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Mit agilen Coaches agiler werden

Ohne Hinterfragen und Reflektieren bewegt sich nichts

Katja von Bergen arbeitet als Unternehmens- und Managementberaterin für die international agierende Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal. Die Diplom-Betriebswirtin ist auf die Themenfelder Changemanagement, Projektmanagement und Unternehmensentwicklung spezialisiert.
"Wir wollen agiler werden." Das verkünden zurzeit viele Unternehmen. Dabei vergessen sie leider meist, dass Agilität eine Veränderung der Kultur in der Organisation erfordert – und nicht nur das Einführen neuer Begriffe und Methoden.
Agilität bedeutet sich selbst und sein Handeln regelmäßig zu hinterfragen und zu reflektieren.
Agilität bedeutet sich selbst und sein Handeln regelmäßig zu hinterfragen und zu reflektieren.
Foto: ESB Professional - shutterstock.com

Spätestens seit Daimler-Chef Dieter Zetsche im Oktober 2016 das Leitbild einer neuen agilen Organisation verkündete, ist klar: Agilität führt kein Nischendasein mehr in den Unternehmen; sie ist zu einem Trend mutiert, der alle Branchen erfasst. Sogar Konzerne wollen nun ähnlich wie Startups agieren und ihre Organisationen "agilisieren".

Dabei verfahren sie häufig nach folgendem Schema: Agile Teams werden eingerichtet, den Projektleitern wird das "Handbook of Scrum" in die Hand gedrückt. Und dann werden sie aufgefordert: "Jetzt seid mal agil" - oft ohne dass die Betroffenen wissen, was dies bedeutet. Entsprechend groß ist die Gefahr, dass sie "agil sein" schlicht mit "schnell sein" und "flexibel sein" gleichsetzen und vergessen, dass hinter dem Agilitäts-Konzept eine Philosophie steht, die ein radikales Umdenken erfordert.

Machen Sie mit! - Foto: Monkey Business Images - shutterstock.com

Machen Sie mit!

Die letzte große Welle beziehungsweise der letzte große Trend, der einen solchen Change des Mindset voraussetzte, war die Lean Philosophie. Auch sie wurde in vielen Unternehmen zunächst euphorisch aufgegriffen und dann halbherzig umgesetzt - mit der Konsequenz, dass die meisten Lean Initiativen nach gewissen Anfangserfolgen wieder einschliefen. Und der Begriff Lean? Er ist heute in den Köpfen der meisten Mitarbeiter verbrannt - und wird von ihnen nicht selten mit "abspecken", also Kosten sparen und Personalabbau gleichgesetzt.

Der Mindset muss sich ändern

Agilität und Lean haben eins gemeinsam: Die Grundlage beider Philosophien ist, dass die Mitarbeiter und Führungskräfte, Teams und Bereiche in den Unternehmen sich selbst und ihr Handeln regelmäßig hinterfragen und reflektieren - mit dem Ziel, kontinuierlich zu lernen und besser zu werden. Eine solche Einstellung und Haltung ist in den meisten Unternehmen nicht selbstverständlich. Im Gegenteil. Wer in ihnen einen Fehler oder ein Versäumnis zugibt, hat oft verloren: Er hat versagt! Dieser Mindset muss sich ändern, wenn die hinter den Philosophien Agilität und Lean liegenden Methoden Unternehmen zum Erfolg führen sollen. Das heißt: Die Einstellung der Mitarbeiter und die Kultur in den Unternehmen muss sich wandeln.

Ein Paradigmenwechsel ist nötig

Scrum Master sowie die Mitglieder und Führungskräfte agiler Teams stehen bei ihrer Arbeit vor der Herausforderung, dass ein agiles Arbeiten einen Paradigmenwechsel in ihrer Organisation erfordert - und zwar auf vielen Ebenen:

  1. Mitarbeiter, die es gewohnt sind, alles "vorgesagt" zu bekommen, sollen plötzlich eigenverantwortlich und auch unternehmerisch denken und handeln.

  2. Die Führungskräfte haben nicht mehr das alleinige Sagen und sollen ihre Mitarbeiter coachend unterstützen.

  3. Die gewachsenen Hierarchien mit den damit verbundenen Privilegien werden aufgebrochen und formieren sich abhängig von den Projekten, Zielen und Ideen stets neu.

  4. Der Umgang mit Unsicherheit und Veränderung ist plötzlich das tägliche Brot.

Dieser Change lässt sich nur mit agilen Teams bewältigen, die ausreichend für diese Aufgaben qualifiziert sind und Support von ganz oben erfahren. Dabei gilt: Eine große Diversität der Teammitglieder ist zwar förderlich für gute Ideen, sie birgt jedoch auch das Potenzial für Konflikte und Grabenbildung. Diese gilt es durch eine Teamentwicklung aufzufangen und in ein produktives, verständnisvolles Miteinander zu überführen. Die "Andersartigkeit" der anderen muss verstanden werden, damit sie geschätzt werden kann.

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