Mobilcom-Stütze macht Systemhaus-Chef zum Satiriker

18.09.2002
Die Mobilcom-Hilfe der Bundesregierung stößt in weiten Teilen der Wirtschaft auf Kritik. Die Bundesregierung plant, dem angeschlagenen Mobilfunk-Unternehmen mit Krediten staatseigener Banken in Höhe von 400 Millionen Euro unter die Arme zu greifen. Dazu erreichte uns gestern Nachmittag ein Fax von Christian Töns, Geschäftsführer des Systemhauses ComChat KG in Zweibrücken, das wir aufgrund seines satirischen Charakters unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Hier der Wortlaut des Textes: Sehr geehrter Herr Müller Hiermit beantragen wir aus dem gleichen Haushaltstitel wie die Moilcom AG eine 100-prozentige Ausfallbürgschaft in Höhe von 72.727,20 Euro pro Arbeitsplatz. Wir sind ein im Kern gesundes Technologieunternehmen mit über 20 Mitarbeitern in einem strukturschwachen Gebiet, dessen Liquiditätsengpässe durch überproportionales Wachstum bisher von den Unternehmensgründern mit Eigenmitteln unter erheblichen persönlichen Risiken sowie einer engagierten Hausbank gedeckt wurden. Angesichts der unbürokratischen neuen Hilfsmöglichkeiten des Staates möchten wir noch vor der Bundestagswahl die Chance ergreifen, unser Fortbestehen für die Zukunft abschließend zu sichern (Basel II). Gerne stehe ich Ihnen bis Sonntag, den 22.09.2002 (täglich ab 21.00 Uhr, davor muss ich arbeiten) zu einer "Krisensitzung" zur Verfügung, ein Achtel der uns zustehenden Summe (ca. 181818,00 Euro) erwarten wir allerdings bis zum 20.09.2002 auf unserem Konto 92033007, Bank1Saar St. Ingbert, BLZ 95190000. Im Gegensatz zur Mobilcom kann ich Ihnen sogar nicht nur die Sicherung bestehender Arbeitsplätze für sechs Monate zusichern, sondern sogar einen Ausbau ebenjener und zwar auf Dauer. Dies sollte Ihnen die kurzfristige Entscheidung noch leichter machen, ist sie doch ökonomisch und arbeitsmarktpolitisch noch sinnvoller. Von der Außenwirkung ganz zu schweigen. Mit Holzmann begann es und spätestens mit Mobilcom ist das Konzept klar: In Deutschland lohnt sich Arbeit wieder! Unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg wird einfach Arbeit an sich wieder honoriert. Endlich werden nicht die (Erfolg-) Reichen belohnt, sondern die (Ertrags-) Schwachen unterstützt. Wir haben verstanden. Da mein Partner und ich bisher leider relativ erfolgreich sind und in der Vergangenheit zur Sicherung der Arbeitsplätze und des Unternehmens trotzdem ein eher bescheidenes Leben führten, sind wir trotz entgegenstehender persönlicher Einstellungen bereit, unser Gehalt entsprechend zu erhöhen, sowie die wohl üblichen Abfindungsklauseln zu integrieren. Auch gegenüber den bekannten Statussymbolen sind wir aufgeschlossen und flexibel. Auch unsere Mitarbeiter sind bereit, ihren Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld zu beenden und ihre erste Lohnerhöhung seit Gründung des Unternehmens (1998) hinzunehmen. Somit werden wir wohl die neuen Förderungskriterien erfüllen (Ausgaben > Einnahmen). Ggf. hätten auch wir die Möglichkeit, absprungbereite Investoren zu bieten. Bzgl. unsere bisherigen Erfolges sind wir wohl schuldig, den Niedergang könnten wir aber sicherlich unschuldig gestalten. Wie innovativ und vorausschauend wir arbeiten, können Sie allein schon daran erkennen, dass wir schon vor vier Wochen beschlossen haben, unser Firmengebäude in St. Ingbert von einer Fläche von ca. 400 Quadratmetern auf über 800 Quadratmeter, ab dem 01.12.02, zu erhöhen. Ein weiterer Grund, auch uns so unbürokratisch schnell finanziell zu unterstützen. Trotz eines schwachen Marktumfeldes waren wir immerhin bereit, in die Zukunft zu investieren. Im Nachhinein ein weiser Entschluss, sind wir durch Ihre einschneidenden Förderhilfen doch endlich auch von jeglichem persönlichen Risiko frei geworden, und müssen uns endlich ein unseren Träumen angemessenes Gehalt zahlen. Hochachtungsvoll Christian Töns  (sic)

Die Mobilcom-Hilfe der Bundesregierung stößt in weiten Teilen der Wirtschaft auf Kritik. Die Bundesregierung plant, dem angeschlagenen Mobilfunk-Unternehmen mit Krediten staatseigener Banken in Höhe von 400 Millionen Euro unter die Arme zu greifen. Dazu erreichte uns gestern Nachmittag ein Fax von Christian Töns, Geschäftsführer des Systemhauses ComChat KG in Zweibrücken, das wir aufgrund seines satirischen Charakters unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Hier der Wortlaut des Textes: Sehr geehrter Herr Müller Hiermit beantragen wir aus dem gleichen Haushaltstitel wie die Moilcom AG eine 100-prozentige Ausfallbürgschaft in Höhe von 72.727,20 Euro pro Arbeitsplatz. Wir sind ein im Kern gesundes Technologieunternehmen mit über 20 Mitarbeitern in einem strukturschwachen Gebiet, dessen Liquiditätsengpässe durch überproportionales Wachstum bisher von den Unternehmensgründern mit Eigenmitteln unter erheblichen persönlichen Risiken sowie einer engagierten Hausbank gedeckt wurden. Angesichts der unbürokratischen neuen Hilfsmöglichkeiten des Staates möchten wir noch vor der Bundestagswahl die Chance ergreifen, unser Fortbestehen für die Zukunft abschließend zu sichern (Basel II). Gerne stehe ich Ihnen bis Sonntag, den 22.09.2002 (täglich ab 21.00 Uhr, davor muss ich arbeiten) zu einer "Krisensitzung" zur Verfügung, ein Achtel der uns zustehenden Summe (ca. 181818,00 Euro) erwarten wir allerdings bis zum 20.09.2002 auf unserem Konto 92033007, Bank1Saar St. Ingbert, BLZ 95190000. Im Gegensatz zur Mobilcom kann ich Ihnen sogar nicht nur die Sicherung bestehender Arbeitsplätze für sechs Monate zusichern, sondern sogar einen Ausbau ebenjener und zwar auf Dauer. Dies sollte Ihnen die kurzfristige Entscheidung noch leichter machen, ist sie doch ökonomisch und arbeitsmarktpolitisch noch sinnvoller. Von der Außenwirkung ganz zu schweigen. Mit Holzmann begann es und spätestens mit Mobilcom ist das Konzept klar: In Deutschland lohnt sich Arbeit wieder! Unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg wird einfach Arbeit an sich wieder honoriert. Endlich werden nicht die (Erfolg-) Reichen belohnt, sondern die (Ertrags-) Schwachen unterstützt. Wir haben verstanden. Da mein Partner und ich bisher leider relativ erfolgreich sind und in der Vergangenheit zur Sicherung der Arbeitsplätze und des Unternehmens trotzdem ein eher bescheidenes Leben führten, sind wir trotz entgegenstehender persönlicher Einstellungen bereit, unser Gehalt entsprechend zu erhöhen, sowie die wohl üblichen Abfindungsklauseln zu integrieren. Auch gegenüber den bekannten Statussymbolen sind wir aufgeschlossen und flexibel. Auch unsere Mitarbeiter sind bereit, ihren Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld zu beenden und ihre erste Lohnerhöhung seit Gründung des Unternehmens (1998) hinzunehmen. Somit werden wir wohl die neuen Förderungskriterien erfüllen (Ausgaben > Einnahmen). Ggf. hätten auch wir die Möglichkeit, absprungbereite Investoren zu bieten. Bzgl. unsere bisherigen Erfolges sind wir wohl schuldig, den Niedergang könnten wir aber sicherlich unschuldig gestalten. Wie innovativ und vorausschauend wir arbeiten, können Sie allein schon daran erkennen, dass wir schon vor vier Wochen beschlossen haben, unser Firmengebäude in St. Ingbert von einer Fläche von ca. 400 Quadratmetern auf über 800 Quadratmeter, ab dem 01.12.02, zu erhöhen. Ein weiterer Grund, auch uns so unbürokratisch schnell finanziell zu unterstützen. Trotz eines schwachen Marktumfeldes waren wir immerhin bereit, in die Zukunft zu investieren. Im Nachhinein ein weiser Entschluss, sind wir durch Ihre einschneidenden Förderhilfen doch endlich auch von jeglichem persönlichen Risiko frei geworden, und müssen uns endlich ein unseren Träumen angemessenes Gehalt zahlen. Hochachtungsvoll Christian Töns  (sic)

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