dem Einzug der Digitalisierung verändern sich im Bildungsbereich vor allem das Lehren und Lernen. Lernräume erhalten durch den Einsatz von Medien wie Tablets oder interaktiver Tafelsysteme neue Funktionen und Möglichkeiten, erfordern aber auch andere pädagogische Ansätze und geben den Lehrenden und den Lernenden eine neue Form der Interaktion. Um die digitalen Medien im Unterricht bestmöglich zu nutzen, sind sinnvolle und vor allem nachhaltige Konzepte erforderlich, die die Technologie perfekt einbindet und zukunftssicher gestaltet. Allein die Anschaffung einer IT-Infrastruktur reicht nicht aus, um Lehren und Lernen zu verbessern. Hier gilt es mit einem passgenauen Medienentwicklungskonzept den technologischen Bedarf zu skizzieren und mit der pädagogischen Ausrichtung zu synchronisieren. Darüber hinaus sollte aber auch ein großer Fokus auf die Beteiligten gelegt werden, die Inhalte mit den Medien vermitteln sollen: Die Lehrerschaft. Hier helfen unsere erfahrenen Medienpädagogen mit Workshops und Fortbildungen dem Lehrerkollegium.

channelpartner.de: Was müssen die Schulen leisten, um am Topf im Rahmen des Bildungspakts partizipieren zu können?

Walter Steffens: Voraussetzung für eine Beantragung von Mitteln aus dem DigitalPakt - so der Stand heute - ist ein sogenanntes technisch-pädagogisches Konzept der Schulen, beispielsweise ein Medienentwicklungsplan. Hier legen die Länder entsprechende Vorgaben fest. Mit den Konzepten - kurz gesagt der digitalen Roadmap - sollen die Schulen sicherstellen, dass passende pädagogische Konzepte den Aufbau der digitalen Lerninfrastruktur begleiten. Dabei hat - wie eben bereits schon erwähnt - eine adäquate Qualifizierung der Lehrkräfte durch Fortbildungen einen hohen Stellenwert.

channelpartner.de: Wie können Sie als Systemhaus Schulen unterstützen?

Walter Steffens: Wir haben langjährige Erfahrung und sind seit über 10 Jahren im Schulbereich als spezialisierter IT-Ausstatter unterwegs. Durch unser Know-how und unseren ganzheitlichen Ansatz bieten wir Bildungseinrichtungen einen umfassenden Support an. Wir können zum Beispiel Schulen nicht nur herstellerunabhängig beraten, IT-Infrastruktur passgenau installieren und für unsere Kunden betreiben, sondern haben durch unsere Experten aus der Abteilung Bildungsmanagement und Schulentwicklung auch die Möglichkeit, zielgerichtet und individuell Medienkonzepte anzufertigen und umzusetzen. Durch unsere hauseigenen und spezialisierten Medienpädagogen sind wir nach dem RollOut der Infrastruktur auch in der Lage Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit den neuen Medien zu schulen, denn: Lehrer sollen keine IT-Spezialisten werden, sondern durch die Digitalisierung die Chance bekommen ihren Unterricht neu auszurichten, Inhalte spannender und lehrreicher zu gestalten und am Ende natürlich auch zeitsparender und effektiver zu agieren.

channelpartner.de: Welche Voraussetzungen muss ein Systemhaus mitbringen, um seriös und erfolgreich im Bildungssektor Produkte und Lösungen anbieten zu können?

Walter Steffens: Viele unserer Wettbewerber, die bisher noch keinen Fokus auf den Schulbereich gelegt haben, wollen nun wirtschaftlich am DigitalPakt partizipieren. Doch man muss wissen, dass es ein kleinteiliges Geschäft ist, das ein umfangreiches Wissen voraussetzt. Neben der Erfahrung im Bildungssektor sollte vor allem großes pädagogisches Verständnis die Basis sein. Gerade bei der Beratung und der anschließenden Umsetzung geeigneter Technologie ist diese Transferleistung immens wichtig. Durch unsere langjährige Erfahrung im Bereich Schule haben wir genau dieses Verständnis, dass IT nur Hand in Hand gemeinsam mit der Pädagogik sinnvoll ungesetzt werden kann. Dies zeigt sich bei unserem ausschließlich auf den Bildungsbereich spezialisiertem Schul-Team: Unsere Consultants wie auch unsere Vertriebskollegen oder unsere Medienpädagogen kennen die diversen Anforderungen und sind täglich in der Lage individuell angepasste IT-Lösungen für Schulen anzubieten und umzusetzen.

channelpartner.de: Welche Unterstützung erwarten Sie von Herstellerseite und wo gibt es Ihrer Meinung nach auf Herstellerseite noch Defizite?

Walter Steffens: Nur wenige Hersteller sind spezialisiert auf den Bereich Schule oder können ein entsprechendes Ökosystem hierzu anbieten. Das gilt unter anderem auch für die großen Hardware-Hersteller. Wir als Rednet sehen es als unsere Aufgabe, Mittler zwischen Hersteller und Schule zu sein. Mit unserem Verständnis und unserer Erfahrung sind wir in der Lage ein zugeschnittenes Ökosystem gemeinsam mit den Herstellern aufzubauen, dass auf die Bedürfnisse von Bildungseinrichtungen passgenau zugeschnitten ist.

channelpartner.de: Mit dem Bildungspakt wurde nun eine Initiative angestoßen. Besteht dabei aber nicht die Gefahr, dass dies nur ein Strohfeuer ist? Was muss getan werden, dass Investitionen in die digitale Bildung nachhaltig sind?

Walter Steffens: Sie haben Recht. Obwohl das milliardenschwere Förderprogramm DigitalPakt auf den Weg gebracht worden ist, kann man aus unserer Sicht hier nur von einer Basis für die Digitalisierung des Bildungssektors sprechen. Grundlegend muss man festhalten, dass nicht alle Schulen in Sachen Digitalisierung schon auf einem guten Weg sind. Während in einigen Einrichtungen schon ganze Klassen mit Tablets im Unterricht arbeiten, haben andere Schulen nicht mal eine ausreichende Internetversorgung. Um nachhaltige und zukunftsfähige Technologie flächendeckend in der Schullandschaft zu integrieren und damit auch digitale Lerninhalte im Unterricht dauerhaft zu gewährleisten, ist die Politik aufgefordert das initiierte Programm gemeinsam mit den Ländern weiterzuverfolgen, zu bewerten und bei Bedarf auch erneut aufzulegen.

Lesen Sie auch: Interaktive Whiteboards - Wie die Tafel digital wurde

Zur Startseite