Bring Your Own Device (Byod)

Mobility und Cloud beflügeln Desktop-Virtualisierung

22.06.2012

Rückenwind durch Consumerization & BYOD?

Mobile Endgeräte, ob Smartphone oder Tablets, mit unterschiedlichen Betriebssystemen, halten bereits heute Einzug in die Firmen-IT und werden die künftige Infrastruktur grundlegend prägen, darin sind sich alle Experten einig. Bei der Frage, ob dieser Trend der Virtualisierung generell und der Client- und Desktop-Virtualisierung speziell Vorschub leisten könnten, gehen die Meinungen auseinander.

Es gebe dazu noch zu wenig belastbare Erfahrungswerte, erklärt Schweitzer. Aktuell habe der Einsatz mobiler Geräte noch keinen Einfluss auf die Virtualisierungsstrategie, stimmt ihm Thomas Reichenberger von ACP zu und ist sich darin mit den meisten Befragten einig. Allerdings könnte sich das in den nächsten Jahren ändern.

"Desktop- und Anwendungsvirtualisierung ist oft der schnellste Weg, eine Unternehmensanwendung auf das jeweilige Endgerät zu bringen - ohne die Daten lokal vorhalten zu müssen", so Martin Drissner, Brandleader Virtualization Solutions / System-Integration bei Fritz & Macziol. "Zwar ist die Benutzerfreundlichkeit noch eingeschränkt, da die meisten Anwendungen noch nicht speziell dafür angepasst sind, aber genau das ist ja eine der Hauptanforderungen an ByoD-Modelle."

Goldbrunner sieht das ähnlich: Die Desktop-Virtualisierung ermöglicht es, dass jeder Mitarbeiter von überall aus auf seine gewohnte produktive Arbeitsumgebung zugreifen kann. Jedoch sind mit virtuellen Desktops Betriebssystem und Endgerät vollständig entkoppelt, sodass mobile Devices kein allzu großes Sicherheitsrisiko darstellen."

Die Client-Virtualisierung werde künftig auf jeden Fall ein Thema sein. Diese Einschätzung Sahms teilen viele Experten, aber nicht alle: "Cloud-basierte Anwendungen werden nach Abschluss des Normierungsprozesses immer mehr Möglichkeiten und Schnittstellen eröffnen, die eine Virtualisierung des Clients überflüssig machen", meint Gerald Hahn, Vorstandsvorsitzender bei der Softshell AG.

Inventur beim Endanwender

Laut einer Studie von Forrester Research vom Februar 2012 nutzen 52 Prozent aller "Information Worker" drei oder mehr Geräte, 60 Prozent setzen sie sowohl für den geschäftlichen als auch für den privaten Gebrauch ein - dazu gehören ein Drittel nicht-Microsoft-basierte Systeme sowie ein Viertel mobile Endgeräte.

Folgen für die Partner

Vertriebspartner müssen sich hier Spezialwissen aneignen, darin sind sich alle Channel-Beteiligten einig. Zudem wird sich ihre Rolle ändern: "Consumerization und ByoD-Programme bedeuten ganz konkret, dass Unternehmen möglicherweise keine großen Hardwareposten mehr abnehmen. Auch das Geschäft mit Softwarelizenzen steht im Cloud-Zeitalter unter Druck", mahnt Goldbrunner.
Es werde verstärkt darum gehen, Services zu entwickeln und anzubieten - in Form gehosteter Anwendungen, als Support oder auf andere Weise. Vertriebspartner sollten deshalb ihre Geschäftsmodelle kritisch überdenken. Auch Gerald Hahn schätzt, dass "selbst lokale virtualisierte Umgebungen anfangs mit Cloud-Services zusammen angeboten, später jedoch durch diese abgelöst werden. Das Stichwort der Zukunft lautet Services."

Auf Partner würden ein Wildwuchs an Hard- und Software und eine unüberschaubarer werdende Vielzahl unterschiedlichster User-Anforderungen und Wünsche zukommen, prognostiziert Lichers. Obendrein liefen Partner Gefahr, zu austauschbaren Brokern zu werden.
Wie groß diese Gefahr letztlich ist, hängt allerdings vom eigenen Geschäftsmodell des Systemhauses ab. (rb)

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