Wegen abgewanderten Mitarbeitern

Rechtsstreit zwischen Unicon und Igel Technology

Peter Marwan lotet kontinuierlich aus, welche Chancen neue Technologien in den Bereichen IT-Security, Cloud, Netzwerk und Rechenzentren dem ITK-Channel bieten. Themen rund um Einhaltung von Richtlinien und Gesetzen bei der Nutzung der neuen Angebote durch Reseller oder Kunden greift er ebenfalls gerne auf. Da durch die Entwicklung der vergangenen Jahre lukrative Nischen für europäische Anbieter entstanden sind, die im IT-Channel noch wenig bekannt sind, gilt ihnen ein besonderes Augenmerk.
Das Karlsruher Softwareunternehmen Unicon hat gegen IgeI Technology geklagt. Es wirft seinem ehemaligen Geschäftsführer Niels Keunecke und einigen weiteren, zu den Bremern gewechselten Mitarbeitern vor, Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben.
Verhärtete Fronten: Unicon wirft Igel vor, durch abgewanderte Mitarbeiter Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben.
Verhärtete Fronten: Unicon wirft Igel vor, durch abgewanderte Mitarbeiter Geschäftsgeheimnisse gestohlen zu haben.
Foto: Vaclav Volrab - shutterstock.com

Unicon wirft seinem ehemaligen Geschäftsführer Niels Keunecke, der heute Chief Revenue Officer EMEA bei Igel Technology ist, sowie einigen weiteren, Ende 2020 und Anfang 2021 zu Igel gewechselten Mitarbeitern vor, Geschäftsgeheimnisse zu ihrem neuen Arbeitgeber mitgenommen zu haben. Die Karlsruher stellten daher Februar 2021 Strafanzeige gegen ihren früheren Geschäftsführer bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Keunecke kam 2012 als Geschäftsführer zu Unicon. Er war zuvor unter anderem mehrere Jahre bei Fujitsu und Medion.

Im Februar 2022 folgte eine Strafanzeige von Unicon gegen Verantwortliche und Mitarbeiter von Igel Technology. Außerdem wurden wegen Verstoß gegen das Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen einstweilige Verfügungen gegen Mitarbeiter von Igel Technology und das Unternehmen selbst erlassen. Unicon-Geschäftsführer Philipp Benkler sieht sich einer Pressemitteilung zufolge "gezwungen, alle rechtlichen Möglichkeiten gegen Igel Technology und einige ihrer Führungskräfte auszuschöpfen, nachdem wir erfahren haben, dass uns umfassend und systematisch streng vertrauliche Geschäftsgeheimnisse gestohlen wurden." Die aus diesen rechtlichen Schritten resultierenden Verfahren laufen derzeit noch.

"Das Landgericht München I hat den Verfügungsantrag der Unicon nach ausführlicher Anhörung beider Unternehmen vor zwei Wochen in vollem Umfang zurückgewiesen und damit der Igel Recht gegeben", teilt das Bremer Unternehmen auf Anfrage von ChannelPartner mit. Ein weiteres Verfahren sei derzeit beim Landgericht Bremen anhängig. "Das Bremer Gericht hatte eine einstweilige Verfügung erlassen, ohne uns zuvor anzuhören. Diese Entscheidung ist jedoch nicht rechtskräftig, denn wir haben Rechtsmittel eingelegt" erklärt Igel weiter.

Das Landgericht Bremen werde sich nun "eingehend mit diversen rechtlichen Gesichtspunkten beschäftigen müssen, unter anderem damit, ob es sich bei den in Rede stehenden Informationen überhaupt um Geschäftsgeheimnisse handelt und ob die Unicon ausreichende Maßnahmen zur Geheimhaltung vertraulicher Informationen ergriffen hatte."

Einen kleinen Seitenhieb erlaubt sich Igel, indem es erklärt: "Igel ist ein attraktiver Arbeitgeber im Linux- und Thin-Client-OS-Markt und hat ein sehr gutes, kompetentes und schlagkräftiges Team aufbauen können. Dazu zählen auch Mitarbeiter, die früher bei der Unicon beschäftigt waren, aber nach neuen Perspektiven suchten, die Igel bieten konnte."

Der Anbieter versichert schließlich, dass die Auseinandersetzung für Kunden oder Partner keinerlei Beeinträchtigungen mit sich bringen werde. Igel Technology vertreibt seine Produkte im Channel über ADN, Arrow und Vanquish.

Unicon hat ADN, Arrow und BCD als Distributoren. Zum 1. November 2021 kaufte ein von Familienunternehmen unterstützter Investor Fujitsu dessen Anteile an Unicon ab. Gleichzeitig wurde beschlossen, die strategische Partnerschaft zwischen Unicon und Fujitsu zu intensivieren. Auch die Bemühungen um den IT-Channel plante Unicon im Rahmen der Zusammenarbeit mit Fujitsu zu verstärken.

Unicon wurde 1993 gegründet und ist auf Thin-Client-Software spezialisiert. Es unterhält unter anderem Technologiepartnerschaften zu Microsoft, Citrix und VMware sowie AMD, Intel, Nutanix und Thin Print. OEM-Partner sind neben Fujitsu auch Dell, HP, Lenovo, LG Electronics und der dänische Anbieter Nexterminal. Hauptprodukte sind das Hardware-unabhängigen Betriebssystem eLux und die Management-Lösung Scout.

Igel Technology arbeitet ebenfalls mit AMD, Intel, Fujitsu, Lenovo, LG, Nutanix und Thin Print zusammen, hat aber generell ein umfassenderes Partner-Ökosystem und arbeitet zum Beispiel in Bezug auf Endgeräte noch Partnerschaften mit Asus, Dynabook, Ncomputing, Prime Computer, Rangee und Wortmann zusammen.

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