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10.000 Mitarbeiter sollen gehen

T-Systems will sich als Digitaldienstleister aufstellen

Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
T-Systems-Chef Adel Al-Saleh hat seine Umbaupläne konkretisiert. Mit einer neuen Portfolio- und Managementstruktur soll sich das Unternehmen als Digitaldienstleister positionieren. Im Zuge der Neuausrichtung sollen rund 10.000 Stellen wegfallen.

"Unsere Strategie steht", konstatierte Telekom-Vorstand und T-Systems-Chef Adel Al-Saleh. "Wir richten uns nach elf Portfolio-Einheiten aus. Wir haben vier Veränderungsinitiativen eingeleitet und setzen jetzt die Pläne um", erklärte der seit Anfang des Jahres amtierende CEO. "Damit richten wir T-Systems zum Digitaldienstleister für unsere Kunden aus." Dabei will Al-Saleh keine Zeit verlieren - der CEO gibt Gas: Bereits am dem 1. Juli will er das Unternehmen entlang der neuen funktionalen Teams in einer Projektorganisation nach dem neuen Geschäftsmodell führen. Zum 1. Januar 2019 soll T-Systems dann mit allen Prozessen auf das neue Zielmodell umgestellt und die disziplinarische und funktionale Führung angepasst sein.

Wir gehen mit unseren Kunden in die digitale Zukunft, verkündete Adel Al-Saleh, seit Anfang 2018 CEO bei T-Systems, und begann gleich, das Business des Dienstleisters umzukrempeln.
Wir gehen mit unseren Kunden in die digitale Zukunft, verkündete Adel Al-Saleh, seit Anfang 2018 CEO bei T-Systems, und begann gleich, das Business des Dienstleisters umzukrempeln.
Foto: Deutsche Telekom

Damit will Al-Saleh die Großkundensparte der Deutschen Telekom wieder auf Wachstumskurs bringen. Wirtschaftlich gesehen habe sich der Dienstleister in den vergangenen Jahren mit rückläufigen Auftragseingängen, Umsätzen und Erträgen nicht gut behauptet, hieß es selbstkritisch von Seiten des Dienstleisters. Doch das soll sich jetzt ändern. Dazu beitragen sollen Einsparungen bei den Kosten für Verwaltung und Management-Ebenen. Investitionen in Wachstumsfelder bildeten den Kern des Transformationsprogramm für die kommenden drei Jahre. Im Einzelnen geht es T-Systems zufolge bei diesen Wachstumsfeldern um: das Internet der Dinge (IoT), Cloud, SAP, Sicherheit, Digital Solutions, Maut und Services für die öffentliche Hand.

Das will T-Systems verändern

Konkret geht es bei den vier anvisierten Veränderungsinitiativen um folgende Punkte:

  1. Das Reduzieren der Führungsebenen von acht auf drei - beziehungsweise fünf in großen Lieferorganisationen. Der Abbau von Führungspositionen bei T-Systems soll agile Organisationsstrukturen und effiziente Entscheidungsprozesse schaffen. Einfachere Governance- und Managementsysteme, effizientere Prozesse und Wegfall von Bürokratie würden weltweit zu einem verminderten Stellenbedarf führen, hieß es.

  2. Eine neue Portfoliostruktur soll den Fokus schärfen. Dies schaffe die notwendige Konzentration auf Angebote und darauf, wo T-Systems investieren oder sich aus Themen herausziehen sollte. Ziel dieser Fokussierung sei, das Kundenerlebnis zu verbessern und Transparenz im Management und in der Performance jeder Portfolio-Einheit zu schaffen. Schlankere, fokussierte Strukturen würden sich T-Systems zufolge nur leicht mit einem geringeren Stellenbedarf weltweit auswirken.

  3. Mit einer neuen integrierten, auf Portfolio, Effizienz und Qualität ausgerichteten Lieferorganisation will T-Systems eine durchgängige Kostentransparenz erreichen sowie fokussierte Liefer- und Betriebsleistungen erzielen. Die Folge: Eine Shoring-Strategie mit vier großen Liefer- und ausgewählten Spezialzentren, Automatisierung und verbesserten Werkzeugen führten zu einer Verlagerung und dem Abbau von Stellen weltweit.

  4. Mit einer neuen, integrierten Vertriebsorganisation für das gesamte Produkt- und Dienstleistungsangebot will T-Systems den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Die Integration der heute noch fragmentierten Vertriebsteams, verbesserte Prozesse sowie Abbau und Wegfall von nicht kundenbezogenen Aktivitäten führten zu mehr Vertriebseffizienz, hofft der Dienstleister. Man gehe bei dieser Initiative von einem leichten Bedarfsrückgang bei den Stellen aus, hieß es. Viele davon hätten keinen direkten Bezug zum Kunden.

600 Millionen Euro sparen - 300 Millionen Euro investieren

Mit ihrem Transformationsplan will T-Systems über alle Gesellschaften und lokale Geschäftseinheiten hinweg rund 600 Millionen Euro einsparen. Bis zu 300 Millionen Euro will Al-Saleh in die Wachstumsfelder IoT, Cloud und Sicherheit reinvestieren. "Wir werden dreistellige Millionenbeträge pro Jahr für die Wachstumsfelder ausgeben", kündigte der T-Systems-CEO an. "Denn die Transformation des Unternehmens darf unseren Erfolg in den Wachstumsbereichen nicht gefährden."

Gefährdet sind indes viele Arbeitsplätze bei T-Systems. Der Umbau zu einer agilen Organisation durch Wegfall von Bürokratie und der Ausbau zum Digitaldienstleister werde weltweit rund 10.000 Stellen betreffen, räumten die Verantwortlichen ein. Über drei Jahre würden rund 4000 Stellen verlagert und 6000 wegfallen. Starten will T-Systems im zweiten Halbjahr 2018. In Deutschland würden in den nächsten drei Jahren jährlich rund 2000 Stellen entfallen oder verlagert, hieß es. Im ersten Jahr gehe es dabei vor allem um weniger Verwaltungs- und Management-Positionen. Im zweiten Jahr liege der Schwerpunkt darauf, die Lieferaktivitäten auf die vier großen Lieferzentren zu verteilen, und im dritten Jahr sollen Stellen durch höhere Automatisierung und Digitalisierung wegfallen. T-Systems beschäftigt zurzeit rund 37.000 Mitarbeiter weltweit, davon 17.800 in Deutschland.

T-Systems hat eigenen Angaben zufolge in Deutschland im Verhältnis zur seiner Größe eine überproportionale Anzahl von Bürostandorten. "Wir haben 230 Bürostandorte in 100 Städten", stellte Al-Saleh fest. "In 50 der Standorte arbeiten weniger als acht Mitarbeiter. Das ist nicht effizient. Wir wollen auf unter 20 Bürostandorte konsolidieren. Bereits arbeiten heute rund 90 Prozent aller Mitarbeiter in 22 deutschen Standorten." Der T-Systems-Chef hat klare Vorstellungen: "Ich will einen Digitaldienstleister mit weltweit mehr als 30.000 attraktiven Arbeitsplätzen", umreißt Al-Saleh sein Ziel.

Dorthin zu kommen wird nicht einfach. Die Transformation soll über die Geschäftsjahre 2018, 2019 und 2020 andauern. Gerade die kommenden Monate würden dabei für alle eine große Herausforderung, räumen die Verantwortlichen ein. "Die Transformation von T-Systems wird allen viel abverlangen." Man sei sich bewusst, harte Entscheidungen treffen zu müssen, die zu intensiven Diskussionen und Besorgnis unter unseren Mitarbeitern führen. Das alles soll transparent und sozialverträglich umgesetzt werden, verspricht das T-Systems-Management. Allerdings erfordere der Umbau auch die Mithilfe aller Beteiligten, die Veränderungsbereitschaft und Mobilität der Mitarbeiter.

Gewerkschaft: Stellenabbau eine Gefahr für T-Systems

Arbeitnehmervertreter kritisierten die geplanten Maßnahmen als unverantwortlich und gefährlich für den Fortbestand des T-Systems-Geschäfts. Statt das Unternehmen neu und zukunftssicher auszurichten, würden "wieder einmal einfallslose Sparprogramme, Standortkahlschlag und eine massive Arbeitsplatzvernichtung stattfinden", monierte die Gewerkschaft Verdi. "Das neue T-Systems-Management ist offensichtlich nicht in der Lage oder nicht willens, tragfähige und ausgewogene Lösungen zu finden", sagte IT-Bundesfachgruppenleiter der Gewerkschaft, Michael Jäkel.

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Der neue T-Systems-Chef war zu Jahresanfang als Sanierer angetreten und hatte gleich mit den Umbauvorbereitungen begonnen. Was der Mutterkonzern von Al-Saleh erwartet, hatte Telekom-Chef Timotheus Höttges bereits im vergangenen Jahr bei seiner Begrüßung durchblicken lassen: "Ob Einstellung, Haltung oder Know-how, er bringt alles für die Aufgabe mit. Adel hat bewiesen, dass er Unternehmen auf Kurs bringen kann." Indirekt bestätigte Höttges damit die Gerüchte, wonach er für T-Systems nach einem Sanierer gesucht habe, weil die Großkundensparte seit Jahren Verluste schreibt.

Al-Saleh zieht schonungslos Bilanz

Und Al-Saleh legte gleich los. Bereits im Februar begann es zu rumoren. In einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter ging der neue T-Systems-Boss hart mit seinen Vorgängern ins Gericht. Umsätze und Auftragseingänge seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Er kritisierte die Komplexität des Geschäfts sowie veraltete und schwerfällige Strukturen, die zu Mehrkosten und Produktivitätseinbußen geführt hätten. Die hauseigenen Angebote seien nicht standardisiert genug, die Organisation insgesamt zu träge, monierte der Manager. Zwar gebe es innovatives Potenzial im Unternehmen, doch gelinge es derzeit nicht Kapital daraus zu schlagen. Die Telekom-Tochter habe sich in der Vergangenheit zu sehr mit sich selbst beschäftigt und darüber die Kundenbedürfnisse vernachlässigt.

Die Erwartungen der Konzernmutter sind klar. "Alle Einheiten des Konzerns sollen zum Wachstum beitragen", stellte CEO Höttges im Mai klar. Man setze auf die Wachstumsfelder von T-Systems wie Internet der Dinge, Cloud und Sicherheitslösungen. Für diese Bereiche erwarte T-Systems bis 2021 deutliches Wachstum. Damit soll das stagnierende oder leicht rückläufige klassische Telekommunikations- und IT-Geschäft von T-Systems überkompensiert werden und die Einheit wieder auf Wachstumskurs kommen, hieß es.

Der Druck, T-Systems auf Erfolgskurs zu führen, ist hoch. "Der Auftragseingang unseres operativen Segments Systemgeschäft entwickelte sich im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr stark rückläufig und lag damit deutlich unter unseren Erwartungen", hieß es im Geschäftsbericht der Deutschen Telekom für das Jahr 2017. Mit ein Grund für den geringeren Auftragseingang sei die Tatsache, dass sich der Markt weg vom klassischen IT-Geschäft hin zum Cloud- und Digitalisierungs-Business entwickelt habe, womit auch kürzere Vertragslaufzeiten verbunden seien.

Klassisches Outsourcing gerät immer stärker unter Druck

Auf der einen Seite geht also das Geschäft bei den langfristigen, eher klassischen Outsourcing-Verträgen zurück, auf der anderen Seite legt der Markt für Cloud Computing zu. Der Wettbewerbs- und Preisdruck halte in allen Teilmärkten des operativen Segments Systemgeschäft an, konstatierten die T-Systems-Verantwortlichen. Grund dafür seien zum einen Wettbewerber wie BT Global Services, Orange Business Services und NTT Communication im Telekommunikationsmarkt und IBM, Atos und Capgemini im IT-Segment; zum anderen sei vor allem das IT-Segment durch Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services, Google und Salesforce unter Preisdruck geraten.

Ob es Al-Saleh gelingt, die Großkundensparte wieder in die Spur zu setzen, bleibt abzuwarten. Seine kompromisslosen Vorgehensweisen kommen jedenfalls in der Belegschaft nicht gut an, wie sich schon kurz nach seinem Start offenbarte. Dabei geht es offenbar auch um den Kommunikationsstil und persönliche Eitelkeiten: "Wir sind von der Art und Weise, die Mitbestimmungsgremien links liegen zu lassen und die bei weitem nicht in ausreichender Tiefe vorgestellten Ideen jetzt durchzupeitschen, im höchsten Maß verstimmt", schimpften die Verdi-Vertreter bereits im Februar dieses Jahres. "Falls dies die Vorboten eines neuen Management-Stils sind, werden wir uns der ruppigeren Herangehensweise des Arbeitgebers bei unseren Reaktionen anpassen müssen."