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MulteFire

Privates LTE-Netz als Alternative zum Unternehmens-WLAN



Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Dank seiner besonderen Eigenschaften hat die MulteFire-Technologie das Potenzial, dem klassischen WLAN im Enterprise-Umfeld den Rang abzulaufen. Die Konnektivität findet dabei über LTE im Shared oder Unlicensed Spectrum statt.

Als Firmen wie Qualcomm vor einigen Jahren die Idee aufgriffen, über LTE Unlicensed (LTE-U) auch das von WLAN genutzte Frequenzspektrum um 2,4 sowie 5 Ghz einzusetzen und damit für ihre Technologie eine bessere Abdeckung und eine höhere Bandbreite zu erzielen, stieß dieses Vorgehen nicht eben auf Begeisterung. Unternehmen wie Google, Microsoft oder Organisationen wie die Wi-Fi Alliance befürchteten, dass sich Mobilfunkbetreiber über kurz oder lang in dem Frequenzbereich breit machen und großräumig den Betrieb von großen und kleinen WLANs stören.

Ein Einsatzszenario für MulteFire ist die Bereitstellung eines privaten LTE-Netzes in Flughäfen.
Ein Einsatzszenario für MulteFire ist die Bereitstellung eines privaten LTE-Netzes in Flughäfen.
Foto: MulteFire Alliance

Mit der von Qualcomm und Nokia und später von Firmen wie Ericsson, Cisco, Huawei, Intel oder Samsung unterstützten Technologie MulteFire (und dem in den USA im 3,5-Ghz-Bereich aktiven Citizen Broadband Radio Service) bewegt sich das Thema nun in eine etwas andere Richtung. Weil MulteFire den Medienzugangsmechanismus "Listen Before Talk" (LBT) unterstützt, soll damit - zumindest in der Theorie - ein friedliches Nebeneinander mit WLAN-Netzen möglich sein. Und da die Lösung kein lizensiertes Frequenzband als "Anker" benötigt, kommen als Zielgruppe neben Carriern insbesondere auch Firmen und andere Organisationen sowie Privatpersonen in Frage.

Aus Sicht der 2015 gegründeten MulteFire Alliance verspricht MulteFire dabei LTE-ähnliche Leistung bei einem mit WLAN vergleichbaren Aufwand in der Bereitstellung und könnte Industriekunden dabei helfen, die Investitionskosten für Einrichtung, Betrieb oder Wartung eines Netzwerks zu senken. Zudem bietet die LTE-basierte Technologie zahlreiche Vorteile gegenüber WiFi: So wurde LTE im Gegensatz zu WLAN für groß angelegte Implementierungen entwickelt, mit Features wie integrierter Dienstgüte (Quality of Service, QoS), einer hohen Skalierbarkeit und einer relativ sicheren, da SIM-basierten Authentifizierung in Zusammenarbeit mit Carriern. Außerdem unterstützt die Lösung ein unterbrechungsfreies Hand-over zwischen verschiedenen Zellen - innerhalb der MulteFire-Infrastruktur aber auch beim Übergang von einem kommerziellen LTE-Mobilfunknetz in das private Netz und umgekehrt.

Zahlreiche Nutzungsszenarien denkbar

Denkbar sind dabei verschiedenste Nutzungsszenarien, angefangen von der Alternative zu Campus-WLANs von Universitäten bis hin zum Einsatz als neutraler Host zur Versorgung von Bürogebäuden, Einkaufszentren, Flughäfen, Sportarenen oder allgemein abgelegenen Gebieten mit schwachem Mobilfunksignal. Da für MulteFire lizenzfreie Frequenzen genutzt werden, soll es dabei egal sein, bei welchem Carrier ein Nutzer sein Mobilgerät registriert hat.

Private MulteFire-Netzwerke können aber auch an die Anforderungen einer bestimmten Branche und ihre Anwendungen angepasst werden, etwa in einem Bergwerk, einem Logistikcenter, einem Containerhafen, einem Krankenhaus oder einem Smart Building.

Ein aus Sicht der mit namhaften Firmen besetzten MulteFire Alliance denkbares Szenario ist auch, dass ein Autohersteller eine neue Produktionslinie hinzufügt und dabei eine Vielzahl von Sensoren und Robotern miteinander verbinden will, ohne alles neu zu verkabeln. Hier könne MulteFire ein sicheres, skalierbares Netzwerk mit einer niedrigen Latenz bereitstellen.

Die geplante Entwicklung von MulteFire geht in Richtung IoT und 5G.
Die geplante Entwicklung von MulteFire geht in Richtung IoT und 5G.
Foto: MulteFire Alliance

Erste MulteFire-Hardware vorgestellt

Dies alles ist (bald) keine Zukunftsmusik mehr: Mit der Anfang 2018 fertiggestellten Spezifikation 1.0 gibt es inzwischen eine End-to-End-Architektur für MulteFire und damit eine Grundlage für Unternehmen, um ein eigenes privates LTE-Netz zu betreiben. Die für Mitte 2018 angekündigte Spezifikation 1.1 soll außerdem die Unterstützung für verschiedene Arten von IoT-Konnektivität bringen, einschließlich dem Support für Narrowband-IoT (NB-IoT).

Und auch an der Hardware-Front tut sich einiges: Netzausrüster Nokia will bis Mitte des Jahres mit dem FlexiZone MulteFire Multiband Pico BTS eine Picozelle für unlizensierte LTE-Netze auf den Markt bringen. Das Gerät soll eine Bandbreite von bis zu 300 Mbit/s unterstützen und nutzt Ethernet zur Anbindung ans Backbone. WLAN-Anbieter Ruckus Wireless, ebenfalls Mitglied der MulteFire Alliance, kündigte im vergangenen Jahr an, sein Unlicensed-LTE-basierendes System OpenG mit MulteFire kompatibel zu machen.