ReinerSCT mit neuem Lizenzmodell

Pflicht zur Zeiterfassung als Chance für den Channel

Peter Marwan lotet kontinuierlich aus, welche Chancen neue Technologien in den Bereichen IT-Security, Cloud, Netzwerk und Rechenzentren dem ITK-Channel bieten. Themen rund um Einhaltung von Richtlinien und Gesetzen bei der Nutzung der neuen Angebote durch Reseller oder Kunden greift er ebenfalls gerne auf. Da durch die Entwicklung der vergangenen Jahre lukrative Nischen für europäische Anbieter entstanden sind, die im IT-Channel noch wenig bekannt sind, gilt ihnen ein besonderes Augenmerk.
Im Mai 2019 sorgte eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Aufsehen: Demnach müssen die EU-Staaten Arbeitgeber künftig zur vollständigen Zeiterfassung verpflichten. Die dadurch zunächst hervorgerufene Panik ist unbegründet. Fachhändlern, die Lösungen für Zeitmanagement in ihr Portfolio aufnehmen wollen, bieten sich dadurch dennoch interessante Möglichkeiten.

Arbeitgeber in der EU werden künftig dafür Sorge tragen müssen, dass alle ihre Mitarbeiter die täglich erbrachte Arbeitszeit erfassen. Denn ohne solch eine Erfassung sei es zumindest schwierig, wahrscheinlich aber sogar praktisch unmöglich, die Einhaltung von Arbeitszeitrichtlinien - etwa zu den höchstzulässigen Arbeitszeiten und zu Ruhezeiten - und des damit beabsichtigten Gesundheitsschutzes zu kontrollieren, so der Europäische Gerichtshof (EuGH). Er verpflichtete daher die Mitgliedsstaaten der EU, ihre nationalen Gesetze entsprechend anzupassen.

Thomas Peter, Sales Director IT-Channel bei Reiner SCT, will Zeiterfassung nicht als Problem sehen, sondern sich dem Thema über den wesentlich vielseitigeren und mehr Perspektiven bietenden Begriff Zeitmanagement nähern.
Thomas Peter, Sales Director IT-Channel bei Reiner SCT, will Zeiterfassung nicht als Problem sehen, sondern sich dem Thema über den wesentlich vielseitigeren und mehr Perspektiven bietenden Begriff Zeitmanagement nähern.
Foto: Reiner SCT

In ersten Berichten und Kommentaren wurden Schreckensszenarien von der Rückkehr der Stechuhr sowie dem Ende von Gleitzeit und Homeoffice gezeichnet. So schlimm wird es jedoch nicht werden, denn wie die Arbeitszeit genau erfasst wird schreibt der Gesetzgeber nicht vor und zahlreiche, bereits verfügbare digitale Lösungen ermöglichen auch die ortsunabhängige Zeiterfassung.

Zudem wird es noch eine Weile dauern, bis die jeweiligen nationalen Gesetze in Kraft treten. Zum Beispiel teilte in Deutschland das Bundesarbeitsministerium Anfang Januar 2020 mit, dass derzeit die Vorarbeiten laufen. Anlass war die Fertigstellung eines vom Ministerium beim Rechtswissenschaftler Frank Bayreuther in Auftrag gegeben Gutachtens. Demnach kennt das deutsche Recht "derzeit keine generelle Verpflichtung aller Arbeitgeber, die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten aufzuzeichnen."

Daher müsse das Arbeitszeitrecht entsprechend ergänzt werden. Das war aber auch schon vorher klar, denn bisher reichte es aus, die über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehenden Überstunden aufzuzeichnen - also Überstunden, Mehrarbeit sowie Arbeit an Sonn- und Feiertagen. Und auch dazu waren nur Vollzeitbeschäftigte verpflichtet. Neu sein wird also, dass alle Arbeitnehmer in allen Branchen die gesamte Arbeitszeit dokumentieren müssen.

Änderungen für deutsche Arbeitgeber sind absehbar

Folgt das Ministerium in seinem Gesetzentwurf dem Gutachten von Frank Bayreuther, werden Arbeitgeber dazu verpflichtet, Möglichkeiten zu schaffen, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit jeweils am Tag der Arbeitsleistung aufzuzeichnen. Die Aufzeichnung kann auch vom Arbeitnehmer vorgenommen werden, der sollte aber Einsicht in die Zeiterfassung haben. Ob die in Papierform, elektronischer Form, durch Eingabe der Zeiten in eine Software oder über elektronische Zutrittsausweise erfolgt, ist dabei unerheblich.

Zutrittskontrolle ist ein wichtiger Baustein der Zeiterfassung. Leider sind die Angebote für den Channel hier dünn gesät.
Zutrittskontrolle ist ein wichtiger Baustein der Zeiterfassung. Leider sind die Angebote für den Channel hier dünn gesät.
Foto: Reiner SCT

Thomas Peter, Sales Director IT-Channel bei Reiner SCT, empfiehlt Unternehmen, nicht wie das Kaninchen auf die Schlange auf das Problem Zeiterfassung zu starren, sondern sich dem Thema über den wesentlich vielseitigeren und mehr Perspektiven bietenden Begriff Zeitmanagement zu nähern. "Zeitmanagement lässt sich viel leichter positiv sehen. Denn dadurch ist es zum Beispiel auch möglich, das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Tätigkeiten zu ermitteln." Das helfe auch Vertriebspartnern, das Thema bei ihren Kunden zu positionieren.

Das bestätigt Reiner Stumpf, ERP-Berater und Projektmanager beim langjährigen Reiner-SCT-Partner Thefi aus Oberfranken. So lasse sich zum Beispiel am Ende eines Meetings mit mehreren Personen direkt sagen: "Diese Besprechung kostete 800 Euro", erklärt Stumpf plakativ. Seiner Erfahrung nach sorgt ein funktionierendes Zeitmanagement für mehr Fairness in der Belegschaft und schafft Transparenz in den Prozessen des Unternehmens. In vielen Branchen sei zudem nicht zu unterschätzen, dass der Unternehmer damit auch Rechtssicherheit in Bezug auf das Mindestlohngesetz herstellt.

Erfahrungen des Handels mit Zeitmanagementlösungen

Stumpf hat zudem gute Erfahrungen damit gemacht, die Zeitmanagementlösungen von Reinert SCT nicht als Kontrollinstrument der Geschäftsleitung anzubieten, sondern den Aspekt "mehr Flexibilität für die Belegschaft" zu betonen. Ohne Zeiterfassung tendieren viele Chefs dazu, feste Anwesenheitszeiten zu verlangen. Meist sind das die, zu denen sie selbst im Betrieb sind, um ihre Mitarbeiter kontrollieren zu können. Mit Zeitmanagement lassen sich jedoch attraktivere Arbeitszeitmodelle finden, wie sie heute gerade von gefragten Fachkräften auch oft erwartet werden. Pendler vermeiden so den größten Stau, Eltern sind rechtzeitig zur Rückkehr ihrer Kinder aus der Schule wieder zuhause und so weiter.

Lesetipp: Arbeitszeit richtig erfassen und berechnen

"Wenn ich mich bei der Arbeitszeit nach den Arbeitnehmern richten kann, macht mich das als Arbeitgeber attraktiv", so Stumpf. Klar ist aber auch, dass dann die Verwaltung der eventuell erforderlichen Präsenzzeiten komplexer wird. Daher bietet Reiner SCT die schon länger als Modul mit an. "Über Zeiterfassung zu sprechen finden viele Kunden langweilig", so Stumpf. "Gehen wir das Thema aber mit Schichtplänen, Urlaubsplänen, Abrechnung von Projektzeiten oder ähnlichem an, stoßen wir überall auf offene Ohren." Dazu trägt auch bei, dass sich die erfassten Zeiten auch in Lohnabrechnungsprogramme exportieren lassen, zum Beispiel gibt es eine Kooperation zwischen Reiner SCT und Datev.

Reiner SCT traditionell mit indirektem Vertrieb

Unter der Vielzahl der Anbieter von Systemen für Zeiterfassung, Zugangskontrolle und Zeitmanagement hebt sich Reiner SCT erstens durch die Breite des Portfolios ab. Aus Sicht des Handels wichtiger ist aber, dass es auch das einzige Unternehmen mit solch einem breiten Portfolio ist, das konsequent auf den indirekten Vertrieb setzt. Dafür gibt es ein Partnerprogramm, in dem derzeit zwölf sogenannte Service Partner, etwa 60 Certified Partner und rund 300 Selling Partner organisiert sind.

Angesichts eines immer größer werdenden Anteils mobiler Mitarbeiter ist eine mobile Zeiterfassung in vielen Firmen unerlässlich.
Angesichts eines immer größer werdenden Anteils mobiler Mitarbeiter ist eine mobile Zeiterfassung in vielen Firmen unerlässlich.
Foto: Reiner SCT

Eine Neuerung gibt es auch für die Reiner-SCT-Vertriebspartner. Sie können sich bei der Installation von timeCard 10 von zertifizierten Service-Partnern beraten und unterstützen lassen. "Gerade bei der Konfiguration der Software und der Anpassung auf die Arbeitszeitmodelle der Endkunden steckt der Teufel im Detail und die Verantwortung ist hoch - schließlich hängen an der korrekten Zeiterfassung die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter. Mit diesem neuen Angebot für die Vertriebspartner stellen wir sicher, dass die Installationen reibungslos funktionieren und die Endkunden das System schnell und mit minimalem Aufwand komfortabel nutzen können", so Staiger.

Zeiterfassung und Zeitmanagement als Managed Service

Mit Timecard10, der aktuellsten Version seiner Zeiterfassungslösung, hat Reiner SCT auch das Lizenzmodell umgestellt. "Sie lässt sich dadurch nun leicht in Managed Services einbauen", verspricht Sales Director Thomas Peter. Dazu lasse man den Partnern "völlige Freiheit bei der Ausgestaltung der Abrechnungs- und Vertragsmodalitäten mit ihren Kunden."

Peter zufolge hat der Betrieb als Managed Service mehrere Vorteile. Da Zeiterfassung ein unerlässlicher Bestandteil aller Beschäftigungsverhältnisse wird, der interne Betrieb der erforderlichen Infrastruktur aber keinen Mehrwert verspricht, sei die Bereitschaft der Kunden groß, sie als Service zu beziehen. Für Systemhäuser und Fachhändler ergeben sich daraus neben einer langfristigen, engen Kundenbeziehung auch zahlreiche Anknüpfungspunkte für weitere konkrete Projekte - sei es für besseres mobiles Arbeiten, einen modernen Büroarbeitsplatz oder Tools zur Steuerung von Service-Technikern und den Außendienst.

Lesetipp: Maximale Arbeitszeit

Für ihren Service bestellen die Partner über die Distribution, zum Beispiel bei Alldis, eine Zwölfmonatslizenz. Die wird dann vom Distributor auf dem Lizenz- und Aktivierungsserver aktiviert, der Reseller erhält mit der Auftragsbestätigung den Aktionscode. 60 Tage vor Ablauf der Lizenz erhält der betreuende Partner eine automatische Mail (30 Tage vor Ablauf dann auch der Kunde). Die Mail erinnert den Partner daran, mit seinem Kunden einen Termin zur Vertragsverlängerung zu vereinbaren. Will der Kunde das nicht, läuft die Lizenz nach einer 20tägigen Kulanzzeit aus. Nur wenn der Partner nicht reagiert, kontaktiert der Hersteller den Kunden und ordnet ihm bei Bedarf einen neuen Partner zu.

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