André Schindler, General Manager EMEA bei NinjaOne

MSP sollten Cybersicherheit und ganzheitliches IT Management zusammen denken

22.04.2024
Von Redaktion ChannelPartner
Anzeige  Im Interview mit ChannelPartner gibt André Schindler, General Manager EMEA bei NinjaOne, Einblick in die Wachstumspläne des Unternehmens, zeigt Perspektiven für MSPs durch NIS2 auf und erklärt, was es mit dem "Jahrzehnt des Endpunkts" auf sich hat.
"Von NIS2 werden die MSPs am meisten profitieren, die bei ihren eigenen Cybersicherheitsmaßnahmen am solidesten aufgestellt sind", sagt André Schindler, General Manager EMEA bei NinjaOne.
"Von NIS2 werden die MSPs am meisten profitieren, die bei ihren eigenen Cybersicherheitsmaßnahmen am solidesten aufgestellt sind", sagt André Schindler, General Manager EMEA bei NinjaOne.
Foto: NinjaOne

ChannelPartner.de: Im Dezember verpflichtete NinjaOne mit Hila Nir und Gerhard Watzinger zwei in den USA sehr bekannte Persönlichkeiten für sein Board of Directors. Forbes sprach von einem "strategischen Schritt in Richtung Hyperwachstum". Auf Deutschland runtergebrochen heißt das sicher: große Ambitionen. Wie groß sind die denn?

André Schindler: Der Beitritt von Hila und Gerhard zum Vorstand hat das Wachstum von NinjaOne unterstützt. Wir haben bereits ein Wachstum unserer jährlich wiederkehrenden Einnahmen um 70 Prozent im letzten Jahr verzeichnet und eine Bewertung von 1,9 Milliarden Dollar im Rahmen der Finanzierungsrunde unter der Leitung von ICONIQ Growth erreicht.

Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Wachstum in Deutschland nachhaltig gestalten können: Wir befinden uns im Jahrzehnt des Endpunkts, angeführt von immer mehr Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die sich für Fernarbeit und hybride Arbeitsmodelle entscheiden. Die Marktmöglichkeiten sind enorm. Wir vervierfachen unseren Einsatz im Kundensupport und investieren massiv in Plattform- und Produktinnovationen, um mehr Anwendungsfälle zu lösen und zu automatisieren, und um sicherzustellen, dass das Unternehmen skalieren kann, um den Bedürfnissen unserer Kunden gerecht zu werden.

Wie werden diese Ambitionen mit Personal, Distribution und Partnern und vielleicht Ausbau dieser Ressourcen unterstützt?

Schindler: Erst kürzlich haben wir 231,5 Millionen Dollar in einer von ICONIQ Growth geleiteten Finanzierungsrunde gesichert. Das stärkt unsere Ambitionen, die nicht nur auf einer fokussierten Strategie beruhen, sondern auch auf dem Vertrauen unserer Investoren und Führungskräfte. Wir sind zuversichtlich, dass wir diesen Ressourcenzufluss nutzen können, um unser Team, unsere Partner und Innovationen auf das Wachstum auszurichten, das unseren Kunden am besten dient.

Wie immer auch das Umsetzungsgesetz im Detail aussehen wird - eins ist klar: NIS2 kommt und damit kommen auch für viele Firmen strengere Pflichten beim Patch Management. Der Bereich ist ja auch eine wichtige Komponente von NinjaOne. Sehen sie da bereits jetzt verstärktes Interesse? Oder wie könnten MSPs den Aspekt nutzen, um neue Kunden zu adressieren?

Schindler: Wir haben als Hersteller einer automatisierten Endpunkt-Management-Plattform in jedem Fall ein steigendes Interesse bei unseren Gesprächspartnern am Thema NIS2 registriert. Eine Lösung wie NinjaOne ist sicherlich eine große Hilfe bei technischen Fragen rund um die Anforderungen an Cybersicherheitsmaßnahmen der NIS2-Richtlinie. Da spielt auch das Patch Management unter anderem eine wichtige Rolle.

Die Firma NinjaOne ist als SaaS-Plattform für MSPs gestartet und von daher haben wir auch viel Erfahrung in dieser Branche. Wir sind davon überzeugt, dass die Nachfrage nach Managed Services zunehmen wird. Der Kreis der regulierten Einrichtungen wird durch die NIS2-Richtlinie stark erweitert. Aus unserer Erfahrung gehören viele Unternehmen und Einrichtungen der öffentlichen Hand ohnehin schon zu der typischen Kundschaft von MSPs. Sowohl Stadtwerke, Einrichtungen der städtischen oder kommunalen Verwaltung und Daseinsvorsorge können schnell nach den neuen Kriterien von NIS2 betroffen sein. In Zeiten des allgemeinen Fachkräftemangels werden sich für gut aufgestellte MSPs aus unserer Sicht viele Chancen ergeben.

NIS2 wird ja auch für viele - wenn nicht gar alle - MSPs neue Aufgaben und Pflichten bringen. Wie sehen Sie das und was empfehlen Sie?

Schindler: Nach unserer Auffassung werden die MSPs am meisten von NIS2 profitieren, die bei ihren eigenen Cybersicherheitsmaßnahem am solidesten aufgestellt sind. Ab 50 und mehr Mitarbeitern und mehr als 10 Millionen Euro Jahresumsatz sind MSPs als "wichtige Einrichtungen" laut NIS2 direkt betroffen. Aber auch alle kleineren MSPs werden sich mit NIS2 und Compliance beschäftigen müssen, wenn sie das noch nicht tun. Denn NIS2 sieht auch eine Sicherung der Lieferkette vor.

Dementsprechend werden alle Kunden und potenziellen Kunden bei ihren Dienstleistern genauer hinsehen müssen. Von daher haben Sie Recht, dass im Prinzip alle MSPs direkt oder indirekt von NIS2 betroffen sein werden. Wir denken, dass es wichtig sein wird, die Cybersicherheit und das ganzheitliche IT Management mit Patching, Automatisierung und Inventarisierung zusammen zu denken.

Hier kann man viel Synergie erreichen und die Effizienz im IT-Betrieb steigern, wodurch auch die Cyberresilienz von Unternehmen verbessert wird. Des weiteren empfehlen wir unseren Kunden auf Lösungen im Bereich Endpoint Detection und Response zurückzugreifen, um eine bestmögliche Erkennung von Zero-Day-Bedrohungen zu gewährleisten. Signaturbasierte Antivirenlösungen sind in sensiblen Unternehmen nicht mehr ausreichend.

Des Weiteren gibt es eine interessante öffentliche Aussage des Leiters der für NIS2 zuständigen Abteilung der europäischen Cybersicherheitsagentur ENISA, Dr. Marnix Dekker, die man als Faustregel befolgen kann. Wer ISO270001 zertifiziert ist, deckt bereits 70 Prozent der Anforderungen von NIS2 ab. Daher können Unternehmen, die voraussichtlich von NIS2 betroffen sein werden, mit der ISO-Zertifizierung beginnen. Dann sind sie bereits auf einem sehr guten Weg.

Beim Endpunkt-Management wird Automatisierung immer wichtiger. Was bietet NinjaOne da bisher, welche Pläne gibt es und welche Rolle spielt da KI - jetzt und künftig?

Schindler: Insbesondere seit der Pandemie haben sich Remote-Arbeit und hybride Arbeitsmodelle rasant verbreitet. Aus diesem Grund ist ein effizientes Endpunktmanagement extrem wichtig für Effizienz und Sicherheit in modernen Unternehmen. NinjaOne fokussiert sich erstmal darauf seinen Kunden ein wirklich umfassendes, modernes und intuitives Endpunktmanagement anzubieten, das platformunabhängig alle Gerätetypen von der Workstation, über Server, mobile Endgeräte und Netzwerkgeräte alles gleichwertig abdeckt.

KI bietet kurzfristig den größten Gewinn im Ticketing und Helpdesk aus unserer Sicht. Aber auch KI-generierte Lösungsvorschläge im Troubleshooting sind ein spannendes Anwendungsgebiet. Aktuell möchten wir öffentlich noch nicht detailliert über unsere Roadmap diesbezüglich sprechen.

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